SpVgg Unterhaching GmbH & Co. KGaA Unterhaching

Von wegen stiller Teilhaber: Manfred Schwabl ist mit 700 000 Euro an der SpVgg Unterhaching beteiligt, seit er den Verein 2013 vor der Insolvenz rettete. Er wird 25 Prozent der neuen Gesellschaft halten, wenn die Ausgliederung vollzogen ist.

(Foto: Claus Schunk)

Einige Jahre lang lag der Plan auf Eis, nun hält Präsident Manfred Schwabl die Zeit für gekommen, den Profifußball aus der SpVgg Unterhaching auszugliedern.

Von Stefan Galler, Unterhaching

Die Idee gibt es seit gut 15 Jahren, konkret wurde sie erstmals 2010: Damals verkündete Engelbert Kupka, dass die SpVgg Unterhaching, deren ewiger Präsident der Jurist seinerzeit war, ihre Profiabteilung 2011 aus dem Fußballverein ausgliedern wolle. Das Ziel: sich zukunftssicher aufzustellen. Der langjährige Hauptsponsor Generali war als Geldgeber ausgestiegen, ein angeblich finanziell potenter Nachfolger erwies sich als Hochstapler, der den Klub mit falschen Versprechungen beinahe in die Insolvenz getrieben hätte. Nun wollte man also sicherstellen, dass im Falle neuerlicher Geldnöte der Spielbetrieb von Jugend und Amateuren nicht beeinträchtigt würde.

Zu diesem Schritt kam es dann aber nicht. Warum, kann Kupkas Nachfolger Manfred Schwabl auch nicht genau sagen. Der 52 Jahre alte Präsident hat die Pläne allerdings seit seiner Amtsübernahme im Sommer 2012 nie aus den Augen verloren. Nun hält er die Zeit für gekommen, die Ausgliederung zu vollziehen: Bei der Jahreshauptversammlung am 13. Dezember soll es so weit sein. Um sich ein Stimmungsbild bei den Mitgliedern zu verschaffen und diesen die konkreten Pläne vorzustellen, hat das Präsidium zuletzt zu einem Informationsabend in die neue Unterhachinger Alm neben dem VIP-Gebäude im Sportpark gebeten - etwa 100 Personen folgten der Einladung, auch die Drittligamannschaft samt Trainerstab war fast komplett anwesend. "Mir war wichtig, direkt den Mitgliedern gegenüber Ross und Reiter zu nennen und ihnen die Möglichkeit zu geben, alle relevanten Fragen zu stellen", erläutert Schwabl. Und der Abend sollte in seinem Sinne verlaufen: Es wurden keine Zweifel an der Richtigkeit der Strategie geäußert, eine formlose Abstimmung endete einstimmig.

"Wir werden bestimmt nicht irgendwen reinholen, nur um schnelles Geld zu verdienen."

Die Pläne der Vereinsführung sehen im Detail folgendermaßen aus: Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb, betreffend die Jugendmannschaften von der U16 bis zur U19 sowie den Profikader, wird aus dem Verein ausgegliedert - und zwar als GmbH & Co. mit einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Dass ab der U16 ausgliedert wird, liegt daran, dass man von diesem Jahrgang an Verträge schließen kann. Allerdings nur, wenn ein Nachwuchsleistungszentrum betrieben wird, sonst geht der "bezahlte Fußball" frühestens bei 18-Jährigen los. Alle konsultierten Betriebsprüfer, Finanzfachleute und Notare hätten dazu geraten, den Schnitt in diesem Jahrgang anzusetzen, so Schwabl.

Der Vorteil einer Ausgliederung liegt auf der Hand: Einem eingetragenen Verein kann bei entsprechenden Verstößen gegen das Vereinsrecht die Gemeinnützigkeit abgesprochen werden, was in der Regel heftige Steuernachzahlungen zur Folge hat. Im Extremfall droht Vereinen, die ihre Profiteams nicht ausgliedern, sogar die Löschung aus dem Vereinsregister. Und mit der Löschung haften plötzlich alle Mitglieder gegenüber den Gläubigern des Vereins, in erster Stelle die ehrenamtlichen Vorstände. All das ist mit der Gründung einer Kapitalgesellschaft vom Tisch. Trotz dieser offensichtlichen Notwendigkeit haben viele millionenschwere Bundesligaklubs wie Schalke 04, Mainz 05 oder Freiburg den Schritt noch nicht vollzogen, Experten sehen das wegen der wirtschaftlichen Risiken kritisch.

Im Fall der SpVgg Unterhaching wird das Grundkapital mit drei Millionen Euro angesetzt, hauptsächlich bestehend aus dem Marktwert des Drittligakaders. Schwabl selbst soll Geschäftsführer der neuen Gesellschaft werden und zudem 25 Prozent der Anteile halten. Der ehemalige Bundesligaprofi hatte bereits 2013 insgesamt 700 000 Euro in den Klub gesteckt, um ihn vor der Pleite zu retten. Damit ist er seit damals "stiller Teilhaber". Bei einer Ausgliederung hat ein solcher Teilhaber nun mehrere Möglichkeiten: Er kann sich seinen Beitrag auszahlen lassen, aber auch einer Ausgliederung widersprechen. Oder aber er erhält eine Beteiligung an der KGaA. "Das ist in meinem Fall die einzig logische Alternative, denn ich will diese Ausgliederung ja und bleibe damit aber voll im Risiko", sagt Schwabl.

Andererseits bleibt ihm so auch die Möglichkeit erhalten, dass er sein Investment eines Tages zurückerhält, beispielsweise, wenn Investoren gefunden werden und der Verein sich auch sportlich positiv entwickelt, wenn er also irgendwann den Sprung in die zweite Liga schafft. "Denn ob ich so wie jetzt in Liga drei 900 000 Euro oder acht Millionen Fernsehgeld bekomme, macht doch einen erheblichen Unterschied", erklärt Schwabl.

Was potenzielle Geldgeber angeht, versuchte der Präsident, den Mitgliedern bei der Informationsveranstaltung die Angst zu nehmen: "Wir werden bestimmt nicht irgendwen reinholen, nur um schnelles Geld zu verdienen. Von unserem Konzept der Bodenständigkeit, Nachwuchsarbeit und Regionalität rücken wir nicht ab." Ein Investor hat nämlich in einer KGaA kein Mitspracherecht, es entscheidet alleine die Geschäftsführung und damit der Verein, der zu 100 Prozent die GmbH hält.

Die Hachinger werden ihre Vereinsspitze im Zuge der Ausgliederung umstrukturieren. Schwabl kandidiert wieder als Präsident, von seinen vier Vorstandskollegen soll der bisherige Vize Dirk Monheim in den neu zu konstituierenden Aufsichtsrat wechseln. Dort trifft er dann auf Steuerberater Robert Perchtold, früher bereits Schatzmeister im Klub. Ein Vereinsrat unter der Leitung von Christoph Hütt und Ex-Präsident Engelbert Kupka wird künftig den bisherigen Wahlausschuss ersetzen. Kupka zeigte sich bei der Informationsveranstaltung von Schwabls Plänen begeistert: Er könne der Mitgliederversammlung nur empfehlen, dem Modell zuzustimmen.

Gegner der Ausgliederung haben nun bis zum 13. Dezember Zeit, sich gegen die Pläne zu formieren. "Wenn sich eine Mehrheit findet, die die Ausgliederung ablehnt, dann müssen wir halt den Profifußball infrage stellen", sagt Schwabl. Er macht kein Hehl daraus, dass er das für den falschen Weg halten würde.