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Triathlon:Glücksgriff aus dem Aargau

Auf dem Rad hat Nora Gmür (rechts) große Fortschritte gemacht, deshalb kommt sie nun „immer frisch auf die Laufstrecke“.

(Foto: Jörg Schüler/Deutsche Triathlon Union/oh)

Der München Road Runners Club liegt auf Rang sechs in der Triathlon-Bundesliga. Auch dank des verblüffenden Debüts der 18-jährigen Schweizerin Nora Gmür.

Bereits Ende Mai war Nora Gmür ein Exploit gelungen. Man kann das so auf der Homepage des Schwimmvereins Aarefisch nachlesen, oder auch im Zofinger Tagblatt. Ein Exploit ist ein Computer-Schadprogramm, allerdings nur hierzulande. In der Schweiz, wo Nora Gmür herkommt, versteht man unter diesem Begriff eine Glanzleistung. Und es war zweifellos ein "Exploit", als die Triathletin bei der Europameisterschaft der Juniorinnen im holländischen Weert Zweite wurde.

Folgerichtig muss man es auch als Exploit bezeichnen, was Nora Gmür aus dem Kanton Aargau drei Wochen später für den München Road Runners Club (MRRC) gelang. Bei ihrem Debüt für die Bundesliga-Triathletinnen des Vereins stürmte die 18-Jährige in Düsseldorf auf Rang sechs von 56 Teilnehmerinnen, ein angesichts ihres Alters unerwarteter Erfolg. Gmür platzierte sich damit zwischen allerlei internationalen Top-Athletinnen. Spätestens seitdem ist klar, dass der MRRC-Managerin und -Athletin Janina Reiter in Nora Gmürs Verpflichtung ein Glücksgriff gelungen ist. Mit ihr haben sich die Münchnerinnen auf dem sechsten Platz in der Bundesliga festgesetzt und werden mit dem Abstieg wohl nichts zu tun bekommen.

Das Laufen ist ihre Stärke. Bei ihrem Debüt in Düsseldorf zählt sie zu den Schnellsten

Nora Gmür kommt gerade vom "Verkehrskunde-Unterricht", wie die Schweizerin sagt. Sie macht den Führerschein. Am Abend wird sie an einem Leichtathletik-Sportfest in der Nähe von Aarau teilnehmen. "Ich starte über 3000 Meter", erzählt sie. Das ist für sie als Triathletin eine intensive Laufeinheit. Zehn Minuten kann sie über 3000 Meter laufen. Das ist beachtlich, genauso wie ihre Bestzeit über 1500 Meter, 4:42 Minuten. Nora Gmür kommt vom Laufen, doch sie wechselte schon als Elfjährige zum Triathlon, wo sie mit 16 zum Juniorenkader der Schweiz gehörte. Mit 18 hat sie bereits ein Unternehmen gefunden, das sie in ihrem Sport unterstützt.

Gmürs Leistung beim zweiten Bundesligawettkampf in Düsseldorf rettete auch dem MRRC den sechsten Rang in der Teamwertung. Wie schon im ersten Rennen in Tübingen kamen auch bei diesem Sprint nur drei MRRC-Athletinnen ins Ziel. Hanna Krauss stand auf der Startliste, konnte jedoch nicht antreten, weshalb Tamara Hinz (18.) und Sophie Lingelbach (37.) unbedingt in die Wertung kommen mussten. Gmür stieg nach 750 Meter Schwimmen im Mittelfeld aus dem Wasser, arbeitete sich auf dem Rad (20 Kilometer) in die erste Verfolgergruppe vor und erreichte im abschließenden Fünf-Kilometer-Lauf in 15:37 Minuten einen internationalen Spitzenwert. Zur italienischen Siegerin Anna Maria Mazetti fehlten ihr 1:16 Minuten. Auch Emma Jeffcoat aus Australien (beide für Seriensieger Buschhütten dabei) und die Engländerin Olivia Mathias (Potsdam) waren nicht erreichbar, die Neuseeländerin Avi Graham (Darmstadt) und Yuliya Yellestratova aus der Ukraine (Buschhütten) aber lagen nur Sekunden vor Gmür.

Die Bundesliga ist für den Teenager ideal, um sich mit einigen der Besten zu messen

Schon vor zwei Jahren hatte die MRRC-Mannschaftsführerin Janina Reiter den ersten Kontakt zu der Schweizerin hergestellt. "Am meisten zu tun gibt es für sie noch beim Schwimmen", sagt Reiter, die selbst aus dem Schwimmsport kommt. Gmür besucht in Aarau ein Sportgymnasium. "Sportkanti" heißt das in der Schweiz. Ganz in der Nähe ist sie aufgewachsen, ihr Großvater ein guter Läufer, der Vater Fußballer, die große Schwester Hobby-Triathletin. "Der Unterricht wird um den Sport herumgelegt", berichtet Gmür. Dienstags und donnerstags kann sie schon morgens trainieren. "Ich bin ganz zufrieden mit dem Schwimmen", sagt sie, "aber da gibt es noch Potenzial." Radfahren habe sie im vergangenen Winter intensiv betrieben. "Da habe ich starke Fortschritte gemacht, ich komme jetzt immer frisch auf die Laufstrecke." Zwei Jahre braucht sie noch bis zum Abitur. Danach, sagt sie vorsichtig, werde sie mal schauen, wo sie im Sport stehe. Profi zu werden, sei eine Option. "Nora wird mit der richtigen Entwicklung noch einiges im internationalen Triathlon erreichen", prophezeit Reiter. Und die Bundesliga sei eine gute Möglichkeit, sich mit Topstars zu messen.