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Türkgücü München:Beine aus Beton

Im grünen Bereich und doch in höchster Not: Furkan Kircicek wirkt reichlich verloren zwischen zwei Eichstätter Gegenspielern.

(Foto: Claus Schunk)

Türkgücü München verliert gegen den VfB Eichstätt zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ein Heimspiel.

So ist das eben oft mit Außenseitern, sie geben alles, bis zum Schluss. "Schorsch, du musst blasen", sagte die Frau mit dem grünen Trikot zu Schorsch, und Schorsch blies kraftvoll in seine Tröte, ein paar andere Fans des VfB Eichstätt hämmerten gegen die Werbebande, sechs Fans standen im so genannten Käfig und trommelten und schrien den Sieg herbei. Alles klein, aber fein beim VfB, der seit 20 Minuten 1:0 gegen den Aufstiegsfavoriten Türkgücü München führte. Auf der Gegengerade schrie einer sogar "Geld gewinnt nicht" in Richtung der Auswechselbank von Türkgücü. Vielleicht auch deshalb, weil zwei Spieler von Eichstätt zum Aufstiegsfavoriten gewechselt waren. Beide kamen am Samstag nicht zum Einsatz.

Es wurde nicht einmal mehr spannend. Keine Erschöpfungszustände beim Außenseiter, keine zündenden Ideen beim Favoriten. Bisher hatte Türkgücü alle Heimspiele in dieser Regionalligasaison gewonnen, schon seit Oktober 2017 keins mehr verloren. Nun setzte es die erste Heim- und die dritte Saisonpleite. "Betonbeine und Betonköpfe" sagte jemand später in der Vereinsgaststätte. Trainer Reiner Maurers Aussage hörte sich ähnlich an: "Wir haben ein bisschen müde gewirkt und waren nicht frisch im Kopf." Warum, das konnte so kurz nach dem Spiel niemand richtig erklären, die Meinung darüber war allerdings einhellig. "Ich ärgere mich einfach gerade. Das war völlig unnötig. Das Tempo hat ein bisschen gefehlt, wir haben viele kleine Fehler gemacht", sagte Benedikt Kirsch. Die einzige gute Nachricht des Tages: Tabellenführer Schweinfurt hatte in Buchbach ebenfalls verloren, der Drei-Punkte-Abstand ist gleich geblieben.

Man darf Eichstätt mittlerweile einen Favoritenschreck nennen. In der vergangenen Saison hatten sie den FC Bayern II im eigenen Stadion 3:0 geschlagen, auch das verdient. Eine Erklärung von Maurer: "Da arbeiten alle elf sehr gut gegen den Ball." Und auch, wenn der Türkgücü-Coach darauf nicht eingehen wollte: Ein bisschen hatte Eichstätt seinem Team schlicht den Schneid abgekauft, was in der Schlussphase gut zu erkennen war, als sich Türkgücü keine Chance mehr erspielte. In der 89. Minute sah Eichstätts Dominik Wolfsteiner die rote Karte für eine Grätsche gegen Kilian Fischer an der Mittellinie, eine vertretbare Entscheidung, auch wenn die mitgereisten Eichstätter Fans das Schiedsrichtergespann anschließend wüst beschimpften. Fischer musste eine Weile behandelt werden. Zwei Minuten später rollte der Ball auf Kasim Rabihic zu. Im Augenwinkel dürfte der filigrane Spielmacher gesehen haben, dass auch diesmal eine Sohle und ein grüner Stutzen in Richtung seiner Füße unterwegs war. Rabihic versuchte gar nicht, den Ball zu erreichen, er sprang zum Selbstschutz einfach nach oben, dann gab es Einwurf für Eichstätt.

"Wer gegen Türkgücü presst, bekommt auf die Fresse. Wir wollten Nadelstiche setzen."

Das Siegtor erzielte der ehemalige Pipinsrieder Atdhedon Lushi mit einem schönen Schlenzer (69.), nachdem Mario Erb im Dribbling am Mittelkreis den Ball verloren hatte. "Sehr viel Mentalität", sagt Lushi auf die Frage, wie Eichstätt den Gegner in die Knie gezwungen habe. Dabei hatte es in der 22. Minute eine Szene gegeben, in der man als Eichstätter hätte glauben können, dass sich alles gegen sie verschworen hatte. Lushi traf aus kurzer Distanz das Tor nicht, aber da stand direkt am Pfosten Jakob Zitzelsberger für einen Abstauber. Doch der brachte aus Zentimetern Entfernung das Kunststück fertig, den Ball nicht im Tor unterzubringen.

Lushis taktische Analyse war wenig überraschend, aber deutlich: "Wer gegen Türkgücü vorne drauf presst, bekommt meistens auf die Fresse. Wir wollten defensiv stehen und Nadelstiche setzen." Das klappte vorzüglich. Maurer hingegen fand, man selbst habe zu viele schlechte Pässe gespielt, Ballverluste wie vor dem 0:1 zeigten, dass man oft unnötiges Risiko gegangen sei. Am Mittwoch ist Eichstätt schon wieder zu Gast im Sportpark, zum Nachholspiel gegen den SV Heimstetten. Es dürfte ein anderes Spiel werden. "Ich habe gefragt, ob ich meine Schuhe da lassen darf", sagte Zitzelsberger, doch er bekam wohl keinen Spind. Lushi muss vielleicht noch einmal nachfragen. Als der VfB-Mannschaftsbus losfuhr, musste der Angreifer in Badeschlappen einen letzten Sprint anziehen.