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Tennis:Verpuffte Wucht

Lukas Lacko  (SVK) Tennis - Wolffkran Open - Ismaning - ATP Challenger -  TC Ismaning  - Germany - 2019

Stand mal auf Rang 44 der Weltrangliste: Der Slowake Lukas Lacko gewinnt gleich bei seinem Debüt das Ismaninger Tennisturnier.

(Foto: Juergen Hasenkopf)

Im Endspiel des Ismaninger Challenger-Turniers dominiert der Slowake Lukas Lacko - er ist einfach ausgeruhter als sein Gegner.

Lukas Lacko befreite erst einmal seine langen, blonden Locken aus der Umklammerung seines Dutts, er steckte den Haargummi in die Hosentasche und lehnte sich tiefenentspannt gegen die Lehne seiner Spielerbank. Die Herren in den seltsamen Gewändern - von der Turnierleitung bis zum Ismaninger Bürgermeister Alexander Greulich waren alle in traditioneller Tracht erschienen - hielten ihre Referate über das gute Gelingen des Turniers, aber natürlich verstand der slowakische Tennisprofi davon kein Wort. Lacko saß also lässig auf seiner Bank, Beine überkreuzt, Arme verschränkt, bis er schließlich nach vorne gebeten wurde und ein paar Worte an die rund 500 Zuschauer in der Halle des TC Ismaning richten sollte. Es war seine erste Teilnahme bei diesem ATP-Challengerturnier.

"Es ist schon anstrengend, sowohl im Einzel als auch im Doppel anzutreten", sagt Lacko und grinst

Wie es die sportsmännischen Gepflogenheiten vorsehen, sprach Lacko dann von einem "schweren Finale", einer "echten Herausforderung" und einem "großartigen Turnier". Er gratulierte seinem Gegner, dem US-Amerikaner Maxime Cressy, er attestierte auch ihm eine tadellose Leistung. Aber: "Es ist schon anstrengend, sowohl im Einzel als auch im Doppel anzutreten. Deswegen habe ich auch kein Doppel gespielt."

Lacko grinste ein bisschen verlegen, vielleicht, weil er diesen Wettbewerbsvorteil im Finale zuvor gnadenlos ausgenutzt hatte. Der Slowake gewann deutlich mit 6:3 und 6:0, neben ein bisschen Prestige strich er damit auch ein Preisgeld von 9200 Euro und 90 Weltranglistenpunkte ein. Sein Gegner Cressy wirkte deutlich erschöpfter - und nicht unbedingt in freudiger Erwartung des Doppelfinals, das er wenig später gemeinsam mit seinem Landsmann Jamie Cerretani gegen die französische Paarung Quentin Halys/Tristan Lamasine ebenfalls verlor, 3:6, 5:7.

Tatsächlich handelte es sich am Sonntagnachmittag um ein Einzelendspiel, das durch Lackos Lockerheit sowohl im Arm als auch in der Lunge entschieden wurde. Es war kein Match mit mitreißenden, hochkarätigen Ballwechseln, zu effizient nutzte der Slowake seine technische Überlegenheit. Und das darf durchaus als unüblich gelten auf dem so schnellen Teppichbelag, auf dem starke Aufschläger deutlich im Vorteil sind. Cressy, ein 1,98 Meter großer Hüne, Nummer 214 der Weltrangliste, versuchte es aber ausschließlich mit Wucht und Gewalt, ihm mangelte es am Sonntag an Frische und Präzision. Im ersten Satz führten seine kräftigen Schläge noch manchmal zum Erfolg, aber je länger die Partie ging, desto mehr wirkte es, als wolle Lacko seinen Kontrahenten bewusst in Richtung Verausgabung treiben. Und im zweiten Satz hatte der Slowake dem vermeintlichen Matchplan folgend ein mehr oder minder leichtes Spiel mit Cressy.

Lacko, ein früherer Weltranglisten-44. (2013) und inzwischen auf Platz 239 abgerutscht, hatte am Samstag im Halbfinale den Deutschen Julian Lenz äußerst knapp mit 6:3, 3:6, 7:6 besiegt. Und jetzt hetzte er seinen Gegner nur so übers Feld, mit Chipbällen, Richtungs- und Tempowechseln, wenn angebracht auch mit viel Gefühl und Effet in seinen Schlägen. Wohl auch aufgrund der spielerischen Finesse Lackos sprach der Turnierveranstalter Peter Auernhammer hinterher von einem "großen Erfolg", er erhielt dafür auch gefälligen Applaus von den Zuschauern. Laut Auernhammer war der bisherige Zuschauerrekord aus dem vergangenen Jahr übrigens bereits nach dem zweiten Turniertag eingestellt worden. Als Auernhammer das erzählte, vertrieb sich Lacko die Zeit schon wieder mit seinem Haargummi. Er wird nächstes Jahr vermutlich gerne wiederkommen.