Tölzer Löwen Zuversicht um jeden Preis

Nach dem 3:4 in Freiburg braucht Tölz drei Siege in Serie, um die erste Playdown-Runde noch zu überstehen.

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz

Optimismus, so erklärt es der Duden, ist eine "Lebensauffassung, die alles von der besten Seite betrachtet; (eine) heitere, zuversichtliche, lebensbejahende Grundhaltung". Der Optimist glaubt fest daran, dass schon alles irgendwie gut ausgehen wird und für irgendwas etwas gut sein wird und überhaupt erst gar nicht so schlimm kommen kann, wie die Pessimisten immer unken. Ein naher Verwandter des Optimisten ist der Zweckoptimist. Dieser unterscheidet sich vom Idealisten, dessen Natur es gleichsam ist, auf das Beste zu hoffen, in einem einzigen, aber wichtigen Detail: Ihm bleibt gar keine andere Wahl mehr, als auf das Beste zu hoffen. Christian Donbeck, 47, neigt zwar zu einer grundsätzlich positiven Sichtweise. Nach Lage der Dinge bleibt dem Geschäftsführer der Tölzer Löwen aber auch nichts anderes mehr übrig. Nach der 3:4-Niederlage vom Sonntag liegt der Eishockey-Zweitligist in der ersten Playdown-Runde gegen die Wölfe Freiburg 1:3 zurück. Die Breisgauer benötigen nur noch einen weiteren Sieg, um den Klassenerhalt zu sichern. Derweil müssten die Löwen nun drei Siege in Serie schaffen, um die zweite und definitiv ultimative Runde gegen den Deggendorfer SC noch zu vermeiden. Darüber könnte man sich ärgern, man könnte hadern oder verzweifeln. Donbeck aber sagt: "Wir brauchen jetzt null Komma null nachzudenken."

Teilzeitoptimisten können bei Donbeck noch viel lernen. Denn das 3:4 in Freiburg war eines dieser Spiele, die ein angeknackstes Ego durchaus zum Einsturz bringen können. Manuel Edfelder nutzte eine Indisponiertheit von Wölfe-Keeper Jimmy Hertel im ersten Drittel zur Führung, Jordan Hickmott baute sie im zweiten Drittel aus. Tölz lag auf Kurs zum Ausgleich in der Best-of-7-Serie. Das postwendende 2:1 durch Jozef Balej beantwortete Florian Strobl mit dem 3:1 (31.), die Löwen hatten die Partie im Griff. Doch dann kam das dritte Drittel und mit ihm der Bruch im Tölzer Spiel.

Am Dienstag geht die Serie weiter. Es gibt "keine Ausreden", sagt Geschäftsführer Donbeck

Vor dem 3:2 durch Alexander Brückmann gleich zu Beginn des Schlussabschnitts erhielt Florian Kraus eine diskussionswürdige Strafe. Allerdings erlaubten die Löwen den Wölfen auch einen Pass quer durch die eigene Unterzahl-Box. Vor dem Ausgleich (46.) verschlampte Yannick Drews dann hinter dem eigenen Tor die Scheibe leichtsinnig an Brad McGowan, der den freistehenden Marc Wittfoth bediente. "Das sind die kleinen Fehler, die du dir in den Playdowns nicht leisten darfst", sagt Donbeck. Das 3:4 (50.) wiederum wirkte wie der noch fehlende Beweis, dass sich alles gegen die Löwen verschworen hat. Denn nach dem Treffer von Enrico Saccomani, der den Puck in Baseball-Manier an Ben Meisner vorbei ins Tölzer Tor geknüppelt hatte, winkten die Schiedsrichter spontan ab: hoher Stock, kein Tor. Nach Ansicht der Videobilder entschieden sie aber: korrekter Treffer. "Wir suchen keine Ausreden", sagt Donbeck, "das ist müßig". Die Parole müsse jetzt lauten: "Kopf hoch, Brust raus!"

Beide Teams sehen sich bereits an diesem Dienstag (19.30 Uhr) in Bad Tölz wieder. Es ist ein sogenanntes Do-or-die-Spiel: Gewinnen die Löwen, geht die Runde am Freitag weiter; verlieren sie...

Aber daran denken sie ja nicht. "Wir sind komplett. Wir haben die Quantität und wir haben die Qualität", sagt Donbeck. "Wir haben jetzt nur noch eine Option: Spiele gewinnen, egal um welchen Preis." Manchmal erfordert es schon recht viel guten Willen, ein Optimist zu sein.