SV Pullach Duett der Verzweifelten

Festgelaufen: Auch Pullachs Torjäger Lukas Dotzler kommt gegen Neumarkt nicht entscheidend zur Entfaltung.

(Foto: Claus Schunk)

In der letzten Minute eines tristen Duells mit dem ASV Neumarkt gelingt dem Meister doch noch das goldene Tor.

Von Christian Bernhard, Pullach

Frank Schmöller ist immer für eine Fußball-Weisheit zu haben. Das bewies der Trainer des SV Pullach auch am Samstagnachmittag, als seine Mannschaft ihm 70 Minuten lang alles andere als Freude bereitet hatte. Also sprach Schmöller nach einem Spiel, das sich dem Grau und der Kälte des Pullacher Samstages angepasst hatte: "Die letzte Minute gehört auch zum Fußball."

Schmöller sagte diese Worte mit einer gewissen Zufriedenheit, denn exakt in jener letzten Minute hatte sein Team zu Recht einen Elfmeter zugesprochen bekommen, den Kapitän Andreas Roth hart und präzise zum 1:0-Sieg gegen den ASV Neumarkt in die Maschen jagte. Dadurch bleibt Pullach punktgleich mit dem SV Heimstetten an der Spitze der Bayernliga-Tabelle. Schmöller freute sich auch über den "glanzlosen" Sieg, denn: "Ein dreckiges 1:0 ist manchmal schöner als ein überragendes 5:0." Überhaupt sei es eine Qualität seiner Mannschaft, auch in solchen Situationen "ruhig zu bleiben".

Ruhe per se war nicht das zentrale Thema der Partie gewesen, bis zur 70. Minute war es vielmehr ein Festival der äußeren und inneren Unzufriedenheit. Pullachs Abwehrchef Alexander Benede beklagte sich mehrmals unüberhörbar über die fehlende Breite im Spiel des Meisters, besonders die linke Seite um Martin Bauer und Luis Marseiler musste sich immer wieder etwas anhören. Die Laune an der Außenlinie war allerdings noch schlechter. Neumarkts Trainer Dominik Haußner, der sich in Sachen Lautstärke und Frequenz der - mehr oder weniger hilfreichen - Anweisungen an seine Spieler vor niemandem verstecken muss, und Schmöller lieferten sich ein verbales Duell der Verzweiflung an der Seitenlinie. "Was macht ihr denn da? Das ist ja Wahnsinn", brüllte Neumarkts Coach aufs Feld, Schmöller griff die Wortwahl seines Kollegen auf und antwortete: "Wahnsinn, was wir heute veranstalten." Der Pullacher Trainer trat in der zweiten Halbzeit sogar gegen seine eigene Bank, als ein langer Ball aus seinem Abwehr-Zentrum einmal mehr beim Gegner gelandet war.

Die ansehnlichen Szenen vor der Pause ließen sich an wenigen Fingern abzählen: Daniel Leugner setzte in der achten Spielminute Roth mit einem tollen Diagonalpass aus der eigenen Hälfte ins Szene, Roths Heber im rechten Strafraumbereich endete aber knapp neben dem linken Pfosten (11.). Wenige Minuten später war es wieder Roth, der sich im Strafraum blitzschnell drehte, den Ball aber aus zwölf Metern rechts neben das Tor setzte. Dazwischen hatte Christian Schrödl nach einem Pullacher Ballverlust Marjan Krasnic mit einem Schuss von der Strafraumgrenze geprüft - mehr Fußballerisches gab es vor der Pause nicht. Haußners Forderung ("Da muss der Zug abgehen") wurde von keiner Mannschaft umgesetzt, der Zug kam überhaupt nicht in die Gänge. Schmöllers Analyse - zu träge, zu viele Fehler, zu viele einfache Ballverluste - fasste die erste Halbzeit bestens zusammen.

Einen Sieg des Willens findet Schmöller auch okay. Man könne schließlich nicht immer glänzen

Die zweite Halbzeit begann ähnlich schleppend, den größten Unterhaltungswert boten die immer noch - beziehungsweise schon wieder - unzufriedenen Trainer. Ab Mitte der zweiten Hälfte übte der SV aber mehr und mehr Druck aus, Neumarkt zog sich weit zurück. Die Folge: Pullacher Torchancen. Christoph Dinkelbach scheiterte aus wenigen Metern Torentfernung am Gäste-Keeper (68.), ein gefährlicher Schuss des eingewechselten Maximilian Schuster, der in den letzten 20 Minuten als zweiter Stürmer neben Lukas Dotzler agierte, wurde zentral vor dem ASV-Tor geblockt (70.). Schmöller hat als das "große Plus" seiner Mannschaft ausgemacht, "dass wir nach der Pause in der Lage sind, körperlich zuzulegen und das Tempo anzuziehen", sagte er. "Wir sollten uns nur nicht immer darauf verlassen."

Als Schuster drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit aus sechs Metern völlig freistehend am Tor vorbei köpfelte, schien klar, dass dieses Spiel 0:0 enden würde. Leugners technisch feine Aktion am linken Strafraumeck, die zum Elfmeterpfiff führte, verhinderte das erste Pullacher 0:0 seit mehr als acht Monaten doch noch. Passend dazu hatte Schmöller noch eine Weisheit in petto: Einen Sieg des Willens einzufahren, müsse man auch mal können, "man kann schließlich nicht immer nur glänzen".