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SZ-Talentiade:"Aus dem wird was"

Mit 27 Jahren ist Felix Schütz der einzige deutsche Profi in der osteuropäischen KHL.

(Foto: Imago)

Seit 2001 hat die Süddeutsche Zeitung 100 Nachwuchssportler und Mannschaften mit dem Talentiade-Förderpreis ausgezeichnet. Träume hatten sie alle, für manche hat sich die Hoffnung sogar mehr als erfüllt. Vier Beispiele - und was aus ihnen geworden ist.

Nicht alle haben es so weit geschafft, natürlich nicht. Seit 14 Jahren zeichnet die Süddeutsche Zeitung schon besonders begabte, engagierte junge Sportler aus, und damit auch die Arbeit ihrer Vereine und Trainer. Und natürlich wollten die meisten der bislang 100 Preisträger irgendwann mal bei Olympia starten, internationale Medaillen erobern. Doch dieser Weg ist lang und voller Hindernisse, viel kann unterwegs schiefgehen. Umso schöner ist es zu verfolgen, dass doch immer mal wieder Athleten aus der Region in der Weltspitze ankommen. Hier vier kleine Beispiele, als Mutmacher für die nächste Generation.

Der Weltrekordler

So ganz genau kann Felix Schütz sich nicht erinnern an diesen Abend im März 2003, im alten SZ-Gebäude in der Sendlinger Straße. "Ehrlich gesagt: Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt dabei war", sagt Schütz. Die Jugend-Mannschaft des TSV Erding war deutscher Meister geworden, Alois Schloder, die Landshuter Legende, überreichte den Preis. Schütz war Dreh- und Angelpunkt des Teams. Aber an diesem Abend fehlte er - er hatte eine Einladung zur U17-Nationalmannschaft erhalten. Kurz darauf wechselte der Stürmer in die Mannheimer Nachwuchsschule und startete seine Profikarriere, die ihn von Landshut nach Nordamerika und über Ingolstadt nach Russland einmal quer über den Globus geführt hat.

Mit 27 Jahren ist Schütz der einzige deutsche Profi in der osteuropäischen KHL. Und auch wenn ihm die zweifellos schöne Erinnerung an die Talentiade 2003 fehlt, gibt es im Sportlerleben des Felix Schütz ein paar Momente, die ihn dafür entschädigen. Den 7. Mai 2010 etwa. Vor 77 803 Zuschauern in der Arena auf Schalke - damals Weltrekord für ein Eishockeyspiel - traf der Erdinger zum Auftakt der Heim-WM in der Verlängerung zum 2:1-Sieg gegen die USA: "Das war bisher das Highlight meiner Karriere."

Gleichwohl erinnert sich Schütz gern an deren Anfänge, vor allem an Hans Huber, den ehemaligen Nationalspieler, der noch hoch in seinen Siebzigern auf dem Eis stand und seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergab. Huber erkannte schnell das Talent des kleinen Felix, dessen Firmpate er werden sollte: "Aus dem wird was", prophezeite er der Mutter. Nachdem er als 15-Jähriger seine Heimat ("Ich liebe mein Erding") verlassen hatte, habe er schon manchmal Heimweh gehabt, "natürlich", sagt Schütz: "Aber ich hatte diesen Traum." Sebastian Schwarz und Michael Trox, zwei Teamkollegen von 2003, mussten gerade den Rückzug der Gladiators aus der Oberliga miterleben, beim TSV Erding will man sich künftig wieder mehr auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren. Für Felix Schütz aber hat sich der Traum erfüllt. 77 803 Menschen in der Arena auf Schalke waren am 7. Mai 2010 dabei Zeugen.