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Tischtennis:Gesichter der Zukunft

Wieder eine Herausforderung: In der Jugend ist Daniel Rinderer, 17, international erfolgreich, beim FC Bayern ist er Stammkraft in der dritten Liga.

(Foto: Claus Schunk)

Mit drei Teenagern will sich Aufsteiger FC Bayern in der dritten Bundesliga halten. Ein Pluspunkt soll die Verwurzelung der Spieler in München sein.

Zum einen war da Karin Rauscher. Sie gewann im Juli bei der Tischtennis-Europameisterschaft in Budapest Silber im Doppel. Zum anderen Daniel Rinderer und Tom Schweiger. Die beiden holten fast zur gleichen Zeit drei Bronzemedaillen bei den Europameisterschaften in Ostrava. Gemeinsam stehen die drei ein wenig exemplarisch für die große Bandbreite, die die Tischtennisabteilung des FC Bayern München abdeckt, so sieht das ihr neuer Abteilungsleiter Matthias Stein.

Rauscher, muss man wissen, ist international seit Jahrzehnten eine Wiederholungstäterin, sie startet inzwischen bei den Senioren in der Altersklasse der über 75-Jährigen. Rinderer und Schweiger dagegen sind zwei aufstrebende Jungnationalspieler, die beide am Verbandsstützpunkt in München ausgebildet werden. Rinderer, 17, gewann seine jüngste Medaille mit der Jugend-Nationalmannschaft, Schweiger, 15, kam in Tschechien sowohl mit dem Schülerteam aufs Podest als auch im Doppel an der Seite von Vincent Senkbeil.

Alle Spieler der vorderen Teams leben und trainieren in München - "ein Alleinstellungsmerkmal"

Wer sich auf der Homepage des großen FC Bayern durch Zufall auf die Seite der Tischtennisabteilung verirrt, sieht oben im Kopf ein schwarz-weißes Image-Video, auf dem Rinderer in Aktion ist. Er soll gewissermaßen das Gesicht sein für die Zukunft, an der der FC Bayern bastelt, und er ist auch längst ein Gesicht der Gegenwart. Karin Rauscher wird das verkraften.

18 Mannschaften schickt der FC Bayern München in dieser Saison in den Spielbetrieb, neun bei den Erwachsenen, neun in der Jugend, die wiederum in einer vereinseigenen Nachwuchsakademie ausgebildet werden. Rinderer ist Stammkraft in der ersten Männermannschaft. Mit etwas Glück war diese vor einigen Monaten aus der Regionalliga in die dritte Liga zurückgekehrt (Glück insofern, als sie wegen einiger verletzungsbedingter Ausfälle am Ende nur Zweiter hinter dem SB Versbach war) - und für den 17-jährigen Rinderer dürfte dieser Aufstieg von besonders großer Bedeutung gewesen sein. Für ihn und die anderen Teenager sei das wieder "eine Herausforderung", sagt Abteilungsleiter Stein. Man könnte es auch so formulieren, dass Nachwuchsspieler, die am Eintritt in eine Profilaufbahn arbeiten, schlecht auf Dauer in einer gehobenen Amateursportliga antreten können. Nun sind sie wieder auf einer Ebene angelangt, in der es - wie in vielen Jahren zuvor - von Anfang an eigentlich nur gegen den Abstieg gehen kann.

Seit vergangener Saison hat sich einiges getan in der Abteilung. Sie ist umgezogen, von der Schulsporthalle in der Grafinger Straße etwa einen Kilometer weiter, in die größere Berg-am-Laim-Halle. Wegen des Wiederaufstiegs ist die Mannschaft, die in der Regionalliga als Sextett antreten musste, modusbedingt wieder zu einem Quartett geschrumpft. Und die bisherige Nummer vier Felix Wetzel hat mit 17 bereits eine Profikarriere begonnen und den FC Bayern deshalb gen Österreich verlassen. An Position eins steht wie im Vorjahr der ehemalige deutsche Jugendmeister Florian Schreiner, inzwischen 23, der in München studiert. An Position zwei folgt Routinier Michael Plattner, der in München als Chirurg arbeitet. Hinter Rinderer, dem Schüler, komplettiert Julian Diemer das Quartett - zumindest auf dem Papier. Der ehemalige Mannschaftsführer hat sich nämlich dazu entschlossen, neben der Arbeit noch einmal BWL und VWL zu studieren, weshalb er nur an der Hälfte der Spiele teilnehmen will. In die andere Hälfte teilen sich zwei Jüngere: Nico Longhino, ebenfalls Münchner Stützpunktschüler, der im Vorjahr einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Wiederaufstieg leistete - und Schweiger, der gerade erst zum Bundesstützpunkt nach München und deshalb auch vereinsmäßig gewechselt ist. Er kommt von der DJK Altdorf. "Wir hoffen, dass die beiden sich sportlich rasch weiterentwickeln", sagt Stein. Das Potential dazu hätten sie.

Diemer wiederum legt Wert auf die Feststellung, dass alle Spieler aus der ersten und zweiten Mannschaft in München leben und arbeiten oder zur Schule gehen - und eben trainieren. Er genießt das. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal."

Zum Heimspielauftakt an diesem Samstag (18 Uhr) wird Diemer gleich mal fehlen, ihn soll Longhino ersetzen. Es geht gegen den TTC Wohlbach. Das Duell ist historisch gewachsen. Zu gemeinsamen Regionalligazeiten haben sich beide Klubs um den Aufstieg duelliert, in der dritten Liga zumeist die entscheidenden Duelle gegen den drohenden Abstieg bestritten. Bis die Wege auseinander gingen. Die Oberfranken waren zuletzt Vierte, was sie diesmal als Minimalziel ausgeben. "Die Favoritenrolle ist klar", sagt Stein, die Rivalen im Abstiegskampf dürften andere werden. Die Wohlbacher haben zwei Tschechen im vorderen Paarkreuz, dahinter Routiniers aus Bulgarien und der Ukraine. Wohlbachs Nummer zwei Richard Vyborny übrigens stieg vor zwei Jahren noch mit Bad Königshofen in die erste Liga auf. Er ist 48. Mathematisch ist das schon näher an Rauscher als an Rinderer.