bedeckt München 22°
vgwortpixel

Volleyball:"Das ist für den Sport eine Katastrophe"

Kurzfristig kein Problem, langfristig aber ein massives: Alpenvolleys-Manager Hannes Kronthaler über den Saisonabbruch.

Die dritte Saison in der Volleyball-Bundesliga hätte für die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching eigentlich im Finale enden sollen. Nach dem pandemiebedingten Abbruch der Spielzeit ist von einem Rückzug aus der Liga bis zu einer Weiterführung des transalpinen Bündnisses zwischen Unterhaching und Innsbruck im Herbst derzeit alles möglich. Ein Gespräch mit dem Bauunternehmer Hannes Kronthaler, Generalmanager der Alpenvolleys, über Chaos, Zukunft und Sponsoren.

SZ: Herr Kronthaler, hat Sie die Nachricht vom sofortigen Abbruch der Saison nach dem Spiel gegen Giesen überrascht?

Hannes Kronthaler: Ich habe gedacht, dass wir nach der Hauptrunde aufhören. Aber es bringt ja auch nichts, vor leeren Tribünen zu spielen, also war die Entscheidung der Volleyball Bundesliga richtig.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen zieht das für die Alpenvolleys nach sich?

Ich habe heute das Budget gemacht aufgrund des Abbruchs, und ich spare mir 100 000 Euro. Die Gehälter habe ich unverändert gelassen, aber allein die Hallenkosten, die Reisekosten - das schlägt mit dieser Summe zu Buche. Kurzfristig entsteht also kein Schaden - aber die Perspektive leidet massiv. Es ist ja völlig unklar, wie lange das dauert.

Was bedeutet das für die Spieler?

Eigentlich wollte ich mich in der nächsten Woche mit meinen Spielern treffen und sie erst Ende März nach Hause schicken. Bezahlen werde ich sie aber eh bis zum Vertragsende, denn die Spieler können auch nichts dafür. Außerdem gäbe das nur arbeitsrechtliche Querelen.

In Österreich greifen von nächster Woche an massive Einschränkungen, Deutschland mahnt zur Vermeidung von Sozialkontakten. Sind Verhandlungen mit Sponsoren in dieser Situation realistisch?

VOLLEYBALL MEVZA Tirol vs Kastela INNSBRUCK AUSTRIA 16 OKT 16 VOLLEYBALL MEVZA Cup Middle Eu; Hannes Kronthaler Alpenvolleys

„Wer soll denn in diesem Chaos Sponsorenunterschriften einholen?“ Unternehmer und Volleyball-Impresario Hannes Kronthaler, 54, fordert von der Liga eine Verlängerung der Abgabefrist für die Lizenzierungsunterlagen.

(Foto: imago)

Nein. Die Liga muss das Lizenzierungsverfahren verlängern. Die Deadline ist aktuell der 15. April - aber wer soll denn in diesem Chaos Sponsorenunterschriften einholen? Wenn das Leben lahmgelegt wird, hat kein Sponsor Zeit für solche Dinge. Ich habe bis jetzt exakt mit meinem Hauptsponsor gesprochen, der hat zugesagt. Aber die anderen 26 müsste ich jetzt kontaktieren - das gelingt mir bis zum 15. April sicher nicht. Ich habe in meinem Kopf gerade eigentlich auch keinen Platz für Volleyball. Ich musste mir für 440 Leuten in meiner Firma überlegen, was wir tun.

Welche Auswirkungen hat die Situation auf die Frage, ob die Alpenvolleys ihr Projekt überhaupt weiterführen?

Die Prognose ist natürlich schlechter geworden. Diese Situation ist eher ein Argument dafür, es bleiben zu lassen. Man kann in Österreich aktuell in keiner Halle mehr trainieren. Alle Schulen haben zu, alle Unis. Die Theater und Kulturvereine haben große Ausfälle und bitten bereits um staatliche Hilfe. Ich habe noch nie gehört, dass Sportvereine auch Ausgleichszahlungen bekommen. Das ist für den Sport allgemein eine Katastrophe. Und all das verstärkt bei mir natürlich die Tendenz, einen Schlussstrich zu ziehen.

Unternimmt die Liga den Versuch, Ausgleichszahlungen zu erwirken?

Ja. Aber das übersteigt ja irgendwann auch die Kapazitäten eines Staates. Ich bin mir sicher, dass das mindestens ein Jahr nachwirken wird. Alles wird verschoben, niemand hat Geld übrig.

Wann werden Sie entscheiden, ob die Alpenvolleys weiterhin in der Bundesliga spielen?

In spätestens zwei Wochen. Wenn es weitergeht, muss allen klar sein, dass wir mit dem Kader wieder auf dem Stand vom Jahr eins beginnen. Wir fangen dann wieder bei null an. Die Spieler wissen das und machen sich aktuell entsprechend sehr grundsätzliche Gedanken.

Volleyball

Desinfektion zwischen zwei Ballwechseln: Mittelblocker Pedro Frances beim mittlerweile bedeutungslosen 3:0 am Donnerstag gegen Giesen.

(Foto: Christian Forcher / oh)

Wie sehen die aus?

Mein Sohn Niklas (Außenangreifer, Anm. d. Red.) überlegt, ob er mit dem Volleyball aufhört. Es ist nicht nur wirtschaftlich unsicher, er hat auch ein Studium und sagt sich: Das geht sich sowieso kaum aus. Er könnte außer bei Berlin bei jedem Bundesligisten spielen, aber diese Situation macht schon nachdenklich. Douglas da Silva wird aufhören, das hat er uns gestern schon gesagt, als ich die Mannschaft über den Abbruch informiert habe. Es wird ein paar weitere geben, die das in Erwägung ziehen. Das betrifft speziell Spieler, die vielleicht noch ein, zwei Jahre gespielt hätten, sich aber jetzt lieber in die berufliche Zukunft orientieren.

Gab es schon konkrete Gespräche?

Grundsätzlich ist es für mich einfach, weil kein einziger Vertrag über die Saison hinaus läuft und ich mit den Spielern nach der Hauptrunde darüber sprechen wollte, dass die Situation noch unsicher ist. Ich weiß, dass einige schon bei anderen Vereinen unterschrieben haben, das ist völlig legitim. Alles andere hängt von der grundsätzlichen Entscheidung ab, ob es weitergeht.

© SZ vom 14.03.2020
Zur SZ-Startseite