Süddeutsche Zeitung

SZ-Talentiade 2017:Mit eisernem Willen zum Sieg

  • Seit 2001 vergibt die SZ Förderpreise an Vereine und herausragende Nachwuchssportler aus der Region - inzwischen sind es insgesamt 111.
  • Auch in diesem Jahr können sich wieder junge Talente bewerben.
  • Alle wichtigen Informationen zur SZ-Talentiade - und wer heuer einer der prominenten Paten ist - finden Sie hier.

In den Chroniken der SZ-Talentiade zu stöbern ist so, als fände man ein altes Poesiealbum wieder. Sofort beginnt man zu blättern, stößt auf Namen und Bilder junger Menschen, die man fast vergessen hatte; und auf andere, deren Weg man bis heute verfolgt.

Seit 2001 vergibt die SZ Förderpreise an Vereine und herausragende Nachwuchssportler aus der Region - inzwischen sind es insgesamt 111. Sabine Winter etwa war zwölf Jahre alt, als sie 2005 geehrt wurde. Heute ist sie zweifache Tischtennis-Europameisterin im Doppel. Alexandra Wenk (2011) schwamm zweimal bei Olympischen Spielen. Fußballerin Sidney Lohmann (2015) ist schon mit 16 im Frauenteam des deutschen Meisters FC Bayern angelangt. Felix Schütz (2003) wird demnächst bei der Eishockey-WM wieder für Deutschland stürmen. Theresa Stoll (2011) hat gerade EM-Silber im Judo gewonnen.

Und auch bei den Folgenden lag die Jury wohl nicht ganz falsch.

Der versilberte Traum

Ein gestandenes Mannsbild ist er, muskelbepackt und für einen Turner mit 1,72 Meter von stattlicher Größe. Vor zwölf Jahren war das naturgemäß anders, als Lukas Dauser, damals elf, einen der Förderpreise der SZ-Talentiade gewann, gemeinsam mit seinem um ein Jahr älteren Klubkollegen vom TSV Unterhaching, Jonathan Kienzle. "Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern", sagt Dauser heute. "Es war für Jonathan und mich eine Riesenehre, einen so bedeutenden Preis zu gewinnen. Damit konnten wir auch unserem Heimatverein TSV Unterhaching eine große Freude bereiten." Das Preisgeld in Höhe von 1500 Euro kam damals wie heute dem Ausbildungsverein der geehrten Sportler zugute.

Mit nun 23 Jahren zählt der gebürtige Ebersberger Dauser zu jenen Sportlern, die ihren Weg vom Kindertraining bis in die Weltklasse gemacht haben. Mit sechs Jahren hat er beim TSV Unterhaching angefangen, die Trainer Richard Hörle und Andreas Heyland erkannten früh sein Talent, Landestrainer Kurt Szilier nahm ihn bald unter seine Fittiche und sagte damals bei der Talentiade-Gala einen großen Satz: "Keine Ahnung, ob es für Lukas einmal für eine Olympiateilnahme reicht, aber ich hoffe auf eine sehr erfolgreiche Karriere."

Mittlerweile hat Dauser seinen ersten Olympiastart hinter sich - bei den Spielen in Rio 2016. Am vergangenen Wochenende bei der Europameisterschaft in Cluj/Rumänien holte Dauser am Barren die Silbermedaille - seinen früheren Unterhachinger Klubkollegen Marcel Nguyen ließ er dabei hinter sich. "Es war immer mein großer Traum, bei einer solch bedeutenden Meisterschaft in einem Finale zu stehen", sagt Dauser. "Ich wusste, dass ich eine super Übung habe, aber dass am Ende die Silbermedaille herausspringt, ist einfach unfassbar geil." Auch bei der WM in Montreal im Oktober hat er Aussichten auf das Finale.

