SpVgg Unterhaching Reservierung für die Party

Haching spielt in Meppen nach zweimaligem Rückstand 3:3. Trainer Claus Schromm kritisiert die schwache Anfangsphase, Kollege Christian Neidhart sieht die SpVgg als Aufstiegsfavorit.

Von Stefan Galler, Unterhaching

Es ist immer eine zweifelhafte Sache, wenn sich Gäste zu Festivitäten selbst einladen. Erst recht, wenn derjenige, der am Ende die Zeche zahlt, noch nicht einmal weiß, ob überhaupt eine Party ansteht. Christian Neidhart, der Trainer des Fußball-Drittligisten SV Meppen, kündigte nach dem 3:3 seiner Mannschaft gegen die SpVgg Unterhaching jedenfalls schon mal vorsorglich an, sich am 18. Mai auf eine lange Reise zu begeben: "Ich komme gerne auf ein Weizenbier zu eurer Aufstiegsfeier", rief er dem Hachinger Trainer Claus Schromm auf der Pressekonferenz zu. "Ich behalte Recht: Am Ende seid ihr ganz oben, weil ihr eine Riesenmannschaft habt", so Neidhart weiter.

Schromm ließ Vorschusslorbeeren und Selbsteinladung unkommentiert im Raum stehen, davor allerdings hatte er schon eine relativ harsche Manöverkritik an der Vorstellung seiner Mannschaft in der Anfangsphase der turbulenten Partie vom Stapel gelassen: "Vielleicht waren meine Spieler überrascht vom hohen Anlaufen und dem aggressiven Zweikampfverhalten des Gegners. Sie haben wahrscheinlich gedacht, Meppen geht auf die Seite und lässt uns Fußball spielen." Das war jedoch nicht der Fall, Meppen machte "richtig Alarm", wie es Coach Neidhart ausdrückte. Doch zunächst stand bei Haching die Null, weil Marius Kleinsorge bei seinem Versuch geblockt wurde (10.), Deniz Undav mit der Hacke nur den Außenpfosten traf (11.) und abermals Kleinsorge von der rechten Seite am langen Eck vorbei zielte (13.). Diese erste Angriffswelle überstanden die Rot-Blauen noch, doch nach einer halben Stunde war nichts mehr zu retten: Einen Eckball verlängerte Patrick Posipal, in der Mitte musste Verteidiger Jovan Vidovic die Kugel nur noch mit der Stirn über die Linie drücken (32.).

Ein sehr schönes Fußballspiel, da waren sich die Trainer einig. Am Mittwoch kommen die Löwen

Kurz vor der Pause vergab Nico Granatowski die Chance zum 2:0 (44.), praktisch im Gegenzug kam Haching aus heiterem Himmel zum Torerfolg: Einen Freistoß bekamen die Emsländer nicht aus der Gefahrenzone, Max Dombrowka bediente Christoph Greger, der wiederum legte auf für Stefan Schimmer - der Ausgleich aus allerdings abseitsverdächtiger Position (45.). "Mit dem 1:1 zur Pause waren wir gut bedient, es hätte auch 0:2 stehen können, dann sieht die Sache hier ganz anders aus", schimpfte SpVgg-Trainer Schromm.

Der Schrei (nicht der letzte): Gerade hat Finn Porath (Mitte) die SpVgg Unterhaching mit 2:1 in Führung gebracht. Den ersten Hachinger Treffer hatte Stefan Schimmer (rechts) erzielt.

(Foto: Wenzel/imago/Eibner)

Haching startete genauso konzentriert in den zweiten Durchgang, wie es den ersten beendet hatte. Und ging prompt schon wenige Sekunden nach Wiederanpfiff in Führung, als Finn Porath nach einer Flanke von Sascha Bigalke im Wegrutschen aus zwölf Metern ins Tor schoss (46.). "Wenn man einen Negativlauf wie Meppen hat, erwartet man eigentlich, dass ein Gegner nach zwei solchen Nackenschlägen ein bisschen zusammenbricht", sagte Schromm, dessen Hoffnung jedoch nicht Realität wurde. Denn nun war Meppen wieder dran: Vier Minuten nach dem 1:2 gelang Undav nach einer Flanke von Granatowski per Kopf der Ausgleich (50.). Und weitere drei Minuten später überwand Julian von Haacke Unterhachings Torwart Lukas Königshofer aus der Distanz, weil weder Bigalke noch Dominik Stahl den Schützen am Abschluss hindern konnten (53.).

Doch auch die Gastgeber durften sich nicht lange über die Führung freuen, Haching schlug zurück: Bigalke bediente Luca Marseiler, dessen herrlicher Fernschuss landete im Kreuzeck (57.) - bereits das vierte Saisontor für den neuerdings so torgefährlichen Mittelfeldspieler. Anschließend beruhigte sich das Geschehen, erst in der Schlussphase erhöhte sich der Unterhaltungswert für die 5726 Zuschauer wieder: Einen Versuch von Undav faustete Königshofer aus der Gefahrenzone (83.), einen Drehschuss des eingewechselten Dominik Widemann lenkte SVM-Keeper Erik Domaschke über die Querlatte (90.+1). "Ein sehr schönes Fußballspiel", resümierte Schromm. Und auch sein Gegenüber Neidhart war begeistert: "Alles, was wir uns vorgenommen haben, ist aufgegangen."

Wieder traf Luca Marseiler mit einem Fernschuss.

(Foto: Joachim Sielski/Getty Images)

Nun läuft bei den Rot-Blauen die Vorbereitung auf den vermeintlichen Saisonhöhepunkt: Am Mittwoch (19 Uhr) kommt der TSV 1860 München in den ausverkauften Sportpark. Das wusste natürlich auch der Hachinger Edel-Fan Christian Neidhart: "Ihr habt ja ein Derby vor der Brust", sagte der Meppener Coach zu Schromm. Nach einer Freikarte hat er nicht gefragt.