TuS Fürstenfeldbruck Geprellte Rippen

Überraschung: Johannes Luderschmid ist reaktiviert. Der 33-Jährige trainiert seit Wochen mit dem TuS.

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Fürstenfeldbrucks Drittliga-Handballer verlieren in Dansenberg - und beklagen sich über das zum Teil überharte Spiel. Dafür ist in Johannes Luderschmid ein Routinier zurück.

Von Nico Horn, Fürstenfeldbruck

Martin Wild ahnte schon, was auf ihn zukommen würde. Der Handballtrainer des TuS Fürstenfeldbruck kann sich schönere Dinge vorstellen, als nach Dansenberg zu fahren. Dabei ist es nicht so, als hätte er etwas gegen Kaiserslautern im Allgemeinen oder dessen Stadtteile im Besonderen. Aber Wild weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass es in der engen Halle des TuS 04 "heiß hergeht". In einem von Wild als "hochemotional" charakterisierten Spiel bewahrten die Brucker am Samstag dennoch 50 Minuten lang die Ruhe. Ausschlaggebend für die 20:25-Niederlage beim neuen Zweiten der dritten Liga war alleine die Schlussphase, in der sich Dansenberg abgeklärter präsentierte.

"Es war noch mal hitziger als erwartet", befand Wild, als er und seine Spieler schon im Bus saßen, ausgestattet mit einigen Pizzen. Sowohl auf dem Spielfeld als auch auf den Tribünen sei es teilweise grenzwertig zugegangen. Aber irgendwie gehöre dies eben auch mal zu einem Handballspiel. Unstrittig ist, dass Dansenberg eine der besten Defensiven der Liga stellt. Zunächst ließen sich die Brucker davon nicht beeindrucken. Zudem hatten sie den Überraschungseffekt auf ihrer Seite. Nach dem Wechsel von Matthias Hild nach Konstanz und der Verletzung von Korbinian Lex war unklar gewesen, wer denn die Verteidigungsarbeit bei den Panthern übernehmen sollte. Die unerwartete Antwort: Johannes Luderschmid.

War der Torhüter zu gut oder "wir nicht cool genug?" Antwort: Sowohl als auch

Der 33-jährige Bruder von Torwart Michael Luderschmid trainiert bereits seit einigen Wochen mit dem TuS. Heimlich, still und leise hat man ihn unter der Woche fest verpflichtet. Luderschmid hatte seine beste Zeit beim TSV Friedberg, ließ es die letzten Jahre jedoch etwas ruhiger angehen. Dennoch harmonierte der Zugang in der Abwehr gleich auf Anhieb mit Yannick Engelmann. "Er hat es heute überragend gut gemacht", lobte Trainer Wild. Der gute Brucker Start und die ausgeglichene erste Halbzeit (9:9) waren auch Luderschmid zuzuschreiben.

Im zweiten Durchgang nicht mehr helfen konnte dagegen Maximilian Horner. Ihm war die wichtige Aufgabe zugefallen, den abgewanderten Hild im rechten Rückraum zu ersetzen. Dort habe er bis zu seiner Verletzung "ein super Spiel gemacht", so Wild. Horner probierte es zwar noch einmal, musste den Versuch mit geprellten Rippen jedoch schnell wieder abbrechen. Sein Gegenspieler hatte ihn bei einem Wurfversuch in der Luft gestoßen. Solche Aktionen sieht im Handball niemand gerne. Wild sprach anschließend von einem teilweise überharten Spiel und meinte damit auch diese Szene. Ihm bleibt nur zu hoffen, dass nicht schon wieder ein Spieler länger ausfällt. Immerhin kehrte in Alexander Leindl ein anderer Linkshänder gerade zur rechten Zeit nach seinem Kreuzbandriss zurück. Leindl dürfte jedoch etwas mehr Eingewöhnungszeit brauchen, als der nach überstandener Fersenprellung gleich wieder überzeugende Engelmann.

Während Wild im rechten Rückraum also zu kreativen Lösungen gezwungen war, zeigte Spielmacher Falk Kolodziej, welch verlässliche Größe er ist. Mit sechs Treffern war er am Ende der beste TuS-Werfer. Und weil unter anderem Luderschmid sein erstes Tor als Panther beisteuerte, blieb die Begegnung bis 15 Minuten vor dem Ende völlig offen (16:16). Dann zeigte Dansenbergs Kevin Klier, warum ihn viele für den besten Torwart der Liga halten. Wild fragte sich hinterher, ob man "nicht cool genug oder Klier einfach zu gut" gewesen sei. Es war eine Mischung aus beidem: Der ehemalige Bundesliga-Keeper lief zu Höchstform auf, den Bruckern fehlte die nötige Präzision. Beispielsweise ausgerechnet dem verlässlichen Kolodziej, der gleich zwei Siebenmeter verwarf.

"Ich habe schon Niederlagen erlebt, an denen ich mehr zu knabbern hatte", sagt Wild

Dansenberg konnte sich indes auf Alexander Schulze (sechs Tore) und seine Stärke in Eins-gegen-eins-Situationen verlassen. So wurde es doch noch eine deutliche Pleite für die Gäste. "Die letzten zehn Minuten haben wir uns nicht clever angestellt", konstatierte Wild. "Ich habe aber schon Niederlagen erlebt, an denen ich mehr zu knabbern hatte."

Im Bus knabberte der TuS-Trainer ausschließlich an seiner Pizza. Was ihn dagegen wirklich ärgerte, war die rote Karte gegen Julian Prause. Der Kreisläufer ließ sich kurz vor Schluss in einem Gerangel zu einer Frustaktion hinreißen. Da eine Disqualifikation mit Bericht immer eine Sperre nach sich zieht, fehlt Prause mindestens im nächsten Spiel gegen den TSV Neuhausen/Filder. Wild muss nun also auch am Kreis erfinderisch werden. Gegen den Vorletzten wollen die Panther trotzdem Revanche nehmen für die Hinspielniederlage. Gespielt wird dann ja wieder in der Brucker Wittelsbacher Halle.