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SpVgg Unterhaching nach der Niederlage:Psychologisch sehr ungünstig

Igel statt alter Hase: Beim 2:7 der SpVgg Unterhaching in Rostock rächt sich die verschleppte Vorbereitung auf die Saison.

Klaus Augenthaler ist ja eigentlich ein alter Hase im Fußballgeschäft, doch im Moment dürfte er sich eher vorkommen wie der Igel. Der Hase, das ist seine Mannschaft, und Augenthaler kommt zurzeit gar nicht mehr hinterher, den Unrat aus dem Weg zu schaffen, den der Hase da Woche für Woche produziert.

Fußball 3 Liga SpVgg Unterhaching- RW Ahlen Augenthaler Foto: Claus Schunk

(Foto: Claus Schunk +49 1716039668)

Vor dem Spiel bei Hansa Rostock hätte sich der Trainer der SpVgg Unterhaching wohl gefreut zu hören, dass seine Manschaft zwei Tore erzielt. Kein einziger Treffer war der Mannschaft in den ersten vier Spielen der Saison gelungen. Dann kam Marc Nygaard, das personifizierte Selbstvertrauen, der auch sofort mit dem Toreschießen begann und damit auch eine psychologische Lücke schloss. Vorne stimmt es nun, mit fünf Toren aus zwei Spielen. Aber eben nur noch vorne. 2:7 in Rostock, das bedeutet die höchste Niederlage Unterhachings in der dritten Liga. Und viel Arbeit für Augenthaler.

Auf dem Heimweg in Bus und Flugzeug kam es zu einem langen Gespräch zwischen Augenthaler und dem sportlichen Leiter Francisco Copado. Man werde Konsequenzen aus diesem Spiel ziehen, hieß es. Jeder müsse sich fragen, ob er der Mannschaft mit seinem Auftreten wirklich helfe.

Einigen Spielern wird diese Frage aber auch schon bei der Traineransprache am Sonntagvormittag beantwortet worden sein - es ist anzunehmen, dass beim nächsten Heimspiel am übernächsten Wochenende einige nicht mehr in der Startformation stehen werden, die in Rostock noch spielen durften. Erich Meidert war übrigens nicht mit an die Ostsee gereist, er befindet sich gerade auf einem Lehrgang in Frankfurt. Doch selbst das hätte den sonst so mitteilsamen Manager nicht davon abgehalten, einen Kommentar zum Spiel abzugeben. Es war das erste Mal, dass Manager Meidert gar nichts sagen wollte.

Das Spiel war für den neutralen Zuschauer sehr unterhaltsam. Denn Unterhachings zwischenzeitliche Führung durch Nygaard (10.) und den Zugang Abdenour Amachaibou (20.) hatte nur kaschiert, dass die Abwehr so viele Chancen zuließ wie noch nie in dieser Saison. "So eine Niederlage habe ich in 15 Jahren noch nicht erlebt", sagte Abwehrchef Torben Hoffmann, der mit einem Eigentor zum 4:2 zur hohen Niederlage beitrug. Natürlich gab es auch in diesem Spiel einen unglücklichen Auslöser, die Niederlage hätte nämlich auch verhindert werden können. In der 45. Minute erzielte Mohammed Lartey das 2:2, im Abseits stehend. "Das war psychologisch sehr ungünstig. Aber wir können solche Dinge wie den Ausgleich kurz vor der Pause noch nicht wegstecken."

Augenthaler hatte es schon mehrmals angesprochen: Seiner Mannschaft fehle noch das Selbstvertrauen. "Das Mittelfeld hat diesmal überhaupt nicht in die Zweikämpfe gefunden, in der Abwehr war jeder auf sich allein gestellt", sagte er. Unterhaching sah in diesem Spiel keine einzige gelbe Karte. Zynisch gesagt reichte es in der zweiten Halbzeit, als die Mannschaft fünf weitere Tore kassierte, nicht einmal zu einem Frustfoul.

Vor der Saison war viel davon die Rede gewesen, wie gut sich die Spieler bereits kennen gelernt hätten. Als soziale Maßnahme wurde das Mittagessen oft in die Kabine verlegt, Spieler übersetzten für die weit gereisten Zugänge die Anweisungen der Trainer. Doch insgesamt hat die SpVgg Unterhaching 16 neue Spieler verpflichtet, die wichtigsten erst in den vergangenen Tagen. Jetzt rächt sich die viel zu langsam abgelaufene Umstrukturierung des Vereins nach der Entlassung von Trainer Ralph Hasenhüttl und Teile des Vorstands im Frühjahr. Spieler wurden viel zu spät eingekauft, weil die Einkäufer selbst lange Zeit nicht feststanden. Und die ersten Reaktionen aus dem Verein lassen vermuten, dass man nun am liebsten die Hälfte der Spieler gerne wieder beurlauben würde.

Klaus Augenthaler ist nach dem 2:7 übrigens sehr ruhig geblieben. Er wird gut daran tun, es auch in den nächsten zwei Wochen zu bleiben.