Volleyball 50:50

Alpenvolleys-Profi Hugo da Silva (re.) schwächelte zuletzt massiv in der Annahme, während Pawel Halaba im entscheidenden Viertelfinale gegen Herrsching überragend spielte.

(Foto: Claus Schunk)

Im Playoff-Halbfinale kommt es zum Duell zwischen den Alpenvolleys und Berlin. Der Meister setzt auf seine Fans, Innsbruck auf seine Wucht.

Von Sebastian Winter

An diesem Mittwoch startet das Playoff-Halbfinale in der Volleyball-Bundesliga. Pokalsieger VfB Friedrichshafen ist gegen die SVG Lüneburg klarer Favorit, das Duell zwischen den Hypo Tirol Alpenvolleys Haching und dem deutschen Meister Berlin Recycling Volleys verspricht aber, ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu werden - so war es jedenfalls in der Hin- und Rückrunde dieser Saison. Die Alpenvolleys haben am Mittwoch (18 Uhr) zum Auftakt der Best-of-five-Serie in Innsbruck Heimrecht, ihr Manager Hannes Kronthaler hofft auf einen neuen Besucherrekord. Eine Hinführung in vier Überschriften.

Bilanz und Chancen

Eines vorweg: Als großen Favoriten sieht sich niemand, es hat sich also einiges geändert im Vergleich zum Vorjahr. Damals gewann Berlin in Hin- und Rückrunde 3:0 und 3:1 gegen die chancenlosen Alpenvolleys. In dieser Saison erlitt der deutsche Meister im Dezember mit 0:3 Schiffbruch in Innsbruck, revanchierte sich dafür aber im Februar mit einem fast ebenso deutlichen 3:0-Sieg. 1:3 lautet also die bisherige Bilanz der Alpenvolleys gegen die Lokomotive der Liga, wie die Berliner von ihrem selbstbewussten Manager Kaweh Niroomand mindestens seit der Erfindung der Dampflok immer mal wieder genannt werden. Sein Pendant Hannes Kronthaler sagt ebenso selbstbewusst: "Die Chancen stehen 50:50." Sie sind also im Vergleich zur Saison 2017/18 um circa 49 Prozent gestiegen, zumal die Alpenvolleys als Tabellenzweiter in die Playoffs einzogen, Berlin als Dritter. Aber Achtung, Berlins Diagonalspieler Kyle Russell hat nicht nur einen gewagten Schnauzbart, sondern auch ein pikantes Geheimnis: "Wir haben im Heimspiel im Februar den Schlüssel gefunden, dieses Team zu besiegen." Welcher Schlüssel das ist, verrät Russell nicht. Apropos:

Schlüssel zum Erfolg

Der ist bei Berlin ganz klar Sergei Jurjewitsch Grankin, Russe, stolze 34 Jahre jung - und einer der besten Zuspieler der Welt. Dieser Ruf eilt dem blonden Mann aus Kislowodsk, einer Kurstadt im NordKaukasus, jedenfalls voraus. Auch dank seines Olympiasieges 2012 in London mit Russland, des EM-Titels von 2013 und 2017 und Meisterschaften und Pokalsiegen im eigenen Land mit Dynamo Moskau. Grankin war Kopf seines Ausnahmeklubs und der Nationalmannschaft, nach Differenzen mit der Vereinsführung holte ihn Niroomand Anfang dieses Jahres. "Mir fehlen die Worte. Einen wie ihn hat es in der Bundesliga in dieser Qualität noch nicht gegeben", schwärmte der Klubboss schon kurz darauf. Auch Kronthaler hat Respekt vor dem Russen: "Berlin ist durch Grankin wieder Titelanwärter, ohne ihn würden sie gegen uns verlieren." Viel kommt darauf an, wie gut die Alpenvolleys-Blocker um Kapitän Douglas da Silva das Spiel von Grankin lesen. Genauso viel hängt davon ab, wie gut die Aufschläger in Form sind - und vor allem wie viel Mut das Angriffstrio um Kirill Klets, Pawel Halaba und den zuletzt schwächelnden Hugo da Silva beweist. Zuletzt hat nur Halaba wirklich gezeigt, dass er in einer Top-Verfassung ist.

Die Hallen

Ähnlich groß sind die Olympiahalle in Innsbruck (7000 Zuschauer) und die Max-Schmeling-Halle in Berlin (8553) schon, aber voll gefüllt sind beide bei Volleyballspielen nicht. Die Berliner können sich aber nicht beklagen, 4000 oder 5000 Fans wollen sie meist sehen, in den Playoffs war ihre Halle gegen Friedrichshafen auch schon mal ausverkauft. Die Alpenvolleys hingegen haben völlig zurecht dunkle Vorhänge und viele Werbebanner vor drei Tribünenseiten gezogen. Ihr Rekord in der Bundesliga bisher: 1400 Fans. Dazu muss man wissen, dass die Innsbrucker, als sie noch in Österreich spielten, selten mehr als ein paar Hundert Zuschauer anlockten. In der Champions League war das damals anders, Allzeitrekord waren gegen - Achtung! - Friedrichshafen 2200 Besucher. So viele werden es gegen Berlin wohl nicht, aber Kronthaler rechnet mit bis zu 2000 Fans am Mittwoch. Damit könnten die Alpenvolleys auch die Statistik aufpolieren. Dort liegen sie mit ihren Heimspiel-Standorten Innsbruck und Unterhaching auf einem der letzten Plätze. Und Berlin? Führt diese Tabelle mal wieder uneinholbar an.

Tradition verpflichtet

Die Berliner Volleys wurden 1991 als Sportverein SC Charlottenburg geboren, 1993 wurden sie erstmals deutscher Meister. 2019 könnten sie den zehnten Ligatitel feiern - und den vierten in Serie. Den DVV-Pokal haben sie nur viermal gewonnen, dafür 2016 den europäischen CEV-Cup - und das Triple. Die Alpenvolleys hießen bis 2017 in Österreich Hypo Tirol Innsbruck und entstammen dem Innsbrucker Athletik Club, einem 1919 gegründeten Arbeiterverein. 2005 wurden sie erstmals österreichischer Meister und sind Berlin einen Schritt voraus. Zehn Meistertitel stehen in ihrer Bilanz, zuletzt vier in Serie, bevor sie 2017 nach Deutschland auswanderten. Wie Berlin haben sie vier Pokaltitel gesammelt, außerdem drei Titel in der MEVZA, einem grenzüberschreitenden Klubwettbewerb, an dem neben Österreich auch Ungarn, die Slowakei, Slowenien und Kroatien teilnehmen. Auch dieser Vergleich zeigt: Die Chancen stehen wirklich bei 50:50.