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Talentiade 2019:Sammelbecken mit Sprungbrett

Gelehrige Schüler: Die B-Jugendlichen des SE Freising lauschen den Ausführungen ihres Trainers Marc Klingseisen.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Wir sind ein Ausbildungsverein": Der SE Freising bringt immer wieder talentierte Spieler in den höherklassigen Fußball.

Gleich nach dem verlorenen Finale um die bayerische Hallenmeisterschaft war die Enttäuschung bei den B-Junioren des SE Freising riesengroß. Denn es war eine unglückliche Niederlage gegen den Nachwuchs des damaligen Zweitligisten FC Ingolstadt. Die jungen Freisinger - Jahrgang 2002 - hatten nämlich ein deutliches Chancenplus, gingen in Führung, ehe ein Strafstoß zum Ausgleich führte. Im folgenden Sechsmeterschießen trafen zwei Freisinger Schützen nur den Pfosten, die 2:3-Niederlage war perfekt. "Gleich gut gewesen zu sein und verloren zu haben, das ist bitter", sagt Trainer Marc Klingseisen.

Erst langsam wurde den Burschen bewusst, was sie da geleistet hatten als krasser Außenseiter. Denn auf dem Weg ins Finale hatte sich der Bezirksoberligist ja bereits in der Gruppenphase gegen den FC Memmingen, die JFG Frankenwald, den FC Amberg und auch gegen Ingolstadt durchgesetzt. Im Halbfinale schalteten sie den FC Augsburg aus, einen weiteren Bundesligisten. Dass sie jetzt noch im Rahmen der SZ-Talentiade einen Sonderpreis des Bayerischen Fußball-Verbands bekommen, freut die jungen Fußballer besonders. "Eine Riesensache", sagt einer.

Auch Trainer Klingseisen freut sich mit seinem Team, in dem es keine Stars gibt, wie er sagt. "Wir sind eine Mannschaft, die im Kern schon seit der E-Jugend zusammenspielt." Teamgeist und Charakter stimmten, und darum seien in all den Jahren auch nur wenige Spieler zu höherklassigen Vereinen abgewandert.

Auf dem Rasen hat Freisings U17 die Saison vor knapp zwei Wochen auf Platz fünf in der Bezirksoberliga beendet. Von September an spielen die Futsal-Kicker nun in der A-Jugend, wieder in der Bezirksoberliga, weil ihre Vorgänger die Landesliga nicht halten konnten. Aber das ist im Vergleich zur Konkurrenz im Kreis immer noch sehr hoch. Woran es liegt, dass der SEF das hohe Spielniveau seiner Nachwuchsteams seit Jahren halten kann? "An unserer Vereinsphilosophie", sagt der langjährige Abteilungsleiter Georg Appel. Statt in teure Spieler investiere der Verein in seine Jugend. Deshalb bringe man auch Jahr für Jahr A-Jugendliche hervor, die in die Landesliga-Elf hineinwachsen, freut sich Jugendleiter Herry Rossak. Diesen Sprung schafften nur wenige, weshalb auch viele Talente zurück zu ihren Heimatklubs wechselten. "Es gibt im Landkreis kaum eine Mannschaft, bei der nicht Aktive sind, die wir ausgebildet haben", sagt Rossak.

Um höherklassig spielen zu können, kommen immer wieder Talente von kleinen Klubs zum SEF. Hier werden sie in Jahrgangsmannschaften auf die höheren Ligen vorbereitet. Wenn es gut läuft, ist der SEF nämlich auch in der Landes- oder der Bayernliga vertreten. "Jeder Jahrgang muss gut sein", sagt Appel. Rossak führt die Erfolge darauf zurück, dass Freising auch DFB-Stützpunkt sei, dass hier qualifizierte Trainer nach den Methoden des DFB arbeiteten und "wir ein Ausbildungskonzept" haben. Auch die Konstanz in der Jugendleitung sei hilfreich. In der abgelaufenen Saison sei es allerdings nicht so gut gelaufen, räumt Rossak ein, die A- und die C-Jugend seien abgestiegen, momentan fehle der Talente-Nachschub. Er führt das auf das G8 zurück, das den Jugendlichen kaum Zeit zum Training gelassen habe. "Und wer nicht dreimal pro Woche trainieren kann, der wird nicht besser", sagt Rossak.

Trotzdem ist der SEF so etwas wie ein Sammelbecken junger Talente aus dem ganzen Landkreis. Und für manche ist der SEF auch ein Sprungbrett. Jedes Jahr wechseln einige Spieler zu höherklassigen Teams oder gar ins Profilager. Der FC Bayern, der TSV 1860, Unterhaching und Ingolstadt wurden und werden immer wieder in Freising fündig. Stefan Lex war so einer, der über den FC Ingolstadt zu den Münchner Löwen kam, Maxi Haas ging von Freising zu Bayern II und dann ebenso wie sein Bruder Stefan nach Portugal, aktuell spielen Mike Eberwein für Holstein Kiel, Maxi Thalhammer für Jahn Regensburg, Thomas Blomeyer für den MSV Duisburg, Moritz Sassmann und Andi Manhart für den Regionalligisten TSV Buchbach. "Natürlich tut es weh, wenn man gute Spieler verliert", sagt Appel, "aber wir sind ein Ausbildungsverein". Und ein wenig stolz mache es einen natürlich auch, freut sich Rossak, "wenn einer von uns den Sprung zu den Profis schafft".

Zum zehnten Mal hat die Süddeutsche Zeitung in den vergangenen Wochen herausragende Talente gesucht und Sportvereine, die sich besonders um die Nachwuchsarbeit verdient gemacht haben.