TSV 1860 München Ärger im Paradies

„Ich war nicht zufrieden, ganz einfach“, sagte Sechzig-Trainer Daniel Bierofka. Des Gegners Torwart bescheinigte er „sensationelle“ Paraden.

(Foto: Zink/imago)

Mit dem 0:0 beim Tabellenletzten SV Seligenporten kann Trainer Daniel Bierofka leben. Nicht jedoch mit dem Verhalten seines Mittelfeldspielers Timo Gebhart.

Von Markus Schäflein, Pyrbaum/München

In der sechsten Minute setzte Timo Gebhart Sascha Mölders in Szene, der Stürmer des TSV 1860 München scheiterte aus kurzer Distanz an Seligenportens Torhüter Sebastian Kolbe. In der neunten Minute strich ein abgefälschter Schuss von Nico Karger knapp am Tor vorbei. In der 16. Minute parierte Kolbe einen Versuch von Gebhart. Und so weiter, und so fort, eine Auflistung sämtlicher Tormöglichkeiten, die der Regionalliga-Tabellenführer im torlosen Spiel beim Tabellenletzten hatte und vergab, würde den Rahmen sprengen - und wäre aus Sicht der Löwen auch viel zu frustrierend.

Zum Mann des Tages wurde Seligenportens Torhüter Sebastian Kolbe. Der 21-jährige Zugang, der aus dem Nachwuchs des 1. FC Nürnberg stammt und zuletzt bei den Stuttgarter Kickers unter Vertrag stand, zeigte eine Parade nach der anderen gegen die 1860-Angreifer Sascha Mölders und Nico Karger. "Sensationell, was der alles gehalten hat", fand 1860-Trainer Daniel Bierofka - der nicht so schockiert vom Ergebnis war wie die zahlreichen Löwenfans unter den 3400 Zuschauern im ausverkauften Stadion des Ortsteils von Pyrbaum in der Oberpfalz. "An manchen Tagen kriegst du halt nichts rein und musst dann am Ende froh sein, dass du das Spiel nicht verlierst", meinte Bierofka. "So sind wir auch mit dem einen Punkt letztendlich nicht unzufrieden." Er hatte ja schon vor der Partie vor einer schweren Aufgabe gewarnt, er warnt vor jeder Partie vor einer schweren Aufgabe.

"Wenn immer von außen erzählt wird, wir müssten jetzt durchmarschieren. So ein Käse."

Das wirkte zuletzt etwas deplatziert, nachdem seine Mannschaft durch die vierte Liga ging wie ein heißes Messer durch Butter, aber jetzt darf Bierofka wieder unbelächelt warnen, wenn die Spiele gegen den FC Ingolstadt II (Freitag, 19 Uhr) und im Toto-Pokal gegen Unterföhring (Dienstag, 5. September, 19 Uhr) anstehen. Zumal seine Mannschaft in Seligenporten tatsächlich auch hätte verlieren können, wenn nicht auch der 1860-Torwart Marco Hiller einen guten Tag gehabt hätte: Er parierte Schüsse von Raffael Kobrowski (63.) und Danilo Dittrich (67.).

Zu diesem Zeitpunkt wirkte Timo Gebhart schon nicht mehr mit. Bierofka hatte seinen bislang in dieser Saison herausragenden Mittelfeldregisseur nach einer Stunde vom Feld genommen, was Ärger im Löwen-Paradies auslöste. Weil Gebhart nach seiner Auswechslung (60.) schimpfte und Bierofka nur widerwillig die Hand gab, legte der Trainer nach. "Ich war nicht zufrieden, ganz einfach", erklärte er. "Ganz egal, wer es ist: Es gibt klare Vorgaben, an die man sich halten muss, und wenn ein Spieler das nicht macht, dann reagiere ich." Gebharts Reaktion sei ihm "total egal", erklärte Bierofka: "Ich bin der Trainer, das ist meine Entscheidung, die hat jeder zu akzeptieren."

Auch ohne Gebhart ging es in der Schlussphase weiter Richtung Tor des SV Seligenporten. Also gut, noch ein paar Chancen: In der 76. Minute und der 80. Minute scheiterte der eingewechselte Markus Ziereis jeweils an Kolbe. In der 87. Minute schoss Karger über die Querlatte, statt den besser positionierten Mölders zu bedienen. Und in der 89. Minute forderten die Löwen nach einem Zweikampf des früheren 1860-Spielers Fotios Katidis gegen Christian Köppel vergeblich Elfmeter.

In der Tabelle hat sich der TSV 1860 nun schon deutlich vom FC Bayern München II abgesetzt. Der FCB II steht auf Platz sieben und hat bereits sieben Punkte Rückstand auf den TSV 1860, der mit 19 Zählern die Tabelle anführt. Es folgen die SpVgg Bayreuth (16) und der FC Schweinfurt (15), der allerdings eine Partie weniger ausgetragen hat als die Löwen. Die fränkischen Verfolger erledigten ihre Pflichtaufgaben: Die Bayreuther siegten beim Aufsteiger Eichstätt 3:2 (0:1), die Schweinfurter gewannen ihr Heimspiel gegen Memmingen 3:1 (1:1).

Neben Gebhart gab es in Seligenporten übrigens noch einen zweiten Protagonisten, über den sich Bierofka aufregte - den Stadionsprecher, der ihn mit der eigentlich wenig überraschenden These konfrontierte, Sechzig plane den sofortigen Drittligaaufstieg. "Wir haben gesagt, dass wir die junge Mannschaft festigen wollen", entgegnete Bierofka. "Bitte informieren Sie sich genauer." Gegenüber der Abendzeitung klagte er: "Das ist das Problem. Wenn immer von außen erzählt wird, wir müssten jetzt durchmarschieren. So ein Käse. Jeder will uns verlieren sehen." So letztendlich nicht unzufrieden, wie er sagte, war Bierofka mit dem 0:0 offenbar doch nicht.