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Tennis:19 Asse und ein Schlägerwurf

Den Erfolg erzwungen: Marc-Andrea Hüsler nahm einen steinigen Weg durch das Challenger-Turnier in Ismaning. Am Ende wurde er belohnt.

(Foto: Claus Schunk)

Der Schweizer Marc-Andrea Hüsler gewinnt das spannende Außenseiter-Finale beim Turnier in Ismaning.

Von Sebastian Winter, Ismaning

Natürlich musste ein Aufschlag-Winner das Spiel entscheiden, was auch sonst auf dem schnellen Teppichbelag in Ismaning. Marc-Andrea Hüsler, petrolfarbenes T-Shirt, umgedrehtes Basecap, jubelte danach und warf seinen Schläger auf den Boden. Soeben hatte der 187. der Weltrangliste das Finale der Wolffkran Open gegen Botic van de Zandschulp mit 6:7 (3), 7:6 (2) und 7:5 gewonnen. Es war eine Willensleistung des 24-Jährigen, die zum gesamten Turnierverlauf passte. Denn der Schweizer, der als ungesetzter Außenseiter in die Tenniswoche gegangen war - wie übrigens auch Van de Zandschulp -, hatte schon in der ersten Runde größte Mühe gehabt. Die Partie gegen den Deutschen Dustin Brown war das knappste Spiel des gesamten Turniers, sieht man einmal vom Finale ab, 7:6, 4:6, 7:6 endete es zugunsten Hüslers. Das war wohl ein kleines Zeichen für ihn, niemals aufzugeben, und so überwand er auf dem Weg ins Endspiel Hürde um Hürde, unter anderem auch Sebastian Korda, den Sohn des früheren Weltklassespielers Petr Korda.

19 Asse schlug Hüsler im Finale, fast doppelt so viele wie sein niederländischer Gegner. Aber erst sein Break zum 6:5 im dritten Satz brachte die Entscheidung beim mit 44 820 Euro dotierten Turnier der ATP Challenger-Tour. Van de Zandschulp, 174. der Weltrangliste, hatte in den ersten beiden Spielen weniger Mühe gehabt, gewann sie 6:0, 6:1 und 6:2, 6:2. Im Viertelfinale stand er gegen Tobias Kamke kurz vor dem Aus, gewann den dritten Satz aber in der Verlängerung des Tiebreaks.

Exakt 88 Zuschauer hatten sich am Sonntag dann zum Finale in der Halle versammelt, Sponsoren, Klubmitglieder, Familienangehörige. "Wir hatten weitaus mehr Anfragen", sagte Turnierveranstalter Peter Aurnhammer, aber es musste genügend Platz sein auf der Tribüne, weswegen sich die Organisatoren selbst diese strenge Limitierung auferlegt hatten (behördlich erlaubt waren 200 Zuschauer). Immerhin mehr als 1000 Fans verfolgten in der Spitze das sehenswerte, fast zweieinhalb Stunden lange Finale am Livestream.

Am Freitag waren neben Korda auch Maximilian Marterer, Daniel Masur und Tobias Kamke im Viertelfinale ausgeschieden. Es war ein schwarzer Tag aus deutscher Sicht, der zur Folge hatte, dass das Finalwochenende ohne deutsche Beteiligung stattfand. Der Setzlisten-Zweite und Mitfavorit Yannick Hanfmann hatte bereits am Donnerstag sein Achtelfinale - gegen Kamke - verloren. 2017 hatte Hanfmann, der sich in den letzten Monaten in sehr guter Form gezeigt hatte, die erste Auflage des Challengers gleich gewonnen.

Dafür gab es in diesem Jahr im Doppel einen deutschen Erfolg. Der Lemgoer André Begemann bezwang mit seinem niederländischen Partner David Pel das britisch/US-amerikanische Duo Lloyd Glasspool und Alex Lawson am Samstag mit 5:7, 7:6 (2), 10:4. "Man muss einfach versuchen, den Prozentsatz bei den Aufschlägen hochzuhalten", sagte Begemann nach dem Erfolg. Ein Satz, den der Einzelsieger Marc-Andrea Hüsler bedingungslos unterschreiben würde.

© SZ vom 26.10.2020

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