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SpVgg Unterhaching:Der Freitagabend-Fluch

Markus Schwabl (Unterhaching, 23) nach Spielende enttäuscht schauend, Enttäuschung, Frustration, disappointed, pessimist

Die Frage sei schon ziemlich „bescheuert“: SpVgg-Abwehrspieler Markus Schwabl reagiert dünnhäutig auf die These, dass bei Heimspielen zuletzt oft das Selbstvertrauen fehlte.

(Foto: imago images/foto2press)

Die SpVgg Unterhaching verpasst durch die Derbyniederlage gegen Bayern II den Sprung an die Drittligaspitze - und benötigt nun dringend ein Erfolgserlebnis.

Die Frage sei ja dann schon ziemlich "bescheuert", befand Markus Schwabl. Wieso sollte man denn als Fast-Tabellenerster eingeschüchtert sein, wenn man zu Hause spielt? Der lauf- und oft auch lautstarke Abwehrspieler des Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching befand am späten Freitagabend, dass der Gegner es "einfach gut gemacht" und man selbst diesem Gegner zu viele Räume gelassen habe. Fest stand aber auch: Die sonst so starke Hachinger Abwehr hatte in mehreren Phasen des Freitags-Derbys kein Mittel gefunden gegen die beste Rückrunden-Mannschaft: den FC Bayern München II. Der Aufstiegsaspirant war oft nur hinterhergelaufen.

Klar, eine Riesenchance habe man verpasst, und deswegen war Schwabl dann auch hauptsächlich so verärgert. Wem die Drittliga-Tabelle noch nicht verrückt genug ist, der kann sich zusätzlich die Rückrunden-Tabelle dieser Liga ansehen: Da steht zum Beispiel der MSV Duisburg, aktuell immer noch Erster, nach sieben Spielen auf Rang 16. Es scheint einfach kein Muster zu geben, das man anlegen könnte, um der Unberechenbarkeit der dritten Liga Herr zu werden, außer vielleicht eines: Wenn eine Spitzenmannschaft am Freitagabend die Möglichkeit hat, vorzulegen, dann scheitert dieses Team fast immer.

Diesmal waren die Hachinger dran, die sich so sehr gewünscht hatten, wenigstens auf Platz eins zu übernachten. Da wirkte es fast schon prophetisch, was Abwehrchef Marc Endres gleich nach der Partie sagte, obwohl es eigentlich banal war: Wenn die Spitzenmannschaften patzten, "dann rücken die aus dem Mittelfeld nach. Es wird immer enger". In der Tat waren am Sonntagnachmittag einige Teams nachgerückt, die Spitzenteams hatten allesamt verloren, Unterhaching ist immer noch Zweiter.

Dem einen oder anderen Spieler war durchaus anzumerken, dass der Frust tief saß nach dieser vierten Saisonniederlage. Weil sie verdient war, und das sind sie in Unterhaching nicht gewöhnt. Auffällig war am Freitagabend, dass es wieder einmal in einem Derby nicht gelang, am Schluss noch eine Schippe draufzulegen, obwohl das generell immer recht gut klappt. "Ich glaube, durch den Aufwand, den wir am Schluss betrieben haben, wäre ein Unentschieden drin gewesen. Im Großen und Ganzen aber muss ich sagen: Das reicht nicht", sagte Schwabl über die Schlussphase, in der die Hachinger zwar das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagern konnten - mehr aber auch nicht. Und während es die Bayern schafften, den wegen einer fragwürdigen roten Karte fehlenden Topstürmer Kwasi Wriedt erfolgreich zu ersetzen - Jungprofi Jann-Fiete Arp erzielte in der 24. Spielminute das Siegtor - zeigten die Unterhachinger Angreifer ungewohnte Abschlussschwächen. So vergab Dominik Stroh-Engel kurz vor der Pause nach einem Traumpass von Sascha Bigalke die beste Chance zum Ausgleich (39.), und Stephan Hain versprang in der 80. Minute in aussichtsreicher Position eine hart gespielte Hereingabe.

Darüber hinaus stand die Erkenntnis, die zurzeit für alle Gegner von Bayerns U23 gilt: "Die Bayern sind einfach zu schnell für diese Liga", erkannte Unterhachings Trainer Claus Schromm neidlos an. Obwohl der eigene Kader sehr breit aufgestellt ist und oft viele Verletzungen kompensiert werden können, war das fehlende Tempo im Spiel gegen diesen Gegner besonders auffällig. In der Defensive etwa in jener Szene, in der Bayerns Wooyeong Jeong das Siegtor vorbereitete und dabei nur von der Werbebande neben dem Tor gestoppt werden konnte; im Spiel nach vorne, wenn es ein ums andere Mal wieder nicht gelang, den Plan umzusetzen, der da heißