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SpVgg Unterhaching:Mit X-Faktor

v li Felix Schröter Schroeter Unterhaching 29 Stefan Schimmer Unterhaching 11 mit Torjubel

Drin ist das Ding: Felix Schröter freut sich sichtlich über sein erstes Drittligator, Vorbereiter Stefan Schimmer (Nummer 11) dreht lässig ab. Die SpVgg Unterhaching schließt die englische Woche mit einem 1:0-Sieg gegen Rostock und sieben Punkten aus drei Partien ab.

(Foto: Sven Leifer/imago images/foto2press)

Die Schromm-Elf siegt sich auch ohne zahlreiche Stammspieler gegen Hansa Rostock in Richtung Tabellenspitze. Nach der Zwangs-Pokalpause werden die meisten Routiniers zurückerwartet.

Paul Grauschopf zögert kurz. "Also, in einem Spiel war ich damals gesperrt, im anderen Spiel, äh...", der Verteidiger der SpVgg Unterhaching beginnt zu grinsen, "ist doch egal, wer da die Duelle gewonnen hat." Damals spielte Grauschopf noch für den FC Ingolstadt II, und der Gegenspieler namens Felix Schröter erzielte das 2:0 für den FV Illertissen in der Nachspielzeit. Am Samstag standen die beiden gemeinsam auf dem Spielfeld: Grauschopf gab sein Debüt, Schröter schoss sein erstes Tor für die SpVgg, zudem noch das einzige des Tages. Und was Grauschopf einst eine Liga drunter gegen Schröter nicht gelang, das gelang diesmal: ein zu Null gegen Hansa Rostock.

Dank des knappen 1:0-Sieges steht Unterhaching richtig gut da in der Tabelle, mit gerade einmal zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Ingolstadt. Und das mit jungen Spielern im Team, die vergangene Saison noch unterklassig spielten und maßgeblich am Erfolg am Samstagnachmittag beteiligt waren. "Grauschopf hat seine Sache richtig gut gemacht", sagte Trainer Claus Schromm über den Verteidiger. Und über Angreifer Schröter sagte er: "Felix wird X genannt, gut, das Tor muss er auch machen." Denn der Treffer war vom fleißigen Luca Marseiler und von Stefan Schimmer gut herausgespielt. Für den X-Faktor steht dann auch gar nicht Schröter alleine, sondern all jene, die derzeit für verletzte Spieler einspringen: "Was wir da in der Breite haben, das wird richtig spannend", sagt Schromm, der damit seinem Team großes Potenzial bescheinigt. "Das glaubt dir Anfang August keiner", merkte der Trainer dann noch an, "aber wir haben im April gesehen, dass das Jahr brutal lang ist, und dementsprechend sind wir breiter aufgestellt." Die Transfers sind also eine Reaktion darauf, dass der Mannschaft im Frühjahr die Luft ausging. So setzte Schromm bewusst den 20-jährigen Debütanten Grauschopf als vertrauensbildende Maßnahme ein, obwohl in Alexander Winkler noch ein Erfahrener für die Position bereitgestanden wäre - Winkler spielte auf der linken Seite. "Unverhofft kommt oft", sagte Grauschopf deshalb, er habe nicht so früh in der Saison mit seinem ersten Einsatz gerechnet. Ihm werde es nun aber auch nicht einfallen, irgendwelche Ansprüche zu stellen.

Zwei Siege, zwei Unentschieden: Die SpVgg liegt nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Ingolstadt

Beachtlich ist bei den Hachingern aber nicht nur, dass junge Spieler in die Bresche springen - sondern dass die Mannschaft auf Rang fünf steht, ohne dass die wichtigsten Spieler der vergangenen Saison derzeit eingreifen könnten. Gegen Rostock fehlte ein Spielmacher mit Bundesliga-Erfahrung (Sascha Bigalke), ein ehemaliger Zweitliga-Angreifer (Stephan Hain) und ein Innenverteidiger mit 150 Drittliga-Partien (Marc Endres), dazu mussten noch Max Dombrowka und Kapitän Josef Welzmüller passen. Außerdem bereitet sich in Angreifer Dominik Stroh-Engel, der vergangene Woche verpflichtet wurde, ein weiterer Routinier auf seinen ersten Einsatz vor. Und trotzdem sprach Schromm von der "konstantesten Leistung" seit dem Saisonstart, über 90 Minuten gesehen.

Ein paarmal hatte die oft so löchrige Hachinger Abwehr (sieben Gegentore in drei Spielen) auch gegen Rostock Glück gehabt. Der ehemalige Sechziger Korbinian Vollmann traf in der 69. Minute die Latte, und Grauschopfs Nebenmann, Christoph Greger, schrammte nach einer Viertelstunde nur knapp an einer roten Karte vorbei: Er berührte bei einer Grätsche den Rostocker Pascal Breier, der sonst auf Haching-Keeper Nico Mantl zugelaufen wäre. Breier fiel nicht, kam aber eben auch nicht mehr zum Abschluss. Aber im Nachhinein musste selbst Rostocks Trainer Jens Härtel zugeben, dass die Gastgeber mehr klare Chancen gehabt hätten als seine eigene Mannschaft. So traf Moritz Heinrich mit einem verdeckten Schuss nur den Außenpfosten (26.), unmittelbar nach der Führung wartete Marseiler freistehend zu lange mit einem Torabschluss (31.). Schröter scheiterte dann auch noch im Eins-gegen-eins-Duell an Rostocks Torwart Markus Kolke (72.). Und in der Schlussphase passierte dann erstaunlich wenig vor dem Unterhachinger Tor, Rostock brachte zwar eine Vielzahl an Ecken und Flanken in den Strafraum, dabei brannte aber dank des Unterhachinger Stellungsspiels wenig an. "Es ist schon ein megageiles Gefühl, gerade wenn das Spiel 1:0 ausgeht", sagte Torschütze Schröter.

Rostock spielt nun im DFB-Pokal gegen Stuttgart, die SpVgg im Totocup in Utzenhofen

Während Rostock am kommenden Montag im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart antritt, hat Unterhaching spielfrei, sie sind nicht qualifiziert. "Das ist in Bayern leider ziemlich schwierig", sagt Schromm. Man tritt lediglich beim nächsten Versuch zur Qualifikation am Dienstag im Toto-Pokal beim Kreisligisten Utzenhofen an (18.30 Uhr). Stürmer Hain wird da noch fehlen, doch schon bald kehren alle Routiniers zurück. Nächste Woche geht es zu einer Teambuilding-Maßnahme ins Tessin. Wenn man den bereits gut integrierten Paul Grauschopf und Felix Schröter zuhört, scheint das eigentlich kaum noch nötig zu sein.