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SpVgg Unterhaching:Mehr richtig als falsch

23.02.2020, xtgx, Fussball 3. Liga, Hallescher FC - SpVgg Unterhaching emspor, v.l. Haching nach Tor zum 0:1 durch Domi

Fingerzeig: Hachings Routinier Dominik Stroh-Engel zeigt in Halle, dass er nicht zwingend nur als Joker einiges bewegen kann.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Die Hachinger gewinnen eine verrückte Auswärtspartie in Halle 5:3. Dominik Stroh-Engel ist bis zu seiner Auswechselung an allen Situationen beteiligt - vorne wie hinten.

In Halle, das hatte Claus Schromm bereits vor dem Spiel erkannt, würde die SpVgg Unterhaching eine "spezielle Situation" erwarten. Die Hallenser, eigentlich als Aufstiegsaspirant in die Drittligasaison gestartet, sind nach vier Niederlagen in der Rückrunde in die Abstiegszone abgerutscht, der Tiefpunkt war erst am Montag das 1:6 beim FC Bayern II. Halle-Trainer Thorsten Ziegler hatte unter der Woche noch eine Gnadenfrist von einem Spiel bekommen, von "Endspielatmosphäre" war daher beim Halleschen FC die Rede gewesen. Auch deshalb hatte Hachings Coach vor dem Gastspiel im Osten vermutet: "Das bedeutet für uns, dass der Gegner scharf ist und es nicht einfacher für uns wird." Schromm sollte Recht behalten: Mit 5:3 gewannen die Unterhachinger ein verrücktes Auswärtsspiel gegen tapfer kämpfende Hallenser.

Im Vergleich zum 1:1 gegen Viktoria Köln in der Vorwoche baute Schromm seine Mannschaft auf drei Positionen um: Außenverteidiger Alexander Winkler und Jim-Patrick Müller rückten in die Mannschaft, und im Sturm bekam Dominik Stroh-Engel den Vorzug vor Stephan Hain. Stroh-Engel, zuletzt häufiger als Joker gefragt, wurde zum bestimmenden Faktor in der ersten Halbzeit, in die die Hachinger hervorragend starteten. Nach einer Ecke in der zweiten Minute und einiger Verwirrung im Strafraum der Gastgeber fiel der Ball Stroh-Engel vor die Füße, der ihn einschob. Der frühe Rückstand verunsicherte Halle sichtlich, Haching spielte unterdessen weiter munter nach vorne: In der sechsten Minute spielte Müller einen perfekten Pass auf Stroh-Engel, der Torwart Tom Müller überlupfte - kurz vor der Linie konnte Dennis Mast noch klären.

"Ich hoffe, ich hab mein Pulver für den Rest der Saison nicht verschossen", sagt Stroh-Engel

Unterhaching schaffte es immer wieder, mit Tempo in das vordere Drittel zu spielen und baute seine Führung in 14. Minute aus: Der agile Müller flankte von rechts genau auf den Kopf des einlaufenden Stroh-Engel, der sicher verwandelte. Das 2:0 in der Anfangsviertelstunde war vollkommen verdient, nur einmal kam Halle in der Folge gefährlich vors Tor der Hachinger, Nico Mantl parierte jedoch den Abschluss von Bentley-Baxter Bahn aus kurzer Distanz sehenswert (19.). Knapp zehn Minuten später wurde Stroh-Engels dritter Treffer aufgrund einer Abseitsposition abgepfiffen, dann traf der 34-Jährige doch noch einmal - allerdings auf der falschen Seite. Einen Eckball von Halle köpfelte der Stürmer völlig überraschend für Mantl ins eigene Tor und brachte Halle damit zurück ins Spiel.

Die ersten zehn Minuten nach der Pause gehörten schwungvollen Hallensern, die der spielerischen Überlegenheit der Hachinger nun vor allem Zweikampfhärte entgegensetzten. Die Spielvereinigung jedoch ließ sich nicht beeindrucken, sondern konterte über Felix Schröter, der Halles Innenverteidiger Sebastian Mai im Strafraum ausspielte und auf Stroh-Engel querlegte - der nun wieder ins richtige Tor traf (58.). In seinem 199. Drittligaspiel rückte der Stürmer drei Minuten später noch einmal in den Fokus, als er auf der eigenen Torlinie einen Abschluss von Mai klärte. Stroh-Engel wäre vermutlich noch an einer Vielzahl weiterer Torsituationen auf beiden Seiten des Spielfelds beteiligt gewesen, Schromm brachte jedoch in der 62. Minute Hain für den dreifachen Torschützen. "So ein Spiel kommt nicht alle Tage vor", kommentierte der Hachinger Stürmer seine eigene Leistung nach dem Spiel: "Ich hoffe, ich hab mein Pulver für den Rest der Saison nicht verschossen."

Wer dachte, ohne ihn würde das Spiel weniger spektakulär werden, sollte sich irren: Die Hachinger ließen sich nach der Auswechslung ihres Stürmers etwas weiter zurückfallen und lauerten auf Konter - das nutzte Halle jedoch aus. In der 72. Minute traf Bahn zum Anschlusstreffer, kurz darauf hätte sich Haching beinahe den Ausgleich zum 3:3 gefangen, Innenverteidiger Marc Endres konnte gerade noch klären. Dann folgte erneut ein hervorragender Konter der Hachinger: Dombrowka lief auf der rechten Seite frei durch und legte quer auf Hain, der zum 4:2 einschob (82.). Das Spiel schien entschieden, doch Halle steckte immer noch nicht auf: Der eingewechselte Jonas Nietfeld traf in der 89. Minute zum erneuten Anschluss und ermöglichte einige wilde Schlussminuten - mit dem besseren Ende für Unterhaching: In der zweiten Minute der Nachspielzeit war Schröter diesmal auf der linken Seite frei vor Müller und legte erneut quer auf Hain, der zum abschließenden 5:3 traf.

"Dass es kein normales Fußballspiel wird, war mir klar - dass es so krass wird, hätte ich nicht gedacht", sagte Schromm nach dem Spiel im Interview bei Magentasport. Die Hachinger mussten sich zwar ankreiden lassen, ihre offensive Überlegenheit defensiv nicht abgesichert zu haben, der Trainer wirkte bei seinem Fazit daher ein wenig zwiegespalten: "Wir haben heute unheimlich viel richtig und unheimlich viel falsch gemacht." Mit dem 5:3 ziehen die Hachinger in der Tabelle aber wieder auf einen Aufstiegsrang, dem Matchwinner war das jedoch nicht allzu wichtig: "Die Tabelle ist mir aktuell egal", sagte Dominik Stroh-Engel: "Wir wollen im April weiter da oben dabei sein, um dann vielleicht eine Chance zu haben."

© SZ vom 24.02.2020

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