Süddeutsche Zeitung

Tennis:Schweden-WG

Mit dem 8:1-Sieg im Derby zeigen die Zweitliga-Frauen des TC Großhesselohe, dass mit ihnen zu rechnen ist. Luitpoldpark kämpft dagegen um den Nichtabstieg.

Auf dem Platz wirkt Isabella Pfennig schon ziemlich erwachsen. Sie spendete ihrer Gegnerin bei guten Bällen Applaus. Das ist nicht selbstverständlich für eine 15-Jährige. Normalerweise sind Spielerinnen ihres Alters eher mit sich und ihren Emotionen beschäftigt, vor allem, wenn sie zum ersten Mal in der zweiten Bundesliga aufschlagen. Doch Pfennig trat am Sonntag im Münchner Derby zwischen dem TC Grün-Weiss Luitpoldpark und ihrem Klub TC Großhesselohe so selbstsicher und bemerkenswert cool auf, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Sie gewann an Position sechs gegen die drei Jahre ältere Nicole Gadient aus der Schweiz mit 6:2 und 6:2. "Das freut mich sehr für sie", sagte TCG-Präsident Bernard Eßmann, "das war ein tolles Highlight für Isabella."

Wie wohl sich die deutsche U14-Meisterin beim 8:1-Sieg gegen Luitpoldpark zwischen all den Profispielerinnen fühlte, war gut zu beobachten. Sie verkrampfte nicht, sondern schwang locker ihren Arm durch, sie spielte präzise, fast fehlerfrei, sie erlief auch in der Verteidigung noch Bälle, die andere längst aufgegeben hätten. Neben ihrer Leidenschaft und ihrem Kämpferherz beeindruckte sie ihre Gegnerin mit ihrer Vorhand, die sie schon enorm zu beschleunigen vermag. Die umstehenden Zuschauer staunten und fragten immer wieder kopfschüttelnd nach ihrem Alter.

Aber es war nicht Pfennig allein, die das Stadtduell so einseitig machte. Auch die schwedischen Zugänge Fanny Östlund und Cornelia Lister zeigten mit ihren Siegen, dass sie den TC Großhesselohe in dieser Saison bereichern werden. Lister war mit Position 137 im Doppel die höchst platzierte Weltranglistenspielerin an diesem Tag. "Sie sind beide sehr stark", schwärmte Hildegard Jonasz. Luitpoldparks Teammanagerin wollte und konnte ihre Enttäuschung angesichts der glatten Niederlage, der zweiten im zweiten Saisonspiel, gar nicht verbergen. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir schon nach den Einzeln als Verlierer dastehen werden", fügte sie leise an. Als einzige ihrer Spielerinnen gewann die Österreicherin Julia Grabher im Spitzeneinzel gegen die Tschechin Jesika Maleckova, die erst am Spieltag vom WTA-Turnier in Nürnberg angereist war, in zwei Sätzen.

Ein Tag früher landeten Östlund und Lister in München. "Wir haben sie gleich vom Flughafen abgeholt und zu einem gemeinsamen Abendessen gebracht", erzählt Eßmann. Vorher aber mussten sie noch ein bisschen arbeiten. Ein Fototermin beim Sponsor stand an. Mit den anderen drei ausländischen Facharbeiterinnen wohnen auch die beiden Schwedinnen während ihres Aufenthalts in einer Dreizimmerwohnung auf der Anlage in Großhesselohe. Dass sie bei ihren Einstand gleich gewonnen haben, "erleichtert die Integration", hebt Eßmann hervor. An diesem Donnerstag (11 Uhr, Anlage an der Pullacher Straße) steht das erste Heimspiel gegen den noch sieglosen TC Weiß-Blau Würzburg an. "Wenn wir mit zwei Siegen in die Saison starten, könnten wir die restlichen Spiele entspannter angehen", sagt der Präsident.

Die jungen Spielerinnen im Team von Luitpoldpark können ihr Potenzial nur andeuten

Wie dem TC Luitpoldpark würden auch Großhesselohe so viele Siege genügen, damit sie auch in der nächsten Saison in der zweiten Bundesliga antreten dürfen. Der Klassenverbleib dürfte für die Schwabingerinnen aber deutlich schwieriger werden. Gegen den TCG erreichte allenfalls Grabher so etwas wie Normalform, vor allem die beiden mit 18 Jahren jüngsten Spielerinnen im Team, Eva-Marie Voracek und Nicole Gadient, deuteten nur in ein paar wenigen Ballwechseln ihr Potenzial an. "Nicole spielte leider im Match nie so gut wie im Training", hat Jonasz erkannt, weshalb sie gegen Pfennig chancenlos war. Auch Luitpoldpark hatte sich um die Hochbegabte bemüht, die seit einiger Zeit an der Tennisbase des Bayerischen Tennis-Verbandes (BTV) in Oberhaching trainiert. Sie war erst vor diesem Sommer vom Münchner SC zum TC Großhesselohe gewechselt, wo ihr Bruder trainiert. Inzwischen ist die ganze Familie Pfennig Mitglied im Klub, der neben den Frauen zwei weitere Topteams hat: Die Männer spielen zweite Liga, die Herren 30 erste Bundesliga.

Um die spielerische Lücke zwischen der zweiten Frauen-Mannschaft und dem Zweitligateam möglichst zu schließen, sind die Verantwortlichen bestrebt, dass die Reservemannschaft aus der Landesliga in die Bayernliga aufsteigt. "Wir haben das Spitzenspiel gegen Deggendorf gewonnen", berichtete Eßmann gut gelaunt. Auch hier hatte Luitpoldpark an diesem Tag das Nachsehen, wobei das zweite Team der Münchnerinnen in der Regionalliga spielt, also nur eine Klasse unter der ersten Vertretung. Sie verloren gegen Nürnberg mit 2:7. Das einzig Positive an diesem Tag sei, bekannte Hildegard Jonasz noch, "dass wir in die nächsten Saison sicher mit einer Mannschaft in der Regionalliga vertreten sein werden". Ihren Humor haben sie beim TC Luitpoldpark auch nach zwei Niederlagen nicht verloren.

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SZ vom 23.05.2017
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