Tennis Kleine Bühne München

So sieht einer aus, der gerade die Nummer eins der Welt geschlagen hat: Philipp Kohlschreiber kürzlich in Indian Wells – bald in München.

(Foto: Sean M. Haffey/AFP)

Alexander Zverev, Nummer drei der Weltrangliste, führt das Teilnehmerfeld der BMW Open an.

Von Max Ferstl

Philipp Kohlschreiber sah zweifellos hervorragend aus, im Gesicht eine samtene Bräune, wie sie hierzulande selbst in einem sonnigen März nur wenige zustande bringen. Die kalifornische Wüste in Indian Wells, wo vergangene Woche ein wichtiges Tennisturnier stattfand, hatte ihm offenkundig gut getan. Er fühle sich sehr gut, sagte Kohlschreiber, "ich hoffe, das sieht man auch". Dann knipste er ein Lächeln an, wie es nur Tennisspieler tun, deren Spiel gerade funktioniert.

In Indian Wells hatte Kohlschreiber das Achtelfinale erreicht und auf dem Weg unter anderem Novak Djokovic bezwungen, die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste. Das war ihm in 18 Jahren als Tennisprofi zuvor noch nie gelungen. Während Djokovic und die anderen in dieser Woche über die Betonplätze von Miami hetzen, hat sich Kohlschreiber frei genommen. Man muss sich ja nicht mehr alles antun, mit 35, erst recht kein Turnier, das einem nicht liegt.

Die Spieler schätzen die familiäre Atmosphäre am Aumeisterweg

Lieber bereitet er sich auf die Sandplatzsaison vor. Sand ist sein bester Belag, und die Turniere kommen seiner Spielweise entgegen. Vor allem die BMW Open, die Ende April in München beginnen. Das Turnier sei "Heimat", sagte Kohlschreiber am Donnerstag in der Münchner Bar Hearthouse, wo das Teilnehmerfeld für dieses Jahr vorgestellt wurde.

Hier habe er zu Beginn der Karriere die erste Wildcard fürs Hauptfeld bekommen. Hier habe er seine ersten Erfahrungen gesammelt, auf der Anlage des MTTC Iphitos München, für den er in der Bundesliga gespielt hatte. 2007 gewann er hier auch seinen ersten Titel auf der Tour, drei Mal war Kohlschreiber insgesamt erfolgreich in der Landeshauptstadt. Klar sei es schön, bei einem Grand Slam weit zu kommen, sagte Kohlschreiber. Nicht so schön sei allerdings, dass man sich ob des enormen Trubels "als Spieler selbst verliert". In München gehe es ruhiger zu, familiärer.

Die BMW Open sind eine der kleineren Bühnen im Wanderzirkus Tennis. Das Turnier gehört zur 250er Kategorie, der niedrigsten Kategorie der ATP-Tour. Die allerbesten Spieler lassen solche Turniere in der Regel aus, konzentrieren sich auf die Masters und Grand Slams, wo es mehr Punkte und Preisgeld zu gewinnen gibt.

So gesehen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass in München Alexander Zverev, die Nummer drei der Welt, der Sieger der vergangenen beiden Jahre, erneut zugesagt hat. "Das zeigt, was ihm das Turnier bedeutet", findet Turnierdirektor Patrik Kühnen. Zverev habe im Vorjahr nur ein einziges der kleinen Turniere gespielt - eben jenes in München.

Der 21-Jährige führt auch in diesem Jahr die Meldeliste an, und ist für Kohlschreiber "der absolute Topfavorit". Dahinter drängeln sich Sandplatzexperten wie der Italiener Marco Cecchinato, im Vorjahr Halbfinalist bei den French Open, junge Talente wie der Brite Kyle Edmund, der Franzose Ugo Humbert, sowie zwei Deutsche: Kohlschreiber, im Vorjahr Finalist, und Jan-Lennard Struff. Das Teilnehmerfeld verspreche "deutsche und internationale Weltklasse", sagte Kühnen. Wobei die prägende Rolle für Zverev vorgesehen ist.

München und Zverev. Das war bisher eine durchaus produktive Verbindung. Zverev kommt ja - gemessen an seinem Talent - immer etwas schleppend in die Saison. Doch nach seinen Siegen am Aumeisterweg folgten jeweils große Titel. 2017 gewann Zverev wenig später sein erstes Mastersturnier in Rom, 2018 holte er in der folgenden Woche den Titel in Madrid. Die Bedingungen in München sind auch etwas speziell, dafür muss es nicht einmal schneien wie vor drei Jahren. Die Stadt liegt höher als viele andere Turnierorte im Kalender. "Der Ball fliegt schneller, springt höher", sagt Kohlschreiber. Ihm kommt das entgegen, weil er die Bälle mit viel Topspin spielt. Er will jetzt erst mal zwei Wochen trainieren, dann zum ersten Sandturnier nach Marrakesch in Marokko reisen - "frisch und erholt".