bedeckt München 14°

Tennis:"Wir sind keine Touristen"

Ismaning steigt in die 2. Liga auf. "Es wird derbe Niederlagen für uns hageln", glaubt Mannschaftsführer Rainer Gerhard. Trotzdem verzichtet der Klub auf Verstärkungen aus dem Ausland.

Interview von Matthias Schmid

Der TC Ismaning steigt unverhofft in die zweite Tennis-Bundesliga auf. Vor zwölf Jahren hat der Klub dort schon einmal gespielt - und stieg nach nur einer Saison wieder ab. Diesmal will er - ohne die Hilfe ausländischer Spieler - die Klasse halten. Mannschaftsführer Rainer Gerhard, 34, spricht über den kurzfristigen Aufstieg, das Derby gegen den TC Großhesselohe und darüber, warum seine Spieler sogar auf Geld verzichten, um in der zweithöchsten Spielklasse mitmachen zu dürfen.

SZ: Herr Gerhard, Glückwunsch zum Aufstieg. Das ist ja eine bemerkenswerte Geschichte, vor zwei Jahren hat der TC Ismaning noch in der Bayernliga gespielt.

Rainer Gerhard: Zweite Liga klingt schon irgendwie verrückt, vor zwei Jahren hätte das noch niemand geglaubt und jeder bei uns gesagt, dass das nicht sein kann. Wir wollten in die Regionalliga aufsteigen und haben das ja auch geschafft. Und jetzt spielen wir plötzlich in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Auf sportlichem Wege wäre das für uns auch nicht möglich gewesen, da musste schon der grüne Tisch kräftig nachhelfen.

Sie steigen als Regionalliga-Dritter in die zweite Liga auf, weil einige Mannschaften zurückgezogen haben. Musste der Klub lange überlegen, um das Angebot anzunehmen?

Wir haben die Entscheidung den Spielern überlassen, und die haben gleich zugesagt. Sie wollten unbedingt in der zweiten Liga spielen, weil den meisten von ihnen das bisher verwehrt war. Wir als Verein zögerten dann doch ein bisschen, weil die Liga natürlich mit Mehrkosten verbunden ist.

"Wir sind natürlich krasser Außenseiter, weil wir mit unveränderter Aufstellung auflaufen werden" - den einen oder anderen wollen Marc Meigel und der TCI aber schon erschrecken.

(Foto: Claus Schunk)

Von wie viel mehr reden wir?

Der Reiseaufwand ist höher - und wir haben ein Spiel mehr als in der Regionalliga. Da die Spieler nach Einsätzen bezahlt werden, bekommen sie nun weniger Siegprämie. Wir werden etwa 5000 Euro mehr ausgeben. Unser Etat dürfte eine mittlere fünfstellige Summe ausmachen.

Auf die Unterstützung ausländischer Fachkräfte wollen Sie wie schon in der Regionalliga verzichten. Gibt es dafür in Ismaning einen besonderen Zaubertrank, um das ausgleichen zu können?

So etwas Ähnliches (lacht). Wir sind natürlich nur krasser Außenseiter in der Liga, weil wir mit unveränderter Aufstellung auflaufen werden. Wir spielen mit Marc Meigel, Daniel Baumann, Marco Kirschner, Marko Krickovic, Michael Feucht und Benjamin Miedl. Es wird deshalb auch derbe Niederlagen für uns hageln. Darauf ist jeder von uns eingestellt. Aber wir wollten die Spieler nicht dafür bestrafen, dass sie nun eine Klasse höher spielen.

In der vergangenen Saison reichte Ihnen ein kleiner Kader von sechs Spielern aus, um die gesamte Spielzeit zu bestreiten, weil sich niemand verletzte. Haben Sie wirklich niemanden mehr auf die Meldeliste genommen?

Wir haben ein paar ausländische College-Spieler für die vorderen Positionen gemeldet, die gemeinsam mit Krickovic und Feucht in den USA studieren. Auch der Österreicher Nikolaus Moser steht darauf, der für uns vor zwei Jahren schon in der Bayernliga ausgeholfen hat. Die könnten im Notfall auflaufen. Aber im Moment planen wir, mit unserer Stammsechs zu spielen - ohne Ausländer.

Tennis

"Im Einzel bin ich nicht mehr wettbewerbsfähig": Als Reservist für die Doppel sieht sich Rainer Gerhard, 34, aber durchaus noch fit genug.

(Foto: privat/oh)

Und falls einer mal kurzfristig verletzungsbedingt ausfallen sollte, stünden Sie ebenfalls bereit?

Ja, das wäre eine Option. Doppel kann ich noch spielen. Ich trainiere seit meinem Rücktritt zwar weiter regelmäßig, aber im Einzel bin ich in der zweiten Liga nicht mehr wettbewerbsfähig. Es ist aber nicht so, dass ich nur ein Spiel pro Satz gewinnen würde. Gegen Maximilian Wimmer von Großhesselohe traue ich mir schon zu, dass ich sechs, sieben Spiele hole.

Sie sprechen das Derby gegen den TC Großhesselohe aus dem südlichen Landkreis an. Gibt es da tatsächlich so etwas wie eine Rivalität?

Darauf freuen wir uns sehr, wir wollen sie schon ärgern. Wir haben gegen sie nichts zu verlieren. Ob wir mithalten können, wird auch stark davon abhängen, zu welchem Zeitpunkt wir in der Saison gegen sie antreten werden. Aber wenn sie in voller Montur spielen, liegen unsere Chancen allenfalls bei 10:90.

Großhesselohe will in die erste Liga.

Wirklich? Das weiß ich nicht. In den vergangenen Jahren waren sie mit der zweiten Liga zufrieden. Wir haben ja auch schon einmal dort gespielt, vor zwölf Jahren.

Und diesmal wollen Sie die zweite Liga einfach nur genießen?

Wir machen das in erster Linie für unsere Spieler, damit sie auch mal zweite Liga spielen können. Aber Touristen sind wir nicht, wir nehmen die zweite Liga schon sehr ernst und wollen für die eine oder andere Überraschung sorgen. Gleichzeitig können wir das als Klub allerdings entspannt angehen, weil es für uns ein Jahr ohne Risiko ist: 2018 sind wir in jedem Fall in der Regionalliga dabei. Und das ist unsere bevorzugte Spielklasse.

© SZ vom 21.03.2017
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema