SpVgg Unterhaching Wachsame Gelassenheit

Manfred Schwabl.

(Foto: Claus Schunk)

Unterhachings Präsident Manfred Schwabl bleibt in der sportlichen Krise pragmatisch.

Von Stefan Galler, Unterhaching

Während des Gesprächs blickt Manfred Schwabl aus seinem Bürofenster nach unten ins Stadion. "Da kommt der Haino", sagt er und meint den verletzten Unterhachinger Torjäger Stephan Hain, der nach seinem Syndesmoseriss auf Krücken gestützt in den Innenraum humpelt. Dass die sportliche Krise der Spielvereinigung auch mit der personellen Notlage zusammenhängt, will Klubpräsident Schwabl nicht in den Mittelpunkt seiner Analyse rücken. Zuletzt beim 0:3 in Münster fehlten neben Hain auch Abwehrchef Marc Endres (Knieprobleme), Mittelfeldabräumer Dominik Stahl (Zehenbruch), Rechtsaußen Luca Marseiler (muskuläre Probleme), Mittelfeldspieler Lucas Hufnagel (Gelbsperre), sowie die Langzeitverletzten Jim-Patrick Müller (Muskelfaserriss) und Josef Welzmüller (Reha nach Kreuzbandriss). "Von mir wird man nicht hören, dass das der Grund für die gegenwärtige Lage ist", sagt Schwabl. Nur so viel: "Unsere finanzielle Situation lässt es nicht zu, für jede Position zwei gleichwertige Spieler im Kader zu haben. Deshalb sind solche Ausfälle natürlich auch nicht adäquat aufzufangen."

Die jüngste Talfahrt beschäftigt den Präsidenten, das kann er nicht leugnen. Die Mannschaft holte nach der Winterpause in der dritten Liga nur fünf von 30 möglichen Punkten, erzielte in diesen zehn Partien mickerige drei Tore und zuletzt seit 523 Minuten überhaupt keines mehr. Der Abstand zur Abstiegszone ist auf sechs Punkte zusammengeschnurrt. Die Liga ist eng, jene 40 Zähler, die Haching bislanggesammelt hat, werden nicht zum Klassenerhalt reichen: "Du brauchst 45, 46 Punkte. Also müssen wir von den letzten acht Spielen noch zwei gewinnen", sagt Schwabl. Im Idealfall gleich jenes diesen Samstag zu Hause gegen Halle (14 Uhr).

Als es für die Hachinger noch rund lief, verweigerte der Boss den Blick auf die Rangliste; mittlerweile hat sich das gravierend geändert. "Ich bin auf der Hut", sagt Schwabl. "Man muss überall gut hinschauen, auch auf die Tabelle." Aber auch darauf, was seine Spieler zu leisten imstande sind, gerade wenn es einmal nicht läuft. "Wir sind eine richtige Kopfmannschaft. Wenn mal was nicht gelingt, gehen sofort die Köpfe runter." Auch deshalb sei er "weit davon entfernt, jetzt draufzuhauen". Dass die Peitsche auch nicht zum Repertoire von Trainer Claus Schromm gehört, lässt Schwabl kalt: "Es würde doch stinken, wenn sich der Trainer im Misserfolg plötzlich von seiner Art her total verändern würde. Unsere Philosophie im Verein ist es, auch Jugendspieler höflich zu behandeln, denn man kann auch erfolgreich sein, wenn man gut miteinander umgeht."

Die in so einer Situation obligatorische Frage nach der Rückendeckung für den Coach pariert der Präsident gelassen: "Claus hat die Klasse, unser Projekt richtig einzuschätzen", sagt Schwabl. "Und er wird so lange unser Trainer bleiben, bis er zu mir kommt und mir sagt, dass es keinen Sinn mehr macht." Dem Zufall überlässt man im Sportpark jedenfalls nichts. "Wir haben auch für die Regionalliga eine Lizenz beantragt", sagt Schwabl. "Das Rad in Fußball-Deutschland wird sich auch weiterdrehen, wenn wir nicht mehr dabei sind." Wieder schweift Schwabls Blick aus dem Fenster: "So, mittlerweile ist Haino auf den anderen Seite des Platzes angekommen. Schon brutal."