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Tennis:Spross einer Sportfamilie

Sebastian Korda (USA) macht die Faust und jubelt, Jubel, Freude, Emotion Tennis - Wolffkran Open - ATP, Tennis Herren C

Sebastian Korda.

(Foto: Juergen Hasenkopf/imago)

Sebastian Korda überzeugt beim Challenger-Turnier in Ismaning.

Von Sebastian Winter, Ismaning

Sebastian Korda musste sich erst ein wenig zurechtfinden in Ismaning, und das in jeder Hinsicht. Der 20-jährige Tennisprofi lebt eigentlich in der Wärme von Bradenton, Florida, etwa fünf Minuten sind es von seinem Zuhause in die Nick Bollettieri Tennis Academy, wo er täglich zweimal trainiert. Und genauso weit zum Strand. Vor einer Woche ist er nun in München gelandet, um in Ismaning ein Challenger-Turnier zu spielen. "Das ist mein erstes Mal in Deutschland, außerhalb des Airports", sagte Korda: "Und es ist das erste Mal auf Teppich. Etwas gewöhnungsbedürftig." Aber der Sohn des einstigen tschechischen Weltklassespielers Petr Korda erwies sich als äußerst anpassungsfähig.

Korda bezwang bei den mit 44 820 Euro dotierten Wolffkran Open in der ersten Runde nach nervösem Beginn den Tschechen Zdenek Kolar mit 3:6, 6:3 und 6:4. Im Achtelfinale siegte der 1,93-Meter-Mann gegen den Deutschen Julian Lenz schon klarer in zwei Sätzen. Erst am Freitag war sein Teppich-Abenteuer vorbei, da verlor er im Viertelfinale gegen den Schweizer Marc-Andrea Huesler mit 4:6 und 4:6. Immerhin ist Korda eine Runde weiter gekommen als der Münchner Mitfavorit Yannick Hanfmann, der bereits am Donnerstag ausgeschieden ist.

Der Schlaks, dessen Statur und Aussehen durchaus Petr Korda ähnelt, hat sich in Windeseile mit dem für ihn fremden Belag angefreundet. "Ich mag ihn. Man muss sich mehr bewegen, aber wenn man hart schlägt, ist es gut auf Teppich." Korda ist höflich, verbindlich, er spricht schnell, sein Englisch ist makellos. Letzteres liegt auch daran, dass er in Florida geboren ist, anders als sein Vater Petr. Dort ist er in einer Familie von Spitzensportlern aufgewachsen. Sebastians Schwestern Nelly und Jessica sind Golfprofis, die eine derzeit Nummer drei der Welt, die andere auf Rang 21. Ihr Vater Petr hat mehr als zehn Millionen US-Dollar Preisgeld gewonnen, der einstige Weltranglisten-Zweite stand 1992 im Finale der French Open und siegte 1998 bei den Australien Open. Im selben Jahr, auch das gehört zu seiner Biografie, wurde er positiv auf Nandrolon getestet und 365 Tage gesperrt. Seine Frau Regina war 24. der Tenniswelt. "Sie schauen sich jedes meiner Spiele an", sagt Sebastian Korda über seine Eltern, der Vater ist zuhause in Florida sein wichtigster Ratgeber. Trotzdem hat er ein anderes Vorbild: Rafael Nadal. "Er ist mein Idol, seit ich ein Kind bin." Bei den French Open trafen sie sich im Achtelfinale, Nadal gewann in drei Sätzen, es war zugleich Sebastian Kordas größter Erfolg. Weltranglisten-138. ist er zurzeit, die Top 100 sind also nicht mehr weit. Aber das ist bestimmt nur ein kleines Etappenziel für einen Korda.

© SZ vom 24.10.2020

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