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Talentiade 2019:Kleines starkes Müller

"Wunderbar entwickelt": Als deutscher Jugendmeister steht Lukas Müller bei 110 Kilo im Reißen und 140 Kilo im Stoßen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der 18-jährige Lukas Müller aus Eichenau ist deutscher Jugendmeister im Gewichtheben. Aktuell steht er bei 110 Kilo im Reißen und 140 Kilo im Stoßen. Und er feilt weiter an der perfekten Technik.

Von Karl-Wilhelm Götte, Eichenau

Wenn Lukas Müller hinten in der Eichenauer Friesenhalle an die Hantel tritt, ist er auch beim Üben sehr konzentriert. "Sonst macht das keinen Sinn", sagt sein Trainer Konstantin Konstantinov. Müller zieht hundert Kilo in einem Zug mit gestreckten Armen über den Kopf und steht locker aus der Hocke auf. Diese Übung, das Reißen, ist neben dem Stoßen eine von zwei Disziplinen im Gewichtheben. Etwas später ist Lastheben dran. "Wir sagen dazu Züge", ergänzt Müller, der für den Eichenauer SV antritt. Da legt er schon mal 185 Kilo auf die Hantel und zieht die Last schnell bis zur Hüfte hoch.

Die Last liegt 45 Kilo über seiner Bestleistung im Stoßen. Doch das ist beabsichtigt. "Damit kann ich meine Schnellkraft steigern", erläutert der 18-jährige, der einen der neun Talentiade-Förderpreise der SZ gewonnen hat. Zur Preisverleihung wird er allerdings seinen Trainer, seine Eltern und den Vereinsvorsitzenden schicken - Müller selbst reist zur gleichen Zeit mit dem Nationalkader nach Japan.

Schnellkraft und Explosivität sind im Gewichtheben entscheidend. Muskelkraft in den Armen, Beinen und ein stabiler Rumpf sind sehr wichtig in dieser Sportart, aber nur die halbe Wahrheit. Die Technik spielt eine ebenso wichtige Rolle. "Ich würde sagen 50:50", taxiert Müller das Verhältnis. "Es muss ein perfekter Ausgleich sein. Das eine geht ohne das andere nicht."

Kommt er mit dem Körperschwerpunkt nicht schnell genug unter das Gewicht, misslingt der Versuch. Genauso bringt er das Gewicht nicht zur Hochstrecke, wenn die Muskelkraft in den Armen fehlt. Dann knickt der Arm nach dem Ausstoßen ein, und der Versuch wird ungültig gegeben. Lukas Müller hat schon viele Jahre Erfahrung, aber an der perfekten Technik feilt er zusammen mit seinem Trainer in jeder Übungseinheit. "Ein stabiler Körper und Beweglichkeit sind die Kunst beim Gewichtheben", sagt er.

"Der kleine Müller ist mit neun Jahren zu mir gekommen", erzählt Konstantin Konstantinov: "Er ist bei mir aufgewachsen und hat sich seitdem wunderbar entwickelt." Der Bulgare war und ist selbst Gewichtheber. Zu seinen besten Zeiten schaffte er in der 67-Kilo-Klasse 115 Kilo im Reißen und 135 Kilo im Stoßen. Heute, mit 46, schafft er immer noch 97 und 120 Kilo. Das hilft dem Eichenauer SV im Mannschaftskampf sehr, um in der Bayernliga im Mittelfeld zu rangieren.

Lukas Müller war als Kind drei Jahre lang Turner. Davon profitiert er heute. "Durchs Turnen war ich bestens aufs Gewichtheben vorbereitet - besonders was die Körperspannung betrifft", sagt der Eichenauer. Jetzt steht er nahezu jeden Tag drei Stunden lang in der Trainingshalle. Das hat er auch fast immer geschafft, als er kürzlich sein Fachabitur an der Fachoberschule in Fürstenfeldbruck abgelegt hat. "Mein Zweierschnitt ist okay", sagt der Gewichtheber. Er wird ein duales Studium Fitness-Ökonomie absolvieren, um in sieben Semestern den Bachelor zu schaffen.

Der Sport wird weiterhin großen Raum einnehmen. Müller sieht sich als deutscher Jugendmeister noch längst nicht am Ende seiner Karriere angekommen. Im Juniorenbereich bis 81 Kilo wird die Konkurrenz größer sein. Dafür musste der Heber einiges zunehmen. "80,5 Kilo habe ich jetzt", sagt er. Zugelegt hat er vor allem an Muskelmasse. Man sieht es an seinen Oberarmen und den enormen Oberschenkeln, die durch die Trainingshose drücken. Es gilt auch, die Bestleistungen nach oben zu schrauben.

Momentan ist Müller bei 110 Kilo im Reißen und 140 im Stoßen angekommen. Bis zum Ende des Jahres, wenn die deutschen Juniorenmeisterschaften stattfinden, will er sich auf 115 und 145 bis 150 Kilo steigern. "Jedes Kilo mehr muss ich mir hart erarbeiten", sagt Müller. Dazu ist er bereit. Der eloquente junge Sportler liebt den Wettkampf. "Allein rauszugehen auf die Bühne ist immer wieder ein cooles Gefühl", sagt er. "Für mich ist die Stimmung im mitfiebernden Publikum mehr Kick als Druck."

Zum zehnten Mal hat die Süddeutsche Zeitung in den vergangenen Wochen herausragende Talente gesucht und Sportvereine, die sich besonders um die Nachwuchsarbeit verdient gemacht haben

© SZ vom 10.07.2019/bica

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