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SpVgg Unterhaching:Maurer im Nebenberuf

Entgegen ihrem Naturell verlegt sich die Drittliga-Elf der SpVgg Unterhaching gegen Viktoria Köln aufs Verteidigen, vermeidet vor allem dank Torwart Nico Mantl ein Gegentor und gewinnt mit 2:0.

Claus Schromm blies beim Abpfiff kräftig die Wangen auf: Mit viel Glück, dank eines starken Keepers und einer effektiven Chancenverwertung war die Reise ins Rheinland gerade noch mal gut gegangen. Auch im fünften Spiel der neuen Drittligasaison blieb die SpVgg Unterhaching unbesiegt, feierte mit dem 2:0 (0:0) gegen Viktoria Köln den ersten Auswärtssieg und setzte sich mit elf Punkten in der Spitzengruppe der Tabelle fest. "Wir wussten schon in der Halbzeit, dass wir - wenn überhaupt - einen dreckigen Sieg mit nach Hause nehmen", sagte der Coach.

In der Tat hatte Haching zunächst nicht viel zu bestellen gegen den starken Aufsteiger. Zwar hätte Felix Schröter um ein Haar von einer Schlafmützigkeit von Hamza Saghiri profitiert, doch ehe der SpVgg-Stürmer den zu kurzen Rückpass zählbar verwerten konnte, war Torwart Daniel Mesenhöler auch schon aus seinem Kasten gesprintet, um die Situation zu klären (10.). Als nach nicht einmal 20 Minuten Flügelstürmer Luca Marseiler wegen einer Knieblessur raus musste (eine Diagnose wird es erst Anfang der Woche geben), sah es so aus, als würde das womöglich kein guter Nachmittag für die Rot-Blauen werden. Also tat die eigentlich stets offensiv orientierte Mannschaft in der Folgezeit das, was sie eigentlich nicht zu ihren Kernkompetenzen zählt: Sie verteidigte leidenschaftlich. Dementsprechend baff war Kölns Trainer Pavel Dotchev nach der Partie: "Ich hatte das Gefühl, Haching wäre auch mit einem Punkt zufrieden gewesen. Die haben richtig gemauert, so habe ich die noch nie spielen gesehen."

v li Hamza Saghiri Viktoria Köln 35 Sascha Bigalke Unterhaching 21 im Zweikampf Duell due

Voll dagegengestemmt: Unterhachings Sascha Bigalke (rechts) schmeißt seine 60 Kilogramm in den Zweikampf mit dem Kölner Hamza Saghiri. Die Rot-Blauen setzten sich nicht zuletzt dank Bigalkes Vorarbeit beim 1:0 und seines eigenen Treffers zum 2:0 in einem sehr engen Drittligaspiel mit etwas Glück durch und bleiben weiter ungeschlagen.

(Foto: Sven Leifer/Imago)

Die Viktoria kombinierte sich dennoch zu einigen Chancen, etwa als Simon Handle gut durchsteckte und Kapitän Mike Wunderlich am 19 Jahre alten SpVgg-Torwart Nico Mantl scheiterte (32.). Kurz danach zielte Top-Torjäger Albert Bunjaku aus 20 Metern flach am Tor vorbei (35.), dann zeichnete sich einmal mehr der glänzend aufgelegte Mantl aus, als er einen Gewaltschuss von Fabian Holthaus fachmännisch aus dem Toreck klaubte (40.). "Hut ab vor Viktoria, sie waren in der Offensive richtig stark", bilanzierte Haching-Trainer Schromm. "Aber im letzten Drittel fehlte es ihnen etwas an Effektivität, auch dank Nico Mantl, bei dem wir uns bedanken können, dass wir mit einem 0:0 in die Halbzeit kommen konnten."

Auch zu Beginn des zweiten Abschnitts gaben die Gastgeber die Richtung vor, Kevin Holzweiler zog die Kugel vom rechten Strafraumeck knapp am langen Winkel vorbei (47.), nach einem Fehler von Alexander Winkler verfehlte auch Bunjaku noch einmal den Kasten der Hachinger (55.).

Dann hatte die Viktoria ihr Pulver verschossen. Und zwar endgültig.

Es folgte Wunderlichs Ballverlust in der Vorwärtsbewegung gegen Moritz Heinrich und dessen gutes Anspiel für Sascha Bigalke. Der Spielmacher setzte abermals Heinrich ein, der Torwart Mesenhöler zunächst anschoss, aber im zweiten Versuch überwand und zum 1:0 für die Gäste abschloss (63.). "Überragende Balleroberung von Moritz und dann macht er zwar den ersten nicht, aber den zweiten. Er hat also Tor und Vorlage selbst erledigt", sagte Bigalke hernach. Und Torschütze Heinrich ergänzte nach seinem dritten Saisontor: "Wenn es läuft, dann hat man auch mal ein bisschen Glück und man macht die Dinger rein."

Kader komplett

Fußball-Drittligist SpVgg Unterhaching ist noch einmal auf dem Transfermarkt tätig geworden: Von Werder Bremen II kommt Stürmer Florian Dietz, 21. Der gebürtige Franke sei schon seit zwei Jahren auf der Liste der Hachinger gestanden, sagte der Leiter Entwicklung und Kaderplanung, Steffen Galm. "Er ist körperlich sehr robust, hat ein gutes Kopfballspiel und ist schnell", so Galm weiter. Damit sei die Kaderplanung abgeschlossen. SZ

Die Kölner fielen nach dem 0:1 wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Keine sechs Minuten später schickte Schlussmann Mantl mit einem langen Ball Bigalke auf die Reise, am gegnerischen Sechzehner legte er für Christoph Ehlich ab, erhielt die Kugel zurück und knallte sie kraftvoll ins linke untere Eck. Bigalkes erstes Drittligator seit dem 23. Dezember 2018 - entsprechend erleichtert brüllte der gebürtige Berliner seine Freude heraus.

Kurz danach hätte er gar noch den Doppelpack schnüren können, nach Querpass von Schröter tauchte er einsam vor Mesenhöler auf, seinen Heber fischte der Keeper aus der Luft (76.). Am Hachinger Sieg war nicht mehr zu rütteln und Schromm konnte zurecht dicke Backen machen: "Die zweite Hälfte lief besser als die erste. Aber wenn wir vorher in Rückstand geraten wären, hätte es anders ausgesehen."

Angesichts des starken Starts stellte sich die Frage, ob die SpVgg nun schon zum Kreis der Aufstiegsanwärter zu zählen sei. "Es ist viel zu früh, um hier eine Prognose abzugeben", sagte der aus Münster geholte Moritz Heinrich. "Wir haben hier in Köln mit viel Glück drei Punkte mitgenommen, nach so einem Spiel kann man wirklich nicht sagen, dass wir ein Aufstiegsfavorit sind." Sascha Bigalke ließ sich auch nicht festlegen, stellte aber immerhin fest, dass er "glücklich" sei, in "so einer coolen Mannschaft" zu spielen. "Ich glaube schon, dass wir dieses Jahr viel erreichen können." Und Markus Schwabl erinnerte an die chronische Schwäche der SpVgg im Frühjahr. "In der Hinrunde sind wir eigentlich immer gut. Aber natürlich kann ein geglückter Start eine Eigendynamik auslösen."