Seit fünf Jahren lebt Dauser in Berlin, zuletzt turnte er drei Jahre lang für die KTV Straubenhardt. Nun wechselt er zum Bundesliga-Konkurrenten KTV Obere Lahn, dem Verein von Olympiasieger Fabian Hambüchen. Dennoch spielt seine Heimatstadt nach wie vor eine große Rolle: "Ich habe viele Freunde in München und versuche so oft wie möglich, sie und meine Familie zu besuchen." Außerdem, und das ist Dauser besonders wichtig, starte er "immer noch für den TSV Unterhaching bei nationalen Einzelmeisterschaften".

Schwarz-gelbe Kontinuität

Schneidig sahen sie aus, die "Buam", wie man in Bad Tölz sagt, 25 junge Männer zwischen 14 und 16 Jahren (und eine junge Frau, Janina Fuchs, die zweite Torhüterin): dunkles Sakko, gestreifte Krawatte in den Farben der Stadt, Schwarz und Gelb. Nachdem sie im Jahr zuvor das Finale zu Hause gegen Mannheim verloren hatten, kamen die Schüler des EC Bad Tölz 2013 als deutsche Meister zur Talentiade-Preisverleihung: Fünf Siege in fünf Endrunden-Spielen - auch gegen Mannheim - hatten ihnen den Titel und eine Auszeichnung der SZ eingebracht.

Die Schüler von damals haben einfach so erfolgreich weitergemacht. Aus der Meistermannschaft von 2013 stehen heute in Christoph Körner (Bremerhaven), Christoph Kiefersauer (Ingolstadt) und Tobias Eder (München) drei Spieler in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) unter Vertrag, Marinus Reiter, Tom Horschel, Josef Reiter, Julian Kornelli und Johannes Huß sind gerade mit den Tölzer Löwen in die DEL 2 aufgestiegen.

Torhüter Michael Boehm, Aziz Ehliz, Constantin Ontl und Michael Hölzl haben in der Deutschen Nachwuchs Liga (DNL) Platz zwei belegt, vor Düsseldorf und Köln, lediglich bezwungen von Serienmeister Mannheim, der einen Etat von mehr als einer Million Euro zur Verfügung hat, mehr als der ECT für seine Männer. Die Endrunde fand übrigens wie 2012 in Bad Tölz statt - was nach den Erfahrungen von 2013 kein schlechtes Omen für die kommende Saison sein muss.

Die Kontinuität, mit der das Team um Nachwuchs-Koordinator Rick Boehm Aspiranten für den Profi-Sport entwickelt, ist aber nicht selbstverständlich. Die Konkurrenz, zu der neuerdings auch Red Bull gehört, wirbt immer früher um die Tölzer Talente. Wenn man so will: auch eine Auszeichnung.

Gold-Hoffnung

Talent, Leidenschaft und eiserner Wille: So beschrieb Matthias Pohlus 2011 bei der Preisverleihung die außergewöhnlichen Eigenschaften von Kira Weidle. Pohlus war Trainer der damals 15-Jährigen beim Skiclub Starnberg, an jenem Abend wusste er bereits, dass er genau wegen dieser Fähigkeiten sein größtes Talent verlieren wird. Weidle wechselte im Winter darauf aus Starnberg in die südlichste Gemeinde der Republik und besuchte fortan das Skigymnasium in Oberstdorf. Der Sieg im Schülercup und Slalom-Silber bei den bayerischen Titelkämpfen hatten die SZ-Juroren überzeugt.

Weidles Begabung war natürlich auch dem Deutschen Ski-Verband (DSV) nicht verborgen geblieben, der sie bereits in den Nachwuchs-Kader aufgenommen hatte. Eine gute Entscheidung. Vier Jahre später gewann Kira Weidle den deutschen Junioren-Titel in Abfahrt und Super-G, in der Saison 2015/16 die Abfahrtswertung im Europacup.

Der 9. Januar 2016 markierte den nächsten Meilenstein in Weidles Karriere: Weltcup-Debüt in Zauchensee. Schon ein Jahr später war sie in Garmisch beste Deutsche. Im Februar 2017 startete Kira Weidle in St. Moritz dann erstmals bei einer alpinen WM: Mit 21 Jahren ist sie noch immer eine große Hoffnung des DSV - und doch schon längst viel mehr.

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Quelle:
SZ vom 29.04.2017/bica
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