Tennis Zwei Joker in der Hinterhand

4:5 gegen Iphitos: Dachaus Herren 30 verlieren auch ihr zweites Saisonspiel und hoffen auf prominente Unterstützung.

Von Christian Bernhard, Dachau

Es war kaum zu übersehen, dass es Fabian Ziemer gut ging. "Das sind die schönsten Spieltage", sagte der Kapitän der Bundesliga-30-Mannschaft des MTTC Iphitos München, als er am Samstag frisch geduscht auf der Tennis-Anlage des TC Dachau saß und in die Sonne blinzelte. Ziemer hatte soeben gegen Sandro Costa 6:4, 6:4 gewonnen und genoss das Leben.

Ein Derby an einem sonnigen, aber nicht zu heißen Sommertag: Gibt es noch etwas Schöneres? Ja. Einen engen Spieltag, fand Ziemer. Er liebe Begegnungen, die bis zum Ende knapp bleiben: "Dafür spielen wir." Auch dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Iphitos musste bis zu den letzten Doppeln alles geben, um Dachau am dritten Spieltag der Süd-Staffel knapp mit 5:4 zu schlagen. "Nur wenige Punkte haben heute den Unterschied ausgemacht", erklärte Dachaus Kapitän Peter Schuster. "Es war ein harter Kampf, und den haben wir halt verloren."

Trotz der Dachauer 1:0-Führung, für die der laut Ziemer "unmenschlich servierende" Igor Zelenay mit einem deutlichen 6:4, 6:2 gegen Richard Malobicky gesorgt hatte, war Schuster zu Beginn der Begegnung skeptisch gewesen. "Schwierig", meinte er auf die Frage, ob etwas zu holen sei, Iphitos sei personell "gut eingelaufen". Die Münchner, die am ersten Spieltag eine 0:9-Klatsche gegen Aufsteiger Garching kassiert hatten, waren auf zwei Positionen besser aufgestellt als gegen Garching; Schuster betonte, mit solch einer Aufstellung habe Iphitos in der vergangenen Saison die Endrunde bestritten.

Gebrauchter Tag für Sandro Costa: Dachaus Nummer sechs verlor gegen Fabian Ziemer 4:6, 4:6 und im Doppel mit Benjamin Ringlstetter.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Endrunde ist für Dachau kein Thema, dafür haben sie in Tommy Haas einen klingenden Namen auf ihrer Meldeliste stehen. Auf dem Platz stand Haas, dessen Name immer wieder unter den Zuschauern fiel, allerdings auch am Samstag nicht. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte Schuster. Er glaubt, dass die ehemalige Nummer zwei der Weltrangliste in dieser Saison noch für Dachau spielen wird. "Das wäre ein Traum, dann wäre die Anlage voll."

Dem Dachauer Kapitän standen im Derby nur sechs Einzel-Spieler zur Verfügung, da Michal Schmid in den USA als Trainer unterwegs war und ihm auch Aleksandar Bajin einen Tag vor der Begegnung abgesagt hatte. Mikhail Kukushkin, die Nummer 47 der ATP-Weltrangliste und Dachaus zweites großes Ass neben Haas, ist aktuell in der Vorbereitung auf Wimbledon. Dass ein Profi für ein Liga-Spiel vom grünen Belag zurück auf Sand wechselt, ist praktisch ausgeschlossen. Trotz der Absagen bissen sich die Dachauer in das Derby und gewannen zwei von drei Match-Tiebreaks in den Einzeln. Schuster rang Björn Krenzer 10:6 nieder, nachdem er ihn mit zahlreichen Stopps zur Verzweiflung gebracht hatte. "Ich kann hier nicht laufen, ich kann hier nicht spielen, ich träume vor mich hin. Das ist so schlecht", schimpfte Krenzer.

Auch das Duell der Top-Gesetzten wurde im Match-Tiebreak entschieden. Iphitos' Ludovic Walter - ein Franzose, der als Investment-Banker in London arbeitet - bestimmte lange Zeit die Partie gegen Dachaus Marek Semjan. Walter servierte sehr gut und erzeugte großen Druck von der Grundlinie. Doch der Slowake fand Schritt für Schritt in die Partie und entschied den Match-Tiebreak mit 10:5 für sich, da er ab dem zweiten Satz beständiger in seinem Spiel wurde und weniger Fehler machte als der Franzose. So stand es nach den Einzeln 3:3, die Entscheidung musste in den Doppeln fallen. Den fünften Punkt fuhren Benedikt Dorsch und Krenzer durch einen 6:1, 7:6-Sieg über Benjamin Ringlstetter und Sandro Costa ein.

Luitpoldpark steigt auf

Der TC Grün-Weiss Luitpoldpark ist in die Frauen-Bundesliga aufgestiegen. Am vorletzten Spieltag der 2. Liga Süd besiegte Luitpoldpark den MTTC Iphitos im Münchner Lokalderby 6:3. Weil Verfolger Manching gleichzeitig gegen Ludwigshafen-Oppau 4:5 verlor, war Luitpoldpark schon vor dem letzten Spieltag am Sonntag nicht mehr von Platz eins zu verdrängen. "Es ist noch ungreifbar eigentlich. Noch gar nicht reell", sagte Cheftrainer Marc Herter zum ersten Aufstieg des Klubs in die höchste deutsche Spielklasse. Vor der Saison hatte Herter den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben. Luitpoldpark verlor von sechs Begegnungen nur eine und musste in den letzten beiden Spielen sogar auf seine Nummer eins, die Österreicherin Barbara Haas, verzichten. Trotzdem gewannen die Münchnerinnen die entscheidenden Siege gegen Manching und Iphitos. fdi

Während der TC Großhesselohe beim 2:7 gegen die ST Lohfelden seine erste Saison-Niederlage kassierte, setzte Aufsteiger STK Garching seinen Höhenflug fort. In Frankfurt verloren die Garchinger zwar vier Match-Tiebreaks, gewannen aber 5:4 und sind nun mit 6:0 Punkten alleiniger Tabellenführer. Davon sind die Dachauer mit 0:4 Punkten weit entfernt. Schuster war trotz der zweiten Niederlage aber nicht niedergeschlagen. Das bedeute "nix", sagte er unaufgeregt, man müsse nun Ruhe bewahren. Dachaus Kapitän verwies darauf, dass der TC im Jahr 2017 nach drei Auftakt-Niederlagen sogar noch Dritter geworden sei. Damals hatte es am zweiten Spieltag ebenfalls eine Niederlage gegen Iphitos gegeben. Er weiß aber auch, dass die Liga sehr eng ist und es nicht einfach werden wird, mindestens den drittletzten Platz zu erreichen, der den Klassenerhalt bedeuten würde: "Wir müssen unsere Joker ziehen, wenn wir die Liga halten wollen." Namen nannte er nicht, doch die Herren Haas und Kukushkin dürfen sich definitiv als Joker fühlen.