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Tennis:Heiß!

Sein Einzel erledigt Kevin Kravietz in zwei Sätzen, sein Doppel geht im Matchtiebreak verloren.

(Foto: Claus Schunk)

In starker Aufstellung erobert der TC Großhesselohe gegen Gladbach das dritte Remis in der Bundesliga. Auch der Georgier Nikoloz Basilashvili zeigt vollen Einsatz - trotz Fieber. Allerdings enttäuschen nach einer 3:1-Führung die beiden Doppel.

Das Ensemble, das sich am Sonntag auf der Anlage des TC Großhesselohe versammelt hatte, hatte mit durchschnittlichem Bundesliga-Tennis nicht allzu viel zu tun. Während auf Platz eins gerade Daniel Brands den Spieltag eröffnete, einst Top-50-Spieler und Federer-Besieger, machte sich in Kevin Krawietz ein Grand-Slam-Sieger auf den Weg zum Aufwärmen. Vor der Umkleidekabine unterhielt sich zudem die aktuelle Nummer 16 der Weltrangliste, der Georgier Nikoloz Basilashvili, mit Christopher Kas, heute Teammanager in Großhesselohe, einst einer der besten Doppelspieler der Welt und fünfmaliger Sieger auf der ATP-Tour.

Auch wenn es am Ende trotz dieser hochkarätigen Besetzung nur zu einem Unentschieden gegen Gladbach reichen sollte, der Stolz auf ihre Mannschaft war dem Großhesseloher Publikum durchaus anzumerken, gerade angesichts der Tatsache, dass die derzeit beste Münchner Tennisvertretung "nur" als Aufsteiger in der Bundesliga spielt. Gerade der Auftritt von Basilashvili erregte Aufsehen: Dass der Georgier am Wochenende vor dem ATP-Turnier in Hamburg in Großhesselohe spielt, machte nicht nur Kas "happy": "Das muss er nicht machen, das wissen wir alle", sagte der Teamkapitän. "Aber wir hatten vor längerer Zeit mal drüber gesprochen und er wollte auch unbedingt spielen."

Kas war sichtlich stolz, auch weil seine Mannschaft in den vier Einzeln hervorragende Leistungen ablieferte. Der Gladbacher HTC hatte den Münchnern seine Nummern acht, neun, zehn und zwölf entgegengestellt und sicherte sich den ersten Punkt des Tages. Der Spanier Daniel Gimeno-Traver bezwang den Österreicher Lucas Miedler, Großhesselohes Nummer drei, in drei Sätzen. Nach einem 3:6 im ersten Satz war Miedler zwar stark zurückgekommen, leistete sich im Matchtiebreak des dritten Satzes jedoch zu viele Fehler (5:10).

Die stärkste Phase der Münchner leitete Brands ein. Er feierte bei seinem ersten Auftritt, nachdem er das Ende seiner Turnierkarriere angekündigt hatte, einen umkämpften Einzelsieg gegen den Kasachen Aleksandr Nedovyesov, mit dem er sich zwei Stunden und 13 Minuten lang duellierte. Bis zum Stand von 8:8 im dritten Durchgang ließen beide Winner-Schlag auf Winner-Schlag folgen, dann erarbeitete sich Brands einen Matchball bei eigenem Aufschlag, den er umgehend nutzte. "Ich war schon recht angespannt vor dem Match. Zuletzt war ich nicht so gut in Form, aber im Match habe ich versucht, aggressiv zu spielen", sagte Brands, dann nahm er noch mal Bezug auf die besonderen Umstände: "Ich will mich jetzt voll auf die Bundesliga konzentrieren, daher sind mir solche Matches sehr wichtig. Zu Hause vor der ganzen Familie ist das schon besonders gewesen."

Im Doppel mussten sich die Münchner zweimal im Matchtiebreak geschlagen geben

Brands' Ausgleich zum 1:1 war die Steilvorlage für den großen Favoriten, der seiner Rolle im ersten Satz gerecht wurde: Basilashvili dominierte den Slowaken Andrej Martin (Nummer 119 der Weltrangliste) nach Belieben, nach etwas mehr als einer halben Stunde stand es 6:1. Was keiner der Zuschauer wusste: Der Georgier spielte mit Fieber und versuchte daher, die Ballwechsel kurz zu gestalten - im zweiten Satz antwortete Martin darauf mit einer geduldigeren Taktik, weshalb dann auch in dieser dritten Partie der Matchtiebreak entscheiden musste. Basilashvili lag bereits 4:6 zurück, kam dann jedoch noch einmal heran und servierte schließlich zum 10:8 aus. "Ich bin einfach froh, dass ich es geschafft habe, zu gewinnen", sagte der 27-Jährige, der sich nicht nur wegen seines Hamburg-Sieges im vergangenen Jahr in Deutschland wohlfühlt: "Ich genieße es, hier zu trainieren und in der Bundesliga zu spielen." Teammanager Kas war voll des Lobes für seinen Topspieler: "Es ist toll zu sehen, wie er das unbedingt gewinnen wollte, obwohl er krank war."

Als eine gute Stunde später auch French-Open-Sieger Kevin Krawietz seine Einzelaufgabe gegen den ehemaligen kroatischen Top-20-Spieler Franko Skugor mit 6:3 und 7:6 (3) erfüllt hatte, schien der erste Saisonsieg der Münchner greifbar - dann jedoch folgte die Enttäuschung im Doppel, wo sich der TCG nach dem Matchglück in den Einzeln zweimal im Matchtiebreak geschlagen geben musste, obwohl sich sogar der fiebrige Basilashvili bereit erklärt hatte, noch einmal anzutreten. Mit dem dritten Unentschieden der Saison bleibt Großhesselohe somit im Mittelfeld der Tabelle. Trotz der hochkarätigen Aufstellung vom Sonntag: für einen Aufsteiger aller Ehren wert.