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SpVgg Unterhaching:Fleisch vom eigenen Fleisch

Trainer Marc Unterberger SpVgg Unterhaching BJ Fussball B Junioren Bundesliga 17 11 2018; Fußball

Marc Unterberger.

(Foto: imago/Lackovic)

Der Klassenerhalt der U17 war für die Nachwuchsphilosophie des Drittligisten essenziell. Trainer Marc Unterberger hat sich damit praktisch unverzichtbar gemacht.

Auf der Heimfahrt übernahm der Präsident persönlich das Kommando. Manfred Schwabl, 53, heizte der Jugend mit seiner Playlist im Mannschaftsbus ordentlich ein. "The Winner Takes it All", Abba, war der erste Kracher, den die U 17 der SpVgg Unterhaching zu hören bekam. Ein passender Song, schließlich hatten die B-Junioren der SpVgg gerade beim Karlsruher SC 2:0 gewonnen und damit den Klassenerhalt in der Bundesliga Süd/Südwest fixiert. "Es war wirklich unglaublich für die Jungs, wie der Manni mitgegangen ist", sagt U-17-Trainer Marc Unterberger. "Der Zusammenhalt im Verein ist einfach unbeschreiblich."

Diese Einheit sei ein wichtiger Baustein des Erfolgs seiner Mannschaft, sagt Unterberger. Denn nicht nur Schwabl war am Tag des entscheidenden Spiels mit dem 6.45-Uhr-Zug nach Karlsruhe gereist, sondern auch Cheftrainer Claus Schromm. Und tauschte sich in der Halbzeit (0:0) mit dem U-17-Coach aus. Offenbar mit Erfolg. Dominik Bacher erzielte nach Wiederanpfiff das 1:0 für Haching (49.), eine Viertelstunde später machte Marcel Sieghart den Klassenerhalt klar. "Wir mussten damit rechnen, dass unser Konkurrent Heidenheim auch gewinnt, deshalb haben wir den Jungs eingeschärft, dass wir auf Sieg spielen, weil es dann egal ist, was auf den anderen Plätzen passiert", sagt Unterberger. Nach 20 Minuten mit "wackligen Knien" habe man die Partie in den Griff bekommen. Unterberger hat unterklassig beim SV-DJK Taufkirchen und beim TuS Holzkirchen gespielt. Nach zwei Kreuzbandrissen beendete er seine Karriere mit 20. Parallel begann er schon mit 15 als Co-Trainer von Michael Marseiler in Taufkirchen. "Damals habe ich Luca und seinen Bruder Janis Marseiler trainiert. Jetzt ist der eine Profi in Haching, der andere wechselt von Pullach zum Viertligisten Garching, und ich bin U-17-Trainer bei der SpVgg. Schon irgendwie verrückt", sagt Unterberger.

2010 holte der langjährige Jugendcoach Hans Reitinger den damals 22-Jährigen zur U11. In den folgenden Jahren hatte er mal den 1998-er Jahrgang, mal den 1999-er. "Ich kenne die Jungs im Verein praktisch alle, es ist ein riesiger Vorteil, dass ich so weit unten eingestiegen bin", sagt Unterberger. Seit 2013 ist der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann fest bei der SpVgg angestellt. Und er ist dort nicht nur in der Jugendarbeit engagiert. "Im Vereinsleben musste du mal links, mal rechts schauen, ob etwas zu tun ist. Ich bin mir auch nicht zu schade, mal ein paar Stunden hinter dem Tresen zu stehen."

Sein Standing im Klub ist nicht nur durch den jüngsten Erfolg riesig: "Marc ist aus unserem Nachwuchsleistungszentrum nicht mehr wegzudenken", sagt Claus Schromm. Immerhin war es Unterberger, der Karim Adeyemi einst vom TSV Forstenried nach Haching holte. 2018 ging der damals 16-Jährige für eine siebenstellige Ablösesumme zu Red Bull Salzburg.

Auch um solche Talente zu entwickeln, habe es für den Verein eine enorme Bedeutung, in der U-17-Bundesliga zu spielen: "Das ist noch wichtiger als bei der U 19", sagt Schromm. Wer aus der A-Jugend in den Seniorenbereich aufrückt, trainiert in Haching zumeist bei den Profis des Drittligisten mit und kann dank der neuen Kooperation mit dem Regionalligisten 1860 Rosenheim auch Spielpraxis im harten Männerfußball sammeln. "Deshalb sind wir davon abgekommen, dass die U 19 in der Bundesliga dabei sein muss", sagt Schromm.

Der gesamte Verein habe mit der U17 gezittert, sagt Schromm. Als er am vorletzten Spieltag am Gardasee weilte, habe er seine Fahrradgruppe ständig aufgehalten: "Ich musste alle paar Minuten schauen, wie es bei den Jungs steht." Die Saison war jedenfalls ein wilder Ritt, wie Trainer Unterberger betont: "Wir haben viel auf die Fresse bekommen, hatten mit vielen Verletzungen zu kämpfen und auch Pech mit Schiedsrichterentscheidungen. Aber am Ende war das Glück auf unserer Seite."

Mittlerweile hat Unterberger die A-Lizenz gemacht. Er verspüre keinen Druck, möglichst schnell auch noch das Fußballlehrer-Zertifikat zu erwerben. "Aber wenn der Klub irgendwann daran interessiert sein sollte, mache ich das natürlich gerne." Der 30-Jährige ist bescheiden und bodenständig und passt damit zum erklärten Klubmotto. Unterberger trägt die Philosophie voll mit. "Ein Spieler muss zum Verein passen. Wir könnten zum Beispiel mit sozialen Problemfällen gar nicht wirklich umgehen, weil uns dazu die Mittel fehlen. Bei Bayern arbeitet im Nachwuchsleistungszentrum eine ganze Gruppe Pädagogen, die sich nur darum kümmern."

Unterberger selbst hat immerhin zwei Unterstützer, die ihm so wichtig sind, dass er sie unbedingt erwähnt wissen will: Sein Co-Trainer Wolfgang Sonnenhauser, der in Schnaitsee im Kreis Traunstein wohnt, fahre 40 000 Kilometer im Jahr, nur um bei jeder Trainingseinheit dabei zu sein. Und Teammanager Christian Schreyer arbeitet für BMW in Kaliningrad, hat sich bei seiner Versetzung nach Russland im Januar jedoch 20 Freiflüge in den Vertrag schreiben lassen. Prompt war er in der Rückrunde bei jedem Spiel dabei. "Er ist so wichtig, weil er der Abfangjäger bei uns im Team ist, mit dem die Jungs über ihre Probleme reden können", sagt Unterberger. "Aber wenn er nächste Saison zu allen 26 Spielen rüberfliegt, dann lasse ich ihn einweisen."