Unterföhring schlägt Dachau Die Warnung des Lassofängers

Intensives Duell: Unterföhring dreht das Heimspiel gegen Dachau nach einem 0:1-Rückstand noch. Hier beharken sich Dachaus Yemi Oyewoie und Unterföhrings Attila Arkadas im Luftkampf um den Ball.

(Foto: Claus Schunk)

Pummer-Elf ist nach dem Derbysieg neuer Tabellenführer und dem Aufstieg nahe. Bei 1865 will man über die Regionalliga nicht weiter nachgedacht haben.

Von Christoph Leischwitz, Unterföhring

Wenn sich zwei gestreckte Zeigefinger umeinander drehen, dann weiß jeder Fußballer sofort, was los ist. Zudem dürfte der 28-jährige Kapitän des TSV 1865 Dachau seinen Körper ganz gut kennen. Nach einem Laufduell kurz vor der Pause jedenfalls fasste sich Alexander Weiser an den hinteren Oberschenkel, dann kamen sofort die Zeigefinger zum Einsatz. Weil Dachau zu diesem Zeitpunkt überraschend beim FC Unterföhring geführt hatte, darf man die verletzungsbedingte Auswechslung des Abwehrchefs spielentscheidend nennen: Unterföhring drehte mal wieder ein Heimspiel zu seinen Gunsten, gewann 2:1 - und ist nun nicht nur Regionalliga-Aufstiegsanwärter Nummer eins, sondern erstmals auch Tabellenführer.

"Wenn du hinten bist und bringst Spieler rein, die das Tempo weitergehen", das sei unbezahlbar

Es wird wärmer, die Temperaturen wirken sich zunehmend auf die Taktik aus, und da hatten die Gastgeber einen Vorteil von 11:4. Das war die Zahl der einsetzbaren Auswechselspieler beider Teams. "Wenn du hinten bist, und du bringst Spieler rein, die das Tempo weitergehen" - das sei unbezahlbar, sagte FC-Trainer Andreas Pummer. Sein Team hielt das Tempo hoch, obwohl auch er mehrmals verletzungsbedingt wechseln musste, und dominierte über weite Strecken die Partie. Gleich nach der Pause hatte Andreas Faber den Ausgleich erzielt (51.), per Kopf, was ihm nur sehr selten gelingt. "Da sind die Köpfe schon runtergegangen", fand Dachaus Spielertrainer Fabian Lamotte.

In Sachen Körpersprache hatte die Mannschaft schon verloren, ehe Unterföhring nach einem Torwartfehler von Maximilian Mayer per Abstauber durch Yakub Dora das Siegtor erzielte (76.). Da hätten sich nur noch wenige dagegen gestemmt, sagte Lamotte, der trotz Unterlegenheit wenig Verständnis dafür hatte. Denn immerhin war man ja auch nach einem Geistesblitz in Führung gegangen, der immer wieder mal einen Spieler ereilen kann. Den angesprochenen hatte der junge Rechtsverteidiger Michael Zach, ohne den die Niederlage vermutlich sowieso höher ausgefallen wäre. In der 21. Minute schickte er mit einem sehenswerten No-look-Pass Dominik Schäffer an die Grundlinie, nach dessen Hereingabe wurde der frei stehende Onur Korkmaz umgerempelt - Qendrim Beqiri verwandelte den Strafstoß sicher (22.).

Doch schon vor dem Rückstand hatte der FCU die besseren Chancen gehabt, die spektakulärste durch Dora, der mit einem Heber aus 35 Metern die Latte traf (14.). Was sich wie ein Zufallsprodukt anhört, war das Produkt spielerischer Stärke: Dachaus Torwart Mayer hatte weit vor dem Sechzehner einen Zweikampf mit Faber verloren, weil die Verteidigung um Lamotte oft nicht auf der Höhe war. "Kann doch nicht sein, dass der jeden Ball unterläuft", murmelte eine Stimme im Mittelfeld. Gemeint war der 65er-Spielertrainer.

Der klang nach dem Spiel ziemlich bedient. Auf die Frage, was das nun für das Aufstiegsrennen bedeute, sagte Lamotte: "Wir haben gesagt, dass wir von Woche zu Woche unsere Spiele gewinnen wollen. Vom Relegationsplatz habt ihr gesprochen, wir nicht", so der Ex-Profi. Er meinte damit: die Presse. Der Verein habe ja auch nur geprüft, was man im Fall der Fälle bewerkstelligen müsse, "alles andere kommt nicht von uns", sagte er im scharfen Ton.

Nachdem Dachau also von Woche zu Woche entscheidet, ob man etwas mit dem Aufstiegsrennen zu tun haben will, sieht das in Unterföhring nun gänzlich anders aus. Präsident Franz Faber spricht in der Stadionzeitung vom "gar nicht mehr heimlichen Saisonziel". Für den aktuellen Co-Trainer ist es eine ganz besondere Situation. "Top, top, top" wäre das, sagt Thomas Seethaler, der bekanntlich in der kommenden Saison das Amt des Chefcoaches von Andreas Pummer übernimmt. Im Moment teile man sich die meisten Aufgaben, wobei Pummer immer das letzte Wort habe. Und auch, wenn der starke, ausgeglichene Kader heuer womöglich den Unterschied ausmache: Natürlich müsste man sich für die Regionalliga verstärken, so der 46-jährige. Sobald der Aufstieg sicher sei, werde Präsident Faber dann auch einige Zugänge präsentieren können, so Seethaler.

Bis dahin wird aber nach wie vor Bescheidenheit gepredigt. Was noch dazwischen kommen könne? "Sechs Spiele", sagt Pummer. Und wenn vorher einer meine, er müsse abheben, "dann fange ich ihn mit dem Lasso ein und er spielt sechs Spiele lang nicht" Also bis zum Saisonende. Mit solchen Maßnahmen kann man aber natürlich auch nur drohen, wenn man 22 Spieler zur Verfügung hat.