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Volleyball:Aus der Wärme Sibiriens

„Absoluter Kracher und vielversprechende Aktie“: Kirill Klets hat mit erst 20 Jahren eine erstaunliche Vita. Von Herbst an greift er für die Alpenvolleys an.

(Foto: FIVB/oh)

Der talentierte Russe Kirill Klets ist erst 20, bringt aber gleich seine schwangere Frau mit nach Innsbruck - wo künftig auch der Pole Pawel Halaba aufschlägt.

Von Sebastian Winter, Unterhaching/Innsbruck

Nun also Kirill Klets. Ein Russe aus Nowosibirsk, der größten Stadt Sibiriens. Wer an Sibirien denkt, der hat Eisbären und -zapfen vor Augen. Aber keine zurzeit 25 Grad warme Metropole in der Größe Münchens. Dort hält sich der 20-jährige Klets momentan noch mit seiner schwangeren Frau auf. Er wird den allerdings regenreichen Sommer in seiner Heimatstadt, in der Eisbären allenfalls im Zoo zu bestaunen sind, noch genießen, denn von Herbst an spielt Klets im dann bestimmt bitterkalten Innsbruck bei den Alpenvolleys Haching. Spätestens Anfang August zieht das junge Paar mit seinem ungeborenen Kind nach Österreich.

Klets, der Diagonalmann, der den abgewanderten Kanadier Rudy Verhoeff würdig vertreten soll, ist im Wortsinne ein großes Versprechen für die Alpenvolleys. Wobei seine Längengrade noch beträchtlich schwanken. Mal misst er "nur" 2,02 Meter, mal schon stattlichere 2,10 Meter, Alpenvolleys-Trainer Stefan Chrtiansky legt sich auf circa 2,08 Meter fest. Chrtiansky lobt die Stärke des Hünen im Angriff und Block sowie den mächtigen Sprungaufschlag. Schon jetzt ist jedenfalls klar: Wer, wie Klets zwischen 2013 und 2017, beim russischen Topklub Lokomotiv Nowosibirsk zumindest im erweiterten Kader steht, mit Russlands Junioren WM-Silber (U23) und WM-Bronze (U21) gewinnt und außerdem vergangene Saison in Bulgarien beim SKV Montana Liga-Topscorer wird, den muss man sich greifen, wenn er auf dem Markt ist. Und Klets war auf dem Markt, weil er nun das nächste Sprungbrett in einer noch etwas stärkeren Liga als der bulgarischen nutzen will. Als "absoluten Kracher und vielversprechende Aktie für die kommende Saison" bezeichnen die Alpenvolleys ihren neuen Mann.

Eigentlich wollten die Alpenvolleys keinen Russen mehr - der letzte wurde des Dopings überführt

Eigentlich wollten sie gar nicht mehr so tief im Osten nach Spielern fischen, insbesondere nicht in Russland. Denn der letzte, der bei ihnen unter Vertrag stand, wurde des Dopings überführt. Im Winter der Saison 2016/17 war das. Stansilaw Maslijew hätte die Alpenvolleys, die damals noch als Hypo Tirol Innsbruck in der österreichischen Liga spielten, in die Champions League führen sollen. Stattdessen wurde der 22-Jährige im November 2016 nach einem Training positiv auf die verbotene Substanz Stanozolol getestet. Maslijew gab an, auf eigene Faust Medikamente genommen zu haben. Die Folgen waren beträchtlich: Er selbst wurde für vier Jahre gesperrt, Innsbruck wurden fünf Punkte in der Meisterschaft abgezogen - der Überklub holte später trotzdem den Titel. Das Image war aber angekratzt, heute sagt Alpenvolleys-Manager Hannes Kronthaler: "Ich war damals maßlos enttäuscht und habe gesagt, ich will nie mehr einen Russen im Team. Kirill hat uns jedoch überzeugt." Allerdings hat der Klub wegen der damaligen Ereignisse ein zusätzliches Sicherungsnetz eingebaut - eine erweiterte medizinische Untersuchung samt Blutentnahme bei Klets, sobald er im Sommer vorstellig wird. So steht es auch im geschlossenen Vorvertrag mit dem Russen.

Doping bei russischen Volleyballern ist ohnehin schon öfter vorgekommen, beim russischen Nationalteam wurden nach der Olympia-Qualifikation 2016 in Berlin gleich mehrere Spieler positiv getestet. Für die Spiele in Rio wurde das Team dennoch nicht gesperrt - Leidtragende waren damals die Deutschen, die in der Qualifikation dramatisch an Russland scheiterten.

Bei Kirill Klets haben die Alpenvolleys nun nach einigen Telefonaten mit dessen Spieleragenten und dem Profi selbst ein besseres Gefühl. Auch Sprachprobleme sollte es nicht geben, obwohl Klets kaum Englisch spricht. Zumindest Trainer Chrtiansky, ein gebürtiger Slowake, kann sich auch gut auf Russisch verständigen.

Zwischen Innsbruck und der deutschen Außenstelle Unterhaching, die ja die Bundesliga-Lizenz hält, gibt es weitere gute Nachrichten vom Transfermarkt: Denn neben Kmets wechselt noch der polnische Annahmespieler Pawel Halaba zum aufstrebenden Erstligisten.

Halaba ist auch noch jung, 22, er spielte zuletzt beim tschechischen Spitzenklub Jihostroj Budweis, mit dem er vergangene Saison Ligavierter wurde. Auch Halaba durchlief sämtliche U-Nationalteams in seinem Heimatland Polen, das 2014 die Heim-WM gewann. Wie volleyballverrückt die Nation ist, zeigte schon das damalige Eröffnungsspiel, das 62 000 Zuschauer ins Warschauer Nationalstadion lockte. Ein Weltrekord. Halaba hat nicht nur zum Glück ein H im Namen, sondern soll bei den Alpenvolleys die bislang fehleranfällige Annahme stabilisieren und im Außenangriff glänzen. Er ist ein ähnlicher Typ wie Igor Grobelny, der schmerzlich vermisste Topscorer der Alpenvolleys. Der spielt jetzt übrigens bei Lublin - in der polnischen Profiliga.

© SZ vom 12.06.2018

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