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Tennis:In eigener Sache

Trainer Lars Uebel spielt ausnahmsweise selbst für die Herren 30 von Iphitos. Und sichert seinem Team das Ticket für die DM-Endrunde.

Von Matthias Schmid

Lars Uebel schaute sich am Samstagmittag selbst in die Augen - und staunte. "Da hängt ja ein Bild von mir am Platz." Mit dem Finger zeigte er hinüber zur kleinen Tafel, die am Zaun befestigt war mit seinem Konterfei und dem Klublogo des MTTC Iphitos daneben. Der Name des Gegners durfte natürlich ebenso wenig fehlen, nur ein Bild von Rok Jarc fehlte. Der Slowene in Diensten des Herren-30-Bundesligisten ST Lohfelden hätte aber eines verdient gehabt, er spielte herausragendes Tennis, schnell, platziert und erfolgreich. "Er hat vor allem auch extrem gut aufgeschlagen", gab Uebel nach dem 3:6, 4:6 anerkennend zu. "Ich hatte ja im gesamten Match nicht eine Breakchance."

Uebel grämte sich aber nicht lange, Niederlagen und Siege nimmt der frühere Profi inzwischen so gleichmütig hin wie einen überraschenden Regenschauer. Zumindest seine eigenen. Er war einfach mal froh, "mehr als eine Stunde für sich selber gespielt zu haben", wie er lächelnd anmerkte. Es war in diesem Jahr das erste Mal. Der 38-Jährige steht ansonsten auch stundenlang auf dem Platz - aber als Tennislehrer von aufstrebenden Nachwuchsleuten und Profis wie Philipp Kohlschreiber. Uebel arbeitet als Cheftrainer an der TennisBase in Oberhaching daran, dass irgendwann auch mal ein männlicher Spieler wieder in Wimbledon triumphieren kann.

Zuletzt hatte er drei Wochen beim Rasenturnier in London verbracht, bevor er nun mal wieder Zeit gefunden hat, etwas für sich zu tun. "Mir macht das sehr viel Spaß, hier mit den Jungs zu spielen", sagt er über seine Mannschaft, die am Samstag mit dem 5:4-Sieg über Lohfelden den ersten Platz und damit die Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gesichert hat. Anfang September werden nun vier Teams, darunter auch der TC Dachau, auf der Münchner Anlage am Aumeisterweg den neuen deutschen Herren-30-Meister küren. "Das ist dann eine Motivation, noch mal selber mehr zu tun und zu trainieren", hebt Uebel hervor. Er gewinnt natürlich noch immer lieber, als zu verlieren. Im Training mit Kohlschreiber spielt er höchstens mal von hinten ohne Aufschlag ein kleines Spielchen bis elf Punkte. "Und da schaue ich eher darauf, was er macht", fügt er hinzu. Uebel will sich deshalb vor der Finalrunde verstärkt Partner suchen, um sein eigenes Spiel zu stabilisieren. An der TennisBase gibt es ja genügend adäquate Spieler. Er denkt dabei an den früheren Weltranglisten-59. Björn Phau oder an den Daviscup-Kapitän Michael Kohlmann.

Uebel selbst bewegte sich auch einige Jahre auf der Tour und schlug bei den Männern für Solingen, Mannheim und Berlin in der Bundesliga auf. In der Weltrangliste blieb ihm ein Platz in den Top 100 zwar verwehrt, aber ihm gelang es, sich immerhin unter die besten 250 zu spielen. Er ist ein Grundlinienspieler, der früher vor allem von seiner exzellenten Beinarbeit lebte. Heute tragen ihn die Füße nicht mehr überall dorthin, wo er es gerne hätte, aber er kann noch immer seine Gegner mit präzisen Winkelbällen oder seinen gefühlvollen Stopps in die Resignation treiben. "Mein Rücken wird von Ballwechsel zu Ballwechsel besser", rief er während des ersten Satzes gegen Jarc aus. Der körperliche Verschleiß nimmt sich bei den über Dreißigjährigen vermehrt sein Recht.

Uebel versuchte alles gegen einen Gegner, der jeden Ball so beschleunigte, als wäre es der letzte seiner Karriere. Er spielte mal einen langsamen Slice mit der Rückhand oder einen überraschenden Stopp. "Die Schläge sind bei mir nicht das Problem, eher ihre Länge", sagte er danach. Doch den Slowenen beeindruckte alles nur recht wenig, er machte kaum einen Fehler. Und wenn ihm mal einer unterlief, regte er sich so fürchterlich auf, als hätte er das gesamte Match verloren. Uebel merkte das einmal lautstark an. Aber auch ein bisschen Trashtalk half nichts. Als Lars Uebel den Platz verließ, war er ein wenig platt, aber glücklich. Und verlangte als Erstes nach einem Pulver, das die Regeneration beschleunigte.

© SZ vom 16.07.2018

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