Vielseitig Zu zehnt gegen Profis

Als Schwimmerin war sie in der Jugend-Nationalmannschaft, heute ist Janina Lorenz (1.v.r.), 32, die erfahrenste Triathletin des MRRC und organisiert dessen Bundesligamannschaft.

(Foto: oh)

Die Triathletinnen des MRRC halten in der ersten Bundesliga mit - obwohl die Münchnerinnen ziemlich amateurhaft unterwegs sind.

Von Karl-Wilhelm Götte

Janina Lorenz ist die Frau für alles im Triathlon-Team des München Road Runners Club (MRRC). Sie ist Athletin, Sportliche Leiterin und Organisatorin der Bundesligamannschaft. "Ich mache die Aufstellung, organisiere die Reisen zu den Bundesligarennen und buche die Hotels", beschreibt sie ihr umfassendes Aufgabengebiet. "Im Vergleich zu den anderen Vereinen ist das alles wenig professionell." Trotzdem halten sich die Münchnerinnen in der bisherigen Bundesligasaison sehr achtbar. Nach zwei von fünf Rennen belegt der MRRC Platz neun von 14 Klubs und hat mit dem Abstieg aus dem Triathlon-Oberhaus erst einmal nichts zu tun.

Zehn Athletinnen stehen auf der MRRC-Liste, die in der ersten Bundesliga starten. Zehn sind auch notwendig, weil nicht immer alle zu jedem Rennen zur Verfügung stehen. So musste Lorenz schon zur zweiten Veranstaltung am vergangenen Sonntag in der Düsseldorfer Innenstadt drei andere Starterinnen aufbringen als beim ersten Rennen Anfang Juni im Kraichgau am Hardtsee. Vier starten, drei kommen in die Wertung, besagt das Reglement. In Düsseldorf waren die drei besten Triathletinnen des ersten Rennens nicht am Start. Auch nicht Janina Lorenz selbst, die erfahrenste Triathletin im MRRC. Sie möchte an diesem Sonntag beim Ironman in Frankfurt am Main starten. "Da wollte ich mich in Düsseldorf nicht verletzen", erklärt die 32-jährige Münchnerin, die aus Tutzing kommt. Beim Windschattenfahren mit dem Rad oder beim Pulk-Schwimmen im Wasser könne immer etwas passieren.

Neben Lorenz waren auch Johanna Ahrens, 23, und die Nachwuchsathletin Luisa Geist nicht in Düsseldorf dabei. Geist ist erst 15 Jahre alt und eines der hoffnungsvollsten Talente in der deutschen Triathlonszene. Sie startete statt in Düsseldorf bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Doch die drei "Ersatzfrauen" hielten sich gut. Sophie Lingelbach belegte den 30. Platz, Céline Kaiser den 32. und Maria Paulig den 35. Rang im Bundesligafeld. Dort wird, um es für die Zuschauer attraktiv zu machen, jedes Mal ein Kurztriathlon bestritten: 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen. "Das war sehr erfreulich", kommentierte Lorenz das Ergebnis in Düsseldorf. Der zehnte Platz dort stabilisierte den Gesamtrang neun ihres Teams nach zwei Rennen. Es folgen noch Veranstaltungen in Münster, Tübingen und das Saisonfinale am 8. September in Binz auf Rügen.

Die MRRC-Frauen lassen keine Profis einfliegen wie etwa die Spitzenteams aus Krefeld, Potsdam oder Bundesliga-Seriensieger Buschhütten, ein Dorf im Siegerland, das mehr als 20 Triathlon-Sponsoren für die Frauen- und Männermannschaft hat. "Wir betreiben ambitionierten Hobbysport, mehr ist es nicht", bekräftigt Janina Lorenz. Alle Athletinnen sind aus dem MRRC hervorgegangen. Nur Céline Kaiser ist eine 20-jährige Schweizerin, die sich vor dieser Saison dem Verein anschloss.

Entsprechend knapp ist manchmal die Zeit für den Sport, auch für Lorenz selbst. Sie ist im Hauptberuf Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz und arbeitet für eine Münchner Kanzlei mit Patentanwälten. Trotzdem kommt sie auf zwölf bis 15 Stunden Training in der Woche. "Ich versuche täglich zu trainieren", erzählt sie. Früher war sie mal eine Schwimmerin. Über 100 und 200 Meter Freistil gehörte sie zur Jugendnationalmannschaft. Gerade beim Kurzdistanz-Triathlon ist es wichtig, mit den besten Schwimmerinnen aus dem Wasser zu kommen. "Dann erwischt man die erste Radgruppe. Das ist beim Windschattenfahren ganz entscheidend."

Im ersten Bundesligarennen hatte ihr das enorm geholfen. Da war sie Vierzehnte, nur eine Minute hinter der Siegerin Tamsyn Moana-Veale aus Australien, die für Krefeld das Rennen gewann. "Schwimmen und Laufen sind ganz gut", findet Lorenz. Sie will sich noch auf dem Rad verbessern. Dann könnte es in Frankfurt beim Ironman mit ihrer Wunschzeit unter zehn Stunden klappen.