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Terminübersicht:Das letzte Geisterrennen

Was vom Sport übrig blieb: In Daglfing soll am Sonntag ein Trabrenntag ohne Zuschauer stattfinden. Alle anderen Veranstaltungen sind inzwischen abgesagt. Ein Überblick.

Es gab triste Zeiten, da hätte man spotten können, dass der Unterschied sowieso keinem auffallen würde, aber die sind vorbei. Daglfings Trabrennfahrer sind keineswegs unter sich, wenn sie ihre Wettfahrten austragen. Auch wenn die Rennbahn im Münchner Osten selten aus den Nähten platzt, hat sie doch ein treues Stammpublikum - normalerweise. Aber es ist nichts normal, deshalb überrascht der Münchner Trabrenn- und Zuchtverein in diesen Corona-Tagen gleich mit zwei bemerkenswerten Nachrichten. Erstens: Er werde den Renntag an diesem Sonntag (14.25 Uhr) ohne Publikum austragen. Und zweitens: Er werde seinen Renntag austragen.

Dieser Stand hielt sich bis Freitagabend. Garantien kann man vermutlich erst abgeben, sobald der letzte Sulky die Ziellinie überquert hat. Den Publikumsausschluss wird der Verein jedenfalls sehr ernst nehmen, ausschließlich gemeldete Aktive wie Trainer, Fahrer, Reiter, Pfleger, Tierarzt, Sanitäter und Funktionäre bekommen am Sonntag Zutritt. Es gibt eine Ausweiskontrolle. All das sei mit dem Kreisverwaltungsreferat besprochen. Die meisten Wetten werden ohnehin von außerhalb platziert, insofern verhilft die Veranstaltung den Aktiven und dem Verein selbst als Geisterrennen zu Einnahmen. Was mit den kommenden Renntagen geschehe, sei völlig offen.

Wer an diesem Wochenende in der Region eine Sportveranstaltung ausrichtet, hat ein Alleinstellungsmerkmal. Am Freitagvormittag setzte der Bayerische Fußball-Verband den kompletten Spielbetrieb bis einschließlich 23. März aus und riet dringend auch vom Training ab. Für die bayerischen Handballer war schon tags zuvor klar gewesen, dass der Spielbetrieb im Jugendbereich eingestellt und für Erwachsene auf Bezirks- und Landesebene vorerst ausgesetzt wurde. Am Donnerstagabend zogen Dritte Liga und Jugendbundesliga mit der Streichung des aktuellen Spieltags nach, was auch das Spitzenspiel zwischen Fürstenfeldbruck und Pfullingen betraf. Am Freitag schickte der Handballbund dann den deutschlandweiten Betrieb in eine Pause bis 19. April. Am Donnerstag sagte zunächst auch der Deutsche Schachbund die nächsten beiden Spieltage ab, am Abend zog die zweite Liga nach und stornierte zumindest die Partien dieses Wochenendes. SC Garching und MSA Zugzwang wären Gastgeber gewesen.

Der Bayerische Tischtennis-Verband hat die Saison am Freitag für beendet erklärt; was das für Auf- und Abstiege bedeute, werde noch entschieden. Der Deutsche Tischtennis-Bund sprach dagegen für sich und seine Landesverbände von einer Aussetzung des Spielbetriebs bis 17. April. Die Bundesliga-Heimspiele des TSV Schwabhausen und des FC Bayern am Samstag sind somit zumindest verschoben. Wie es weitergehe, wisse keiner, sagt Schwabhausens Abteilungsleiter Helmut Pfeil. Und auch wenn die Homepage des Deutschen Badminton-Verbands bis Freitagnachmittag anderes behauptete: Auch hier falle der Bundesliga-Spieltag aus, wusste Neuhausens Teammanager Philipp Blonck. Später war es dann auch zu lesen: Der Verband verordnet eine Pause bis zum 31. Mai.

Übrigens: Sicher ist niemand, nicht einmal in einem Segelboot vor der Küste Palma de Mallorcas. Dort hätte am Freitag die Weltmeisterschaft der 470er-Klasse beginnen sollen. Seit Anfang Februar hatten Philipp Autenrieth und Simon Diesch vom Bayerischen Yacht-Club dort schon trainiert, wie die meisten anderen Teams auch. Doch während sie am Donnerstag auf dem Wasser zwei Stunden trainierten, sagten an Land die Behörden die WM ab. Verschoben, auf unbestimmte Zeit. Als die beiden ahnungslos anlegten, packte die Konkurrenz bereits zusammen. "Es ist völlig verrückt", kommentierten sie. "Seit vier Jahren bereiten wir uns auf das olympische Jahr vor - und nun steht kein Stein mehr auf dem anderen."

© SZ vom 14.03.2020
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