Tennis Ismaninger Teppichkuss

„Er ist einzigartig“: Yannick Hanfmann muss gegen Rafael Nadal in die French Open starten.

(Foto: Susanne Hübner/imago)

Titelverteidiger Yannick Hanfmann bangt wegen einer Ellbogenverletzung um seine Teilnahme am ATP-Challengerturnier.

Von Sebastian Winter

Eine Pressekonferenz auf dem Center Court gibt es nicht alle Tage, die Veranstalter der Wolffkran Open hatten dazu eingeladen, jenes ATP-Challengerturniers, das vom 13. Oktober an eine Woche lang auf der Anlage des TC Ismaning ausgetragen wird. Zwei Dutzend Stühle hatten sie am Montag an der Grundlinie aufgebaut, dort also, wo Yannick Hanfmann 2017 bei der Premiere des Turniers seinen Matchball verwandelt hatte in einem dramatischen Dreisatzfinale gegen den Italiener Lorenzo Sonego. Dazu gab es nun Brezn und Kaffee, das Team um Turnierdirektor Peter Aurnhammer hatte großes Vertrauen in seine Gäste gesetzt, nicht zu kleckern und zu bröseln. Immerhin wird in Ismanings Tennishalle ja noch auf Teppich gespielt, einem nicht ganz pflegeleichten Belag.

Gleich zu Beginn gab es allerdings die erste schlechte Nachricht, die auch der Teppich und die nebenan ploppenden Bälle des Alte-Herren-Spiels nicht dämpfen konnten. Titelverteidiger Hanfmann, aktuell Weltranglisten-131., fällt womöglich aus. "Ich versuche alles, aber es wird schwierig", sagte der 26-jährige gebürtige Karlsruher, der selbst in Ismaning war - und als erstes in Erinnerung an seinen Vorjahreserfolg den Teppichboden küsste. Hanfmann quält seit dem ATP-Turnier in Kitzbühel eine entzündete Sehne im Ellbogen, die US Open spielte er danach noch mit Schmerzen, scheiterte aber in der ersten Runde an Philipp Kohlschreiber. "Ich werde in Ismaning nur spielen, wenn ich schmerzfrei bin", sagte Hanfmann nun, alles andere sei auch im Hinblick auf die Australian Open im Januar unvernünftig. Und seine Wahrscheinlichkeitsrechnung in Sachen Turnierteilnahme klang auch nicht sonderlich optimistisch: "Ich würde sagen, es ist weniger als 50:50."

In Hanfmann, dem im Juli erstmals der Sprung in die Top 100 der Welt gelang, würde dem Turnier natürlich eine große Zugnummer fehlen. Andererseits verkündete Turnierdirektor Aurnhammer stolz, in Sonego erstmals einen Spieler aus dem illustren Hunderter-Zirkel gewonnen zu haben. Der Italiener hat nach der Niederlage gegen Hanfmann im Ismaninger Vorjahresfinale einen weiten Sprung nach vorne auf Platz 89 gemacht. Dustin Brown aus Celle, vor zwei Jahren noch 64. der Weltrangliste, zählt ebenfalls zu den Favoriten; als weitere Deutsche mit guten Aussichten gelten Kevin Krawietz, der auch für Großhesselohes Bundesliga-Männer spielt, und Daniel Masur. Ein bis zwei Wildcards hält Aurnhammer zudem bis kurz vor Turnierbeginn für Spieler wie Matthias Bachinger zurück. Dem 31-Jährigen ist vor einer guten Woche in Metz mit dem erstmaligen Einzug in ein ATP-Finale der größte Erfolg seiner Karriere geglückt. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass der Münchner eher bei einem der wesentlich höherwertigen Turniere in Antwerpen, Stockholm oder Moskau startet, die parallel zum Challenger in Ismaning stattfinden.

Das ist ein Punkt, den Aurnhammer gerade mit der ATP diskutiert: Die zeitliche Verlegung des Challengers, damit es künftig nicht mehr so viel Konkurrenz hat. Ansonsten hat er mit seinem Team "erschreckende sieben Seiten mit Verbesserungspotenzial" aus der Premiere heraus aufgeschrieben - und umgesetzt, samt optimierter Homepage, besserem Social-Media-Auftritt, Kinderprogramm und einer Players' Party. Zwei Dinge bleiben aber gleich: Das Preisgeld beträgt weiterhin insgesamt 43 000 Euro - und Comedian Django Asül stattet Ismaning erneut einen Besuch ab.