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Tennis-Bundesliga:Verblasster Traum

Der TC Luitpoldpark München befürchtet die Absage der Saison. Der Aufsteiger weiß aber auch, dass es ihm noch vergleichsweise gut geht.

Von Sebastian Winter, München

Für die Frauen des TC Grün-Weiss Luitpoldpark erfüllte sich vergangenen Juni ein Traum. Damals stiegen sie zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die erste Bundesliga auf. Vor der Saison hatte ihr Trainer Marc Herter noch den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben, ein paar Wochen später waren sie plötzlich Meister. Im Einzel hatte Grün-Weiss schon mal eine deutsche Meisterin. Margot Dittmeyer gewann in den fünfziger und sechziger Jahren insgesamt drei Mal den Titel. Im Mannschaftswettbewerb folgte Luitpoldpark seiner Vorzeigedame dann viele Jahrzehnte später, im Sommer 2019.

Die Vorfreude war riesig auf die Erstliga-Premiere des Aufsteigers am 3. Mai im Luitpoldpark gegen Waldau Stuttgart, den deutschen Meister von 2005. Der Etat der Münchnerinnen ist laut Schatzmeister Peter Hohenemser um gut 50 Prozent auf einen ordentlichen fünfstelligen Betrag gestiegen, die WWK ist neuer Hauptsponsor des Klubs. Und auch der Kader um die Weltranglisten-137. Barbara Haas aus Österreich konnte noch einmal verstärkt werden. Luitpoldpark hat in der Ukrainerin Kateryna Kozlova eine Top-100-Spielerin verpflichtet, die Nummer 98 der Welt soll den Aufsteiger auf Position eins anführen, vor Haas. Alles ist also angerichtet für die Saison im Siebener-Feld, Duelle gegen Aachen, Dresden oder Essen standen bald bevor. Doch die Erstliga-Premiere Luitpoldparks steht nun in den Sternen, weil das Coronavirus auch den Terminkalender im Tennis gerade leer fegt.

Die WTA-Tour hat bis zum 2. Mai alle Turniere abgesagt, nach einer Entscheidung des Deutschen Tennis Bundes (DTB) ruhen alle Leistungsklassenspiele auf nationaler Ebene bis 29. April. Zwar geht der DTB aktuell noch davon aus, dass die Erstligaspiele wie auch die Partien der zweiten Ligen (mit den Frauen von Iphitos München, die am 1. Mai in die Saison starten sollten) wie geplant stattfinden. Der frühe Termin bei den Frauen wird allerdings wegen der stetigen Verschärfung der Lage kaum zu halten sein. "Wahrscheinlich ist das nicht", dass die Saison pünktlich beginne, sagt auch ein DTB-Sprecher. Demnach gibt es mehrere Szenarien für den Bundesliga-Spielbetrieb: Möglich ist in Absprache mit den Vereinen eine Verschiebung in den September. Auch eine stark verkürzte Saison über Pfingsten ist denkbar. Oder, als Ultima Ratio, die Komplettabsage.

So unglücklich alles für Luitpoldpark ist: Im Gegensatz zu anderen Sportarten, wo sich Dramen abspielen, weil beispielsweise der enteilte Tabellenführer wegen der nun abgesagten Saison nicht Meister werden kann, ist der TC noch in einer verhältnismäßig komfortablen Situation. Finanziell, weil er noch keine Ausgaben für die Spielzeit hatte. Und sportlich, weil Grün-Weiss im Falle einer Stornierung der Erstliga-Saison 2021 einen neuen Anlauf nehmen würde. Sebastian Winter

© SZ vom 18.03.2020
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