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TC Großhesselohe:"Wir haben doch hier genügend Geld sitzen"

Holperige Heimkehr: Der Münchner Matthias Bachinger verlor beim 4:5 gegen Ludwigshafen sein Einzel. Am Sonntag beim 6:3 in Hainsacker punktete er.

(Foto: Claus Schunk)

Der Favorit leistet sich eine erstaunliche Niederlage, strebt aber weiter in die Bundesliga.

Matthias Bachinger verstaute seinen Schläger mit einem recht freudlosen Blick in der Tasche, die er auf dem kleinen Stück Rasen hinter dem Bänkchen liegen hatte. Das gemeinsame Doppel mit seinem Teamkollegen Kevin Krawietz hatte ein abruptes Ende genommen, weil einer der Gegner über Schulterbeschwerden geklagt hatte. Bachinger/Krawietz führten mit 4:2 im ersten Satz, vor allem Bachinger hätte die Heimpartie gegen den TC Ludwigshafen am Freitagabend gerne zu Ende gespielt, weil er sein Einzel zuvor etwas unglücklich in drei Sätzen gegen den Franzosen Constant Lestienne verloren hatte. Der 31-Jährige wollte den ersten Sieg nach seiner Rückkehr zum Tennis-Zweitligisten TC Großhesselohe nicht geschenkt haben.

Am Sonntag durfte Bachinger dann beim Auswärtsspiel in Hainsacker länger spielen, bis zum Matchball, den er gegen den Spanier Juan-Samuel Arauzo-Martinez nach zwei Sätzen verwandeln und so dazu beitragen konnte, dass der TCG die Begegnung mit 6:3 für sich entschied. Es war ein versöhnliches Ende eines komischen Wochenendes für den Tabellenführer, das am Freitag mit einer 4:5-Niederlage gegen den bisherigen Tabellenletzten Ludwigshafen begonnen hatte.

"Das ist natürlich kacke für mich gelaufen", gab Bachinger ehrlich zu. 2006 und 2011 hatte der Weltranglisten-160. zuvor schon für Großhesselohe gespielt, bevor er sich vor diesem Sommer ein drittes Mal dem Verein aus dem Münchner Süden angeschlossen und nun, nach einer Nordamerika-Tournee, verspätet zum Team gesellt hatte. "Ich will unbedingt mit dem Klub in der ersten Liga spielen", sagt der gebürtige Münchner. Die überraschende Niederlage gegen Ludwigshafen hat an den günstigen Voraussetzungen nichts geändert. Mit 12:2 Punkten führt Großhesselohe zwei Spieltage vor dem Ende die Tabelle vor dem TSV 1860 Rosenheim an. Unter Umständen könnte die Mannschaft bereits vor dem direkten Duell am letzten Spieltag gegen Rosenheim als Meister und Aufsteiger feststehen, ohne selbst gespielt zu haben. Denn am vorletzten Spieltag am Freitag ist Großhesselohe spielfrei. "Es wäre schön, wenn uns ein Endspiel erspart bleiben würde", sagt Bernard Eßmann. Ein ultimatives Duell um den Aufstieg gegen Rosenheim auf der heimischen Anlage malt dem TCG-Präsidenten aber auch keine großen Sorgenfalten auf die Stirn. "Wir werden mit einem starken Team antreten", sagt Eßmann.

"Ich will länger hier bleiben als nur eine Saison", sagt ATP-Tour-Profi Bachinger

Dennis Novak, der zuletzt in Wimbledon die dritte Runde erreichte, hat seine Teilnahme im Fall der Fälle schon angekündigt, obwohl er nicht mehr eingeplant war. Die Spieler sind hoch motiviert. Sie wollen sich den Aufstieg nicht mehr nehmen lassen wie noch im vergangenen Jahr, als sie im entscheidenden Spiel beim TV Reutlingen mit 4:5 das Nachsehen hatten.

So ein Klub wie der TC Großhesselohe gehöre in die erste Liga, findet auch Bachinger. Er kann nicht verstehen, dass er jahrelang auf Wanderschaft im gesamten Bundesgebiet gehen musste, um in der Beletage auflaufen zu dürfen, weil sich in der Region München kein Verein fand, der Ambitionen hatte, in die erste Liga aufzusteigen. "Wir haben doch hier genügend Geld sitzen", sagt Bachinger. Am Budget soll und wird es nicht scheitern, betont Eßmann. Aber er mag im Moment noch nicht konkreter über die erste Liga sprechen, die in einem veränderten Format spielt und einen Spieltag mehr aufweist. "Noch nicht", fügt er hinzu. Unter anderem besteht eine Mannschaft nur noch aus vier statt aus sechs Spielern. Nur so viel will er verraten: "Wir müssen uns dann erst einmal mit den Sponsoren zusammensetzen und über die Ziele sprechen." Ginge es nach Eßmann und Teammanager Christopher Kas, dann würden sie Großhesselohe gerne langfristig in der ersten Liga etablieren. Dieser Ansatz gefällt auch Bachinger, der zumindest sein unstetes Leben, was das Klubtennis anbelangt, beenden möchte: "Ich will länger hier bleiben als nur eine Saison."

Nach einer 5:1-Führung in Hainsacker spielte Großhesselohe nur noch ein Doppel. Auch Bachinger hatte diesmal nichts dagegen einzuwenden. Es war ihm sogar ganz recht, dass er nicht mit Kamil Majchrzak antreten musste, denn die Auslosung der an diesem Montag beginnenden Isar Open auf der heimischen Anlage wollte es so, dass die Teamkollegen in der ersten Runde des Challenger-Turniers gegeneinander antreten.