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Tennis:Ein bisschen Applaus

July 24, 2020, Grosshesselohe, Germany: in the picture Yannik HANFMANN, the winner of the tournament.Mens Tennis, final

Yannick Hanfmann profitierte von der verletzungsbedingten Aufgabe von Oscar Otte, der Profi der Tennisbase Oberhaching ist dennoch ein würdiger Sieger.

(Foto: Wolfgang Fehrmann/imago)

Profi Yannick Hanfmann gewinnt das hochklassige Finalturnier der DTB Pro Series beim TC Großhesselohe - erstmals wieder vor Zuschauern.

Die düsteren Wolken zogen erst auf, als alles vorbei war. Die Verantwortlichen des TC Großhesselohe hatten also auch aus meteorologischer Sicht ein gutes Händchen bewiesen, als Ausrichter des mit 20 000 Euro dotierten Finalturniers der "DTB German Pro Series". Es war der Abschluss einer siebenwöchigen Sommerserie, mit der der Deutsche Tennis-Bund seinen Profis Wettkampfpraxis in Corona-Zeiten ermöglichen wollte.

Großhesselohe war insgesamt drei Wochen einer der Ausrichter gewesen, vor dem Finalturnier hatte auch eine Vorrunde und eine Zwischenrunde am Isarhochufer stattgefunden, die Maximilian Marterer und Yannick Hanfmann gewannen. Hanfmann entschied schließlich auch das Finalturnier am Freitag für sich und sicherte sich 8000 Euro Preisgeld - allerdings auch deshalb, weil sein Gegner Oscar Otte zu Beginn des zweiten Satzes wegen einer Fersenverletzung aufgeben musste.

Trotz des etwas unbefriedigenden Endes hatte sich Großhesselohe als würdiger Ausrichter bewiesen, die maximal mögliche Zahl von 200 Zuschauern - das Turnier war als Privatveranstaltung bei den Behörden angemeldet - wurde zwar nicht erreicht, immerhin brachten die anwesenden etwa 60 Zuschauer aber etwas Atmosphäre auf den Platz. Und das war auch ein Wunsch des erstmals auf der Anlage erschienenen DTB-Präsidenten Ulrich Klaus gewesen: "Dass die Spieler mal wieder vor Fans spielen und ein bisschen Applaus auf dieser schönen Anlage bekommen."

Neben Ulrich Klaus waren DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard und Bundestrainer Michael Kohlmann am Freitag vor Ort. Viel Prominenz also, die fast ins Schwärmen geriet bezüglich der Anlage und der guten Organisation. Und das war ja auch eines der drei Ziele des TC Großhesselohe, dessen Männer immerhin in der ersten Bundesliga spielen - und dort in der abgesagten diesjährigen Saison unter die Top drei wollten: sich noch stärker auf der deutschen Tennislandkarte zu zeigen: "Wir wollen den Klub mit der Tennisbase als Speerspitze für den Leistungssport in Süddeutschland etablieren", sagte Bernard Eßmann, Manager der Bundesliga-Männer.

Ein DTB-Turnier mit entsprechender Strahlkraft auszurichten, schadet sicherlich nicht bei diesem Unterfangen. Das sei zwar kein Ersatz für die Bundesligarunde, "aber eine tolle Eigenwerbung", fügte TCG-Präsident Roland Benedikt an. "Wir haben Flagge gezeigt und den Klub nach außen gut präsentiert", nebenbei seien auch die Sponsoren befriedet worden. Nichtsdestotrotz falle man nun "in ein tiefes Loch", denn "im Prinzip läuft die Saison jetzt aus", erklärte Benedikt. Auch vom angedachten Länderkampf zwischen Deutschland und Österreich - in der benachbarten Alpenrepublik fand ein ähnlicher Wettbewerb statt -, der im Anschluss an die Series folgen sollte, sei derzeit nichts mehr zu hören.

Der zweite Grund, warum Großhesselohe sich um die Ausrichtung bemüht hatte, sei gewesen, den eigenen Spielern Spielpraxis zu geben - auch wenn nicht alle Akteure aus dem hochkarätig besetzten Bundesligakader um Philipp Kohlschreiber, Rudi Molleker, Peter Gojowczyk und Matthias Bachinger an der Serie teilgenommen haben. Der dritte Grund war Eßmann zufolge die Initiative #AdvantageWe des TCG-Mitglieds Patrick Roy, die von Profis wie dem DTB getragen wird. Sie unterstützt Trainer sowie soziale Institutionen finanziell, die durch Corona in Not geraten sind.

Bezüglich des Bundesligakaders für die Saison 2021 - so sie stattfindet - kann Eßmann noch nichts Konkretes sagen, aber immerhin so viel: "Wir würden gerne mit unserem Stamm weiterspielen." Dass Hauptsponsor Delta Equiti an Bord bleibt, erleichtere die Planungen. Bei Etats, die sich bei den zehn Erstligisten zwischen 150 000 und 250 000 Euro nur für Spielerhonorare bewegen, und Tagessätzen für Profis zwischen 3000 und 12 000 Euro sei das für Eßmann schon einmal beruhigend. Spielerverträge werden aber wohl erst im Herbst unterzeichnet.

Die Planungssicherheit erschwert zudem, dass im kommenden Jahr die verschobenen Olympischen Spiele stattfinden, womöglich mit Spielern des TCG - die Wettkämpfe in Tokio fallen genau in die Bundesligasaison. Jetzt aber freut sich Eßmann erst einmal über die Pause - und ein weiteres Lob: "Der Verein hat sich über die drei Wochen hier extrem gut präsentiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass er in den nächsten Jahren auch in der Bundesliga um Titel mitspielen will", sagte Bundestrainer Kohlmann - dann entschwand auch er in den Kurzurlaub.

© SZ vom 27.07.2020

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