Tennis Weiß-blaue Offensive

Der TC Großhesselohe setzt auch nach dem Aufstieg in die erste Tennis-Bundesliga auf Spieler aus der Region - und kann ein Weltklasseteam aufbieten, das mehr als den Klassenerhalt verspricht.

Von Ralf Tögel

Eine bayerische Nationalmannschaft? Ein Gedanke, der wohl nicht nur unverbesserlichen Royalisten im Freistaat durch die Gehirnwindungen wabert. "Eine nette Idee", sagt Bernard Eßmann, klar, "aber mir fallen da noch Maxi Marterer und Philipp Kohlschreiber ein." Bis auf den Nürnberger Marterer und den Augsburger Kohlschreiber hat der Mannschaftsverantwortliche aber alle bayrischen Topspieler beim Tennisclub Großhesselohe versammelt. Teammanager Christopher Kas würde der Auswahl gerne noch einen Weltklassespieler hinzufügen, wobei man präzisieren muss: einen weiteren. Denn was der Aufsteiger in die erste Bundesliga für die kommende Saison auf die Beine gestellt hat, ist schon jetzt bemerkenswert.

Ein guter Zeitpunkt, findet Eßmann, zukünftig etwas kürzer zu treten. Der Präsident hat sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Eßmann wird dem Klub weiterhin in beratender sowie verantwortlicher Funktion für die Profis erhalten bleiben, worüber der Verein nur froh sein könne, wie sein Nachfolger Roland Benedikt betont. Eßmann geht nach acht Jahren "mit einem sehr guten Gefühl" von der Kommandobrücke. Der Klub sei da, "wo ich ihn mir vorgestellt habe". Zudem weiß der 53-Jährige sein Werk bei Benedikt "in sehr, sehr guten Händen". Benedikt war in den vergangenen 14 Jahren Finanzvorstand des TCG, ist folglich auf Eßmanns Linie sowie mit Fein- und Eigenheiten des Klubs vertraut. Eßmann selbst will sich "aus dem Tagesgeschäft rausziehen", er hinterlässt den Verein in blendendem Zustand. Eßmann nennt die Gastronomie, die Jugendarbeit, die Geschäftsstelle nebst Personal, die beiden neuen Traglufthallen; zuletzt habe man die sanitären Anlagen für eine halbe Million Euro saniert. Der Klub sei nach acht Jahren seiner Amtszeit "auf höchstem Stand". Es habe ein bisschen gedauert, so Eßmann, aber "wir stehen auch finanziell gesund da". Was den Klub nun in die Lage versetze, Turniere wie die Isar Open zu stemmen - oder eben die Bundesliga.

Besonders im sportlichen Bereich hat Eßmann das nötige Gespür bewiesen. Zum einen, weil er selbst Tennis auf hohem Niveau spielt - wofür er sich fortan mehr Zeit nehmen will. In der Altersklasse Herren 50 steht er in Deutschland an Position 23, was es zu verbessern gelte. Zum anderen, weil er sich die richtigen Leute ins Boot geholt hat, wie eben Kas. Der ist als Aktiver jahrelang um den Erdball gejettet, nun als Trainer von Topspielerin Mona Barthel Teil des Tennisuniversums - und somit bestens vernetzt. Derzeit bereitet sich das Duo mit einem Trainingslager nebst Turnier in Dubai auf die Australian Open im Januar vor.

Dort wird es auch eine kleine Zusammenkunft der bayrischen Nationalmannschaft geben. Denn neben Kas wird auch Eßmann in Melbourne zugegen sein, wo er auf das Gros der Großhesseloher Mannschaft trifft. Neben dem in der Bundesliga an Nummer eins gemeldeten georgischen Shootingstar Nikoloz Basilashvili, der in der Weltrangliste auf Position 21 steht, haben in Peter Gojowczyk (Nummer 59), Matthias Bachinger (130), Daniel Brands (174) und Kevin Krawietz (Nummer 71 im Doppel) sämtliche Großhesseloher ATP-Potenzial. Was man getrost auch dem Esten Jürgen Zopp (148) sowie den Talenten Kamil Majchrzak aus Polen (184) und Mate Valkusz, 20, aus Ungarn (184) zugestehen darf. Komplettiert wird der Kader vom österreichischen Trio Dennis Novak (143), Sebastian Ofner (187) und Lucas Miedler (212) sowie Altmeister Florian Mayer (296), der seine internationale Karriere zwar beendet hat, nach dem Aufstieg mit dem TCG aber noch eine Saison dranhängt.

In Melbourne wollen Eßmann und Kas weitere Gespräche führen, um den bisher zwölfköpfigen Kader um zwei Spieler auf die möglichen 14 Meldungen zu komplettieren. "Es kann sein, dass es ein Weltklassespieler wird", sagt Kas, oder ein weiterer Hochtalentierter, der an die Weltelite heranzuführen ist, oder ein Doppelspezialist. Kas hat , wie er sagt, einige Namen im Kopf - und natürlich längst seine Fühler ausgestreckt. Man dürfe sich getrost überraschen lassen.

Sicher ist bereits jetzt, dass die Zuschauer "absolutes Spitzentennis" auf der schmucken Anlage am Isarhochufer zu sehen bekommen werden, wie der Teamverantwortliche Eßmann verspricht. Dabei erinnert er an Gegner wie den aktuellen deutschen Mannschaftsmeister Mannheim, der in der vergangenen Saison Top-Ten-Spieler Dominik Thiem aufbot. Auf etwa 180 000 Euro beziffert er den Etat, eine Summe, die einem Fußball-Bayernligisten gerade zum Überleben reichen würde. In Großhesselohe sollte sie reichen, um in der kommenden Saison die Klasse bequem halten zu können - zwei, drei Jahre später könne man über mehr reden.

Oder um Spieler wie Peter Gojowczyk vom Meister Mannheim zurück "in die Heimat" zu locken. Der 29-Jährige, der in diesem Jahr im Finale der ATP-Turniere von Delray Beach und Genf stand, hatte von 2006 bis 2012 für den Pullacher Klub in der zweiten Bundesliga gespielt, ehe seine internationale Karriere so richtig Fahrt aufnahm. Momentan bereitet sich der Münchner ebenfalls auf die Australian Open vor, wird die Turniere in Doha und Auckland spielen, ehe es nach Melbourne geht. Großhesselohe habe er im Übrigen nie aus den Augen verloren, erzählt er, "umso schöner, dass es jetzt klappt". Auch Gojowczyk kann dem bayerischen Gedanken einiges abgewinnen: "Das ist eine richtige Mia-san-mia-Mannschaft, wir Spieler kennen uns ja lange", gerade mit Bachinger und Brands verbinde ihn eine Freundschaft. "Und die Österreicher gehören ja praktisch auch dazu", fügt er lachend an.

Noch gibt es viele Unbekannte, etwa welcher Spieler wann zur Verfügung steht, aber Kas verspricht dem Publikum, dass es jeden Spieler zu Gesicht bekommen wird. Auch er sei begeistert, wie sich alles entwickelt hat. "Ich erstelle ein Konzept, habe Ideen, und Bernard Eßmann sieht zu, dass wir es umsetzen können. Da kann man nur dankbar sein." Dann erzählt Kas noch von seinem Traum: "Dass wir nächste Saison einmal alle bayerischen Spieler gleichzeitig präsentieren können."

Dann könnte er sie präsentieren, die bayerische Nationalmannschaft.