SpVgg Unterhaching Vertrauenswürdiger Bär

Machtlos: Korbinian Müller kann dem Ball nur hinterherschauen. Vor der Niederlage gegen Hansa war der SpVgg-Torwart fünf Spiele lang unbezwungen.

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Torwart Korbinian Müller erbte den Stammplatz von Stefan Marinovic. Seitdem entwickelt er sich prima.

Von Stefan Galler

Beim Confed Cup hat die neuseeländische Nationalmannschaft zwar nicht gerade mit spielerischen Kabinettstückchen oder atemberaubendem Offensivfußball geglänzt, dennoch hatte sie mitten in Oberbayern einen großen Fan sitzen. Nun ja, ein bisschen Eigennutz war schon auch dabei, immerhin erhoffte sich Korbinian Müller von positiven Auftritten der "All Whites" einen Karrieresprung, obwohl er selbst ja gar kein Neuseeländer ist.

Sein damaliger Klubkollege Stefan Marinovic aber schon. Der war Stammtorwart der Regionalliga-Meistermannschaft der SpVgg Unterhaching und in der Vorsaison die unumschränkte Nummer eins. Der "Kiwi", wie alle den bärtigen Marinovic in Haching nannten, benötigte einen höherklassigen Klub, um Nationalkeeper zu bleiben, das hatte man ihm im Verband deutlich zu verstehen gegeben. "Ich war mir sicher, dass er nach dem Confed Cup wechseln würde", sagt Korbinian Müller. Und tatsächlich fand Marinovic einen neuen Verein, es dauerte allerdings bis kurz vor dem Start der neuen Saison, ehe er zu den Vancouver Whitecaps in die amerikanische Major League Soccer (MLS) ging.

Sein bisheriger Stellvertreter Korbinian Müller, 26, blieb in Haching, erbte den Stammplatz und ist mittlerweile einer der Garanten dafür, dass sich der Aufsteiger in der dritten Liga schnell akklimatisiert hat und mittlerweile im oberen Tabellendrittel angekommen ist. Und Müller ist selbstbewusst: "Ich glaube, sie können froh sein, dass sie mich behalten haben", sagt er.

Vor der herben 0:3-Niederlage am Freitag gegen Hansa Rostock, bei der Müller allerdings für keines der drei Gegentore verantwortlich gemacht werden konnte, waren Haching und sein Torwart in fünf Spielen ohne Gegentor geblieben. Vor allem beim Auswärtsspiel in Magdeburg, das die Rot-Blauen vor einer guten Woche mit 3:0 für sich entschieden, wuchs er in einigen Situationen über sich hinaus. "Es läuft gut", sagt der Torwart, "ich fühle mich seit Saisonbeginn sehr sicher und wohl." Das liege auch an seiner Einstellung: "Ich bin zwar jetzt nicht der total lockere Typ geworden, aber bei weitem nicht mehr so verbissen wie vor drei, vier Jahren." SpVgg-Trainer Claus Schromm ist mit der Entwicklung seines Torwarts zufrieden: "Korbi hat sich im letzten halben Jahr enorm verbessert." Das sei auch ein Verdienst von Torwarttrainer Wolfgang Kellner, der für Müller so etwas wie ein Mentor ist. "Dass Wolfgang nach einer Auszeit wieder im Team dabei ist, tut Korbi extrem gut", sagt der Coach, für den es allerdings nie zur Diskussion stand, dass Müller seine Chance bekommen sollte: "Es wäre nicht fair gegenüber ihm und auch nicht Haching-like gewesen, wenn wir eine Nummer eins geholt hätten."

Der Ausflug zu den Stuttgarter Kickers endete frustrierend. Jetzt ist Müller wieder daheim

Klar war allerdings, dass ein zusätzlicher Keeper kommen würde, in Lukas Königshofer, 28, ist nun ein Österreicher der Stellvertreter des gebürtigen Tölzers. Kurioserweise spielten beide zwischenzeitlich bei den Stuttgarter Kickers, Müller zwischen 2014 und 2016 in der dritten Liga, Königshofer in der vergangenen Saison in der Regionalliga Südwest. Für Korbinian Müller war der zweijährige Ausflug nach Schwaben ein zweischneidiges Schwert: "Im ersten Jahr lief es sensationell, wir wären fast in die Zweitligarelegation gekommen." Dann gab es einen Trainerwechsel, in Erol Sabanov kam ein neuer Torwartcoach - Müller pendelte zwischen Startelf, Bank und Tribüne. Also ging er im Sommer 2016 zurück zu jenem Verein, bei dem er einst zum Spitzenkeeper reifte. "Er ist wieder daheim", sagte sein Trainer Claus Schromm. Immerhin hatte Müller schon mit 14 Jahren bei der SpVgg angefangen, er kam damals vom Lenggrieser SC.

Schromm schätzt nicht zuletzt die fußballerischen Qualitäten seiner Nummer eins: "Korbi kann was am Ball, das ist wichtig, gerade wenn die Gegner unsere Defensivreihe zustellen." Manchmal ist er nach dem Geschmack der Zuschauer im heimischen Sportpark etwas zu mutig, denen rutscht regelmäßig das Herz in die Hose, wenn der Torsteher zum Dribbling ansetzt. "Ich habe vollstes Vertrauen in ihn", bekräftigt dagegen der Trainer.

Müllers Terminkalender ist mächtig voll, er absolviert neben dem Fußball ein duales Studium der Fitnessökonomie, verbringt 20 Stunden die Woche in einem Studio in Schwabing. Da sind die Trainingseinheiten der perfekte Ausgleich, und das Zusammensein mit den Jungs, die ihn schätzen und respektieren, auch wenn er nicht derjenige ist, der in der Kabine den Ton angibt. "Er ist halt der Korbi", sagt Trainer Schromm. "Ein Bär, auf den du dich voll verlassen kannst."