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SV Pullach:Grüße nach Ägypten

Pullach: FUSSBALL Bayernliga / SVP v TSV Kottern

In der ersten Halbzeit Rechtsverteidiger, in der zweiten Torschütze und Vorlagengeber: Martin Bauer (links).

(Foto: Johannes Simon)

Ohne Coach Schmöller gewinnen die Isartaler vor allem dank Martin Bauer gegen den TSV Kottern.

Theo Liedl saß nach dem Schlusspfiff allein auf der Ersatzbank. Er tippte etwas in sein Handy, während sich die Spieler um ihn herum in die Arme fielen. Der Manager des SV Pullach schrieb seinem Trainer eine Nachricht. Es ist jetzt nicht so, dass sich Liedl und Frank Schmöller nichts mehr zu sagen hätten und nur noch per Kurzmitteilung kommunizieren würden. Schmöller war am Samstag aber gar nicht an die Gistlstraße zum Bayernliga-Heimspiel gegen den TSV Kottern erschienen, er weilt in Ägypten, hat sich für einen einwöchigen Kurzurlaub ans Meer abgemeldet "Ich habe ihm deshalb gleich das Ergebnis geschickt", erzählte Liedl gut gelaunt. 3:1 (0:0) gewann Pullach die Partie und festigte damit seinen zweiten Platz hinter dem Tabellenführer TSV Rain.

Schmöller kann seinen Urlaub also weiter ganz entspannt genießen, Liedl hatte ihn gegen Kottern bestens vertreten. Es dauerte allerdings fast die ganze Partie lang, bis der vierte Saisonsieg im achten Spiel (bei vier Unentschieden) feststand. "Vor allem in der ersten Hälfte hat uns die Bewegung auch ohne Ball gefehlt", erklärte Liedl, "alles wirkte deshalb statisch". In der Pause korrigierte er deshalb auch die Spielanordnung und ließ fortan mit zwei Stürmern spielen. Doch die wirkungsvollste taktische Veränderung war die offensivere Ausrichtung von Martin Bauer. In den ersten 45 Minuten verteidigte der noch hinten rechts, er tat das gewohnt zuverlässig, ohne Fehler und mit großer Leidenschaft.

"Aber ich bin halt ein gelernter Offensivspieler und tue mir da leichter", bekannte der 27-Jährige. Er kann da seine Schnelligkeit ausspielen, seine Direktheit. Bauer war an diesem Nachmittag der Kicker, der den Unterschied machte: mit einer Vorlage zum 1:0 und dem Treffer zum 2:1. Zunächst spielte er wunderbar Christoph Dinkelbach frei, der den Ball zur 1:0-Führung im Liegen über die Linie bugsierte (79.). Und nach dem Ausgleich durch einen Elfmeter von Andreas Hindelang (84.), brachte Bauer mit einem wuchtigen Linksschuss seine Mannschaft wieder in Führung, nach einer kurzzeitigen Orientierungslosigkeit auf beiden Seiten war der Ball irgendwie vor seinem Fuß zum Liegen gekommen. "Es ist egal, wer das Tor schießt", sagte Bauer hinterher bescheiden, der frühere Landesligaspieler des SV Planegg-Krailling steht nicht gerne im Mittelpunkt, er spricht lieber mit Taten als mit Worten. "Hauptsache wir haben als Team drei Punkte geholt", fügte Bauer hinzu.

Liedl übernahm stattdessen gerne die Lobhudelei, nachdem Almir Hasanovic in der Nachspielzeit noch auf 3:1 erhöht hatte. "Martin hat das super gemacht mit seinem unglaublichen Willen. Er hat eine tolle Entwicklung bei uns genommen." Bauer gehört zu den Konstanten in der Mannschaft, die nach der Meisterschaft im Sommer größere Veränderungen erfahren musste. Die Fluktuation war deutlich höher als in den Vorjahren. Erfahrene Spieler gingen, Jüngere kamen. "Uns fehlt deshalb auch noch die Abgezocktheit, die Routine", fügt Bauer hinzu. Zum Optimum würde noch einiges fehlen, findet er.

Liedl sieht noch einen weiteren Grund, warum sich die Pullacher gegen Mannschaften wie Kottern noch schwertun und es noch nicht über längere Phasen schaffen, sich kunstvoll durchs Mittelfeld zu kombinieren. "Regelmäßiges Training", sagt Liedl. In den vergangenen Wochen hatten sie wegen der Vielzahl an Spielen unter der Woche kaum Gelegenheit, technisch-taktische Dinge einzustudieren. "Wir waren hauptsächlich damit beschäftigt zu regenerieren", betont der Manager. Ihn ärgert dabei der Spielplan, der den Gegnern meistens längere Pausen gönnt - Pullach trifft ständig auf Teams, die in der 19-er Liga in der Woche zuvor spielfrei waren. "Es ist nicht nachvollziehbar, was sich der Verband dabei gedacht hat", schimpfte Theo Liedl. Sein Frust hat aber nicht auch noch an den Trainer adressiert. Der soll sich schließlich erholen.