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Trabrennen:Diamantene Ausrufezeichen

Start-Ziel-Sieg: Mancher Favorit hatte Pech mit der Startnummer, Halva von Haithabu mit Thorsten Tietz dagegen nutzte seinen rasanten Antritt.

(Foto: Claus Schunk)

Das Rennen um den Bayernpokal in Daglfing lockt sogar einen Derby-Sieger an. Doch am Ende triumphiert ein ganz anderer.

Von Raphael Weiss

Wenn ein Derbysieger in Daglfing zu Gast ist, muss schon etwas Besonderes los sein. Pferde dieser Klasse sieht man nur noch in Ausnahmefällen an der Münchner Trabrennbahn. Zu hoch sind die Preisgelder in Frankreich, Schweden, Norwegen, zu niedrig die Summen, die sich der Münchner Trabrenn- und Zuchtverein (MTZV) leisten kann. Doch beim Bayernpokal, dem Saisonhöhepunkt in Daglfing, gab es wieder ein hoch dotiertes Rennen. 25 000 Euro. Eine Summe, die hier in ruhmreicher Vergangenheit eine Selbstverständlichkeit war, mittlerweile ein Ausrufezeichen ist. Eines, das Wirkung zeigt. Das Starterfeld im achten Rennen des Tages am Sonntag war gespickt mit international und national erfahrenen Pferden: Halva von Haithabu, Tyrolean Dream, Pocahontas Diamant, Vorjahressiegerin Celestial Light TK und eben jener Tsunami Diamant, der 2017 das Deutsche Derby gewann.

Nach diesem Sieg 2017 hatte Besitzer Andreas Schwarz angekündigt, sein bestes Pferd irgendwann in München ins Rennen zu schicken. Nun ist es soweit: "Normalerweise ist er eben in Norwegen und Frankreich unterwegs, wo mindestens so hohe Siegprämien gezahlt werden wie heute", sagte Schwarz, während sich sein Pferd mit der Nummer sieben auf der Bahn warmlief, "aber ich habe dem MTZV so viel zu verdanken, ich musste das heute einfach machen." Dass auch der Rest des Feldes so gut war, lag auch an dem zweiten Pferd, das Schwarz' Diamanten-Stall stellte: Pocahontas Diamant, das sonst vor allem in Italien läuft. "Tsunami ist wahrscheinlich der Beste im ganzen Feld. Aber es wird richtig spannend. Alle Favoriten haben schwierige Startnummern zugelost bekommen. Die müssen sich bekämpfen, da muss einfach was passieren. Entscheidend könnte werden, wer sich in der ersten Kurve durchsetzt", prophezeite Schwarz.

Schon eine Stunde bevor der wichtigste Renntag der Saison begann, waren die Bierbänke im Schatten fast vollständig besetzt. Besonders der neue Sulkytreff, ein Kiosk gegenüber des Zieleinlaufs, war begehrt. Hier unterhielten sich Stammgäste über ihre neuen Pferde, Geheimfavoriten und darüber, dass letztlich alle vermeintlichen Insiderinfos egal seien - der einzige Erfolgsgarant für eine gute Wette sei das Bauchgefühl. Daneben: Ein Bereich für die Pferdebesitzer. "Wir haben so viel auf die Aktiven und die Fahrer geschaut, jetzt müssen wir den treuen Besitzern auch mal was Gutes tun", sagte Angelika Gramüller, Vorsitzende des MTZV. Im Dirndl, auf der Nase eine Brille mit bayerischer Landesflagge, schüttelte sie Hände, nahm Geschenke entgegen, räumte Tische ab und kümmerte sich darum, dass der wichtigste Renntag der Saison möglichst reibungslos ablief.

Inzwischen ist bekannt, dass die Trabrennbahn sicher bis 2026 in Daglfing bleiben kann und nicht 2022 ausziehen muss. "Die Möglichkeit gab es schon immer, falls das Gelände nicht in Baugrund umgewandelt wird", sagte Gramüller. "Klar müssen wir uns weiter nach Optionen für den Umzug umschauen. Aber es gibt schon viel Ruhe, dass nicht durchgehend dieses Damoklesschwert 2022 über uns hängt." Sie sei zuversichtlich, dass der Sport in München überlebe, "besonders wenn ich mir diesen Renntag anschaue." Auch für Schwarz ist der längere Verbleib der Bahn eine gute Nachricht, Daglfing sei für seine jungen Pferde als Ausbildungsstätte wichtig.

Schwarz war während des Hauptrennens nicht mehr vor der Haupttribüne. Im siebten Rennen war er selbst angetreten und mit Unique Diamant auf Platz vier gefahren. So konnte er nicht aus nächster Nähe sehen, wie sich nach dem Startschuss das Feld sortierte. Kaum war das Startauto weggefahren, erkämpften sich Thorsten Tietz und Halva von Haithabu die Spitze, verteidigten die Position und gingen als Erster in den Sekretariatsbogen. Dicht dahinter: Tsunami Diamant und Baxter Hill. Tsunami Diamant versuchte anzugreifen, ging auf die Außenbahn, doch kam nicht an Halva von Haithabu vorbei. Nach der Hälfte der letzten Runde zog der Führende noch einmal das Tempo an, setzte sich ein Stück ab und kam als Erster aus dem Schlussbogen. Tietz blickte sich auf der Zielgeraden einmal um, zweimal, doch Tsunami Diamant konnte auch mit einem letzten Versuch nicht mehr gefährlich werden. "Ich hatte schon ein gutes Gefühl, aber ich war mir nicht ganz sicher. Ich wollte auf den letzten Metern keine böse Überraschung erleben, deswegen habe ich mich noch mal reingelegt", sagte Tietz später. Es muss ein besonder Tag in München-Daglfing sein, an dem selbst ein Derbysieger geschlagen wird.

© SZ vom 02.09.2019

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