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Tanzsport:Vollendung in Ljubljana

Das Boogie-Woogie-Paar Theresa Sommerkamp und Elian Preuhs gewinnt zum Abschluss seiner Juniorenzeit den Gesamtweltcup. Nun hat es neue Ziele.

Es war nicht wirklich ernst gemeint, eher als aufmunternder Scherz. Elian Preuhs kam gerade von der Tanzfläche, erleichtert, dass es ihm und seiner Boogie-Woogie-Partnerin Theresa Sommerkamp im Finale des Weltcups von Ljubljana doch noch gelungen war, jenes Paar aus Italien zu bezwingen, das ihnen den Sieg so hartnäckig wegzuschnappen versucht hatte; das nach dem Halbfinale sogar vor ihnen gelegen war. Preuhs, 17, lief jedenfalls an Paul Siegl vorbei, seinem jüngeren Vereinskollegen, dem mit seiner Partnerin Nicola Götzner der finale Auftritt noch bevorstand, es war deren allererste Finalteilnahme bei einem Weltcup. Preuhs sagte: "Komm, jetzt mach den Abend für die Boogie Magic's perfekt."

Die Antwort war ebenfalls nicht ernst gemeint, Paul Siegl entgegnete lapidar: "Mach ich." Einige Minuten später stand fest: Auch Götzner/Siegl hatten die Italiener hinter sich gelassen, völlig überraschend, die Boogie Magic's bejubelten erstmals einen Doppelsieg in der Juniorenklasse. Bei den Oldies hatten ihre Hohenbrunner Klubkollegen Cornelia Versteegen und Stephan Eichhorn gewonnen, die international für die Schweiz antreten. Nach dem Turnier bekamen die Weltranglistenersten Sommerkamp und Preuhs auch noch den Pokal für den Gewinn des Gesamtweltcups überreicht. Der war ihnen schon vor Ljubljana nicht mehr zu nehmen gewesen. Dann wurde im Hotelzimmer Champagner geöffnet.

Es war nur ein Pflichtsieg für die beiden Teenager aus Oberpframmern bei Ebersberg, und doch war ihnen dieser letzte Erfolg überaus wichtig. Es war ihr letzter Auftritt in der Jugendklasse, nach neun gemeinsamen Jahren. Nur eines war den beiden zuletzt nicht geglückt: die Verteidigung ihres Weltmeistertitels von 2016. Den verloren sie vor einigen Monaten an die Schweden Thea Wallqvist und Eric Chadell, nachdem sie in Marseille ein wenig Pech bei der Liedauswahl gehabt hatten. Ansonsten haben sie so ziemlich alles erreicht, was man bei den Junioren erreichen kann: Vier deutsche Meistertitel zwischen 2014 und 2017, zwei EM- und ein WM-Titel, insgesamt neun internationale Turniersiege. Bislang habe es nur ein Paar gegeben, das ähnlich erfolgreich war, berichtet Elian Preuhs, der sich durchaus für solche Statistiken interessiert: Die Schweden Lena Magnusson und Pontus Spelmans haben 2012/13 ähnliche Erfolge gefeiert. Sie habensich seitdem auch bei den Erwachsenen behauptet, anders als die Jugendweltmeister Wallquist/Chadell, die mit dem Erfolg in Marseille ihre Karriere beendeten.

Der Wechsel in die Main-Class steht nun an. "Es ist schön, wieder Jäger zu sein statt Gejagte."

Und nun? "Ich bin emotional zweigeteilt", sagte Preuhs. "Es war schon ein großer Abschied." Daher hätten sie sich auch diesen Druck gemacht in Ljubljana. Er selbst habe im Halbfinale eine echte Blockade im Kopf gehabt, die erst weg war, nachdem ihm seine Partnerin vor dem Finale gestanden hatte, dass es ihr ähnlich gehe. Plötzlich hätten sie gemeinsam ihre Lockerheit wiedergefunden, während sich die Italiener, den Sieg vor Augen, Druck machten. Theresa Sommerkamp und Elian Preuhs haben nun neue Ziele, sie wollen auch in der Main-Class angreifen, also bei den Erwachsenen. Erst mal ein Halbfinale anpeilen, dann vielleicht irgendwann ein Finale. Das ist nun die andere Seite der Emotionen: "Wir werden wieder mit Spaß rangehen", glaubt Preuhs, "es ist schön, wieder Jäger zu sein statt der Gejagte." Er könne gut nachvollziehen, wie es den Fußballern des FC Bayern mit diesem Dauerdruck bisweilen gehe, vergleicht Preuhs. National hatten sie schon lange keine Konkurrenz mehr, was er sehr bedauert habe; und auch international galten sie am Ende immer und überall als Favoriten. Am 3. März findet im französischen Valbonne ihr erster Weltcup in der Main-Class statt.

Nicola Götzner und Paul Siegl haben noch zwei Jahre in der Jugendklasse vor sich. Dass sie an die Erfolge von Sommerkamp und Preuhs anknüpfen, ist vermutlich etwas viel erwartet. Andererseits, sagt Preuhs: "Wir waren 2016 ja auch No-Names hinter den großen Favoriten aus Italien." Was dann folgte, ist - seit Ljubljana - Geschichte.