Synchronschwimmen Synchron zu Gold

(Foto: Naoki Morita/Imago)

Das deutsche Olympiaduett für Tokio 2020, Marlene Bojer und Daniela Reinhardt, dominiert die deutsche Meisterschaft in Karlsruhe - trotz schlechter Trainingsbedingungen in seiner Heimat München.

Von Sebastian Winter

Das Dauerlachen, das Marlene Bojer (hinten) und Daniela Reinhardt zeigen, gehört genauso zum Synchronschwimmen wie wasserfester Lippenstift, Nasenklammer und Pomade im Haar. Und das Gesamtkunstwerk beeindruckte die Kampfrichter in Karlsruhe am Wochenende bei der deutschen Meisterschaft nachhaltig. Bojer und Reinhardt gewannen die Technische Kür (80,391 Punkte) und die Freie Kür (80,333) überlegen und untermauerten ihren Status als derzeit bestes deutsches Synchronschwimm-Duett. Dass sie nun auch bei der DM erstmals die 80-Punkte-Schallmauer durchbrachen, ist ein weiterer Fingerzeig. Denn ab dieser Marke spielt man auch international im Konzert der Großen mit. Bojer und Reinhardt gelten ja als die deutschen Synchronschwimm-Hoffnungen für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Falls sie nominiert werden, wollen sie dort zumindest das Finale der besten Zwölf erreichen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg, "um die 84 Punkte braucht man schon", sagt ihre Heimtrainerin Barbara Liegl. Dann soll auch die mit der ehemaligen Weltmeisterin Virginie Dedieu neu erarbeitete Kür stehen. Im Januar, so sieht es derzeit jedenfalls aus, erhalten Bojer und Reinhardt ihren Perspektivkader-Status, sie haben dann auch eine regelmäßige medizinische und physiotherapeutische Betreuung am Münchner Olympiastützpunkt. Ohnehin kämpfen sie in ihrer Stadt schon länger mit Widrigkeiten, viele ihrer Trainingsbecken werden gerade renoviert und stehen ihnen nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Nächstes Jahr soll dem Duett, das gerade an seinen Bachelorarbeiten schreibt, dennoch der große Wurf gelingen, es soll seine Bekanntheit bei der World Series steigern und die Punktrichter noch mehr überzeugen. Stationen in Griechenland, Kanada und Japan sind geplant, den Auftakt machen die French Open Ende Februar. "Das nächste Jahr wird entscheiden, ob sie eine Chance aufs Olympiafinale haben", sagt Liegl.

In Karlsruhe gewann die überragende Bojer auch im Solo zwei DM-Titel und erreichte in der Freien und Technischen Kür jeweils mehr als 80 Punkte. In der Freien Gruppe und der Kombination holte die SG-Mannschaft ebenfalls Gold, sie verteidigte damit ihre sechs Titel aus dem Vorjahr. "Und das, obwohl wir durch die äußerst schwierigen Trainingsbedingungen eine denkbar schlechte Vorbereitung hatten", wie Liegl findet. Der Weg nach ganz oben ist steinig in dieser so anmutigen, anstrengenden und extrem trainingsintensiven Disziplin, die selbst im Deutschen Schwimm-Verband lange Zeit nur am Rande wahrgenommen wurde.