SpVgg Unterhaching Torloser Teilerfolg

Was tun? Im Spiel waren Hachings feine Techniker um Sascha Bigalke (links gegen Halles Sebastian Mai) überlegen. Je näher sie dem gegnerischen Tor kommen, desto zögerlicher werden sie aber. Tipp von SpVgg-Kapitän Alexander Winkler: "Einfach mal sein ganzes Herz in einen Schuss reinlegen.“

(Foto: Claus Schunk)

Die Schromm-Elf bleibt auch gegen Halle ohne Treffer und hat nun schon seit 613 Minuten keinen Ball mehr im Netz versenkt. Der Abstand zu den Abstiegsrängen wird trotzdem größer.

Von Fabian Swidrak, Unterhaching

Der vierte Offizielle hob die Anzeigetafel nach oben. Eine rote Sechs leuchtete auf. Die Hachinger hatten auf eine möglichst lange Nachspielzeit gehofft. Claus Schromm ruderte mit den Armen von rechts nach links. Rechts, das war hinten, links stand das Tor des Halleschen FC. Schromms Rudern hieß: Auf geht's, noch mal nach vorne mit euch!

Rückblickend betrachtet machen es die sechs Minuten Nachspielzeit nicht besser. Im Gegenteil. Sechs weitere Minuten, in denen es die SpVgg Unterhaching nicht geschafft hat, ein Tor zu erzielen. Sechs Minuten, die noch nicht einmal eingerechnet sind in jene 613 regulären Spielminuten, die Schromms Team nun schon ohne eigenen Treffer aneinandergereiht hat.

Am 4. März gewann Unterhaching 1:0 bei den Würzburger Kickers. Markus Schwabl schlug damals den Ball nach vorne, Marc Endres verlängerte ihn mit dem Kopf in den Strafraum. Stefan Schimmer zog mit dem linken Fuß ab. Tor. Es war die 17. Spielminute - und der bislang letzte Unterhachinger Treffer in dieser Saison in der 3. Liga. Das 0:0 gegen den Halleschen FC am Samstag war das sechste komplette Spiel ohne eigenen Treffer hintereinander (plus 73 Minuten). Unterhaching hat in diesem Jahrtausend vier Abstiege erlebt, aber eine solche Torflaute noch nicht.

Schromm waren die sechs Minuten Nachspielzeit noch "zu wenig" gewesen, sagte er anschließend, angesichts der "ewig langen Unterbrechungen". Tatsächlich ließen sich die Gäste oft auffällig viel Zeit, nachdem sie schon ab der 23. Spielminute in Unterzahl hatten spielen müssen. Toni Lindenhahn foulte Hachings Maximilian Krauß, als der sich mit dem Ball am Fuß dem Strafraum näherte. Der Schiedsrichter wertete die Aktion als Notbremse und zeigte Lindenhahn Rot. Pascal Sohm und Mathias Fetsch wurden später jeweils lange auf dem Platz behandelt, bevor sie schließlich vom Rasen humpelten. Torwart Kai Eisele sah wegen Zeitspiels die gelbe Karte. Der von Lindenhahn gefoulte Krauß musste zur Halbzeit verletzt ausgewechselt werden. Schromm sagte, das passe gerade ein bisschen ins Bild. Der Klub hat seit Wochen eine lange Verletztenliste.

Zurück zur Nachspielzeit: Es war nicht so, als hätten die sechs Minuten nicht durchaus gereicht für einen Siegtreffer. Schimmer vergab zwei hervorragende Chancen. Erst köpfelte er nach einer Flanke am zweiten Pfosten stehend aus einem Meter Entfernung am Tor vorbei (90.+2). Dann kam er im Strafraum zum Abschluss, Eisele lenkte den Ball mit der rechten Hand an den Pfosten (90.+6). "Es ist extrem bitter, dass der Ball einfach nicht über die Linie will", sagte Schromm später in der Pressekonferenz. "Es ist nicht ganz einfach, die richtigen Worte zu finden. Die Jungs hocken in der Kabine und wissen auch nicht, was sie falsch gemacht haben."

Defensiv machten die Hachinger sogar vieles richtig. Keeper Lukas Königshofer musste nicht einen Torschuss abwehren. Kapitän und Innenverteidiger Alexander Winkler fand, man habe "nichts zugelassen". Schromm sagte: "Halle hatte nicht eine einzige Torchance, auch nicht bei elf gegen elf." Offensiv war die Spielvereinigung dagegen beunruhigend ineffizient.

Haching hatte in Überzahl klare Spielvorteile, drängte Halle gerade in der Schlussphase der ersten Halbzeit tief in die eigene Hälfte, vergab aber seine Chancen. Orestis Kiomourtzoglou stoppte den Ball im Strafraum mit dem Rücken zum Tor aus der Luft, drehte sich und zog ab: drüber (42.). Schimmer täuschte einen Schuss mit dem rechten Fuß an, legte sich den Ball auf links und kam im Sechzehner freistehend zum Abschluss. Auch sein Schuss ging am Tor vorbei (43.). In der zweiten Halbzeit schoss Schimmer nach einer flachen Hereingabe in den Strafraum genau auf HFC-Torhüter Eisele. Der konnte den Ball zwar nur nach vorne abwehren, Schimmer zielte im zweiten Versuch aber über das Tor (74.). Schromm sagte: "Es ist bitter, wenn du den Tabellenvierten da hast und dann mit einem 0:0 nicht zufrieden sein kannst."

Mehrfach verpassten es die Hachinger, ihre Spielzüge überhaupt mit einem Torschuss abzuschließen. Sogar im Strafraum versuchten sie noch, sich den Ball über mehrere Stationen zuzuspielen. Hat die Torflaute bereits zu einer Angst vor dem Torschuss geführt? Kapitän Winkler: "Jeder muss da ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen. Nicht immer den vielleicht besser postierten Mitspieler suchen, einfach mal sein ganzes Herz in einen Schuss reinlegen." Vom Willen und der Einstellung her habe sich die Mannschaft nichts vorzuwerfen, sagte Winkler. "Wenn wir so weiterspielen, geht die Kugel auch bald wieder rein."

Trainer Schromm hatte vor dem Spiel gesagt, die Mannschaft wolle in der Tabelle "den Kontakt nach hinten vermeiden". Das immerhin ist gelungen. Der Tabellensiebzehnte Großaspach verlor in Meppen. Der Vorsprung der SpVgg Unterhaching auf die Abstiegsränge ist am Wochenende um einen auf sieben Zähler angewachsen. Andererseits: Nach dem Sieg des nun mit Großaspach punktgleichen Tabellenachtzehnten Cottbus gibt es nun zwei Teams auf den Abstiegsplätzen, von denen Unterhaching nur sieben Punkte entfernt ist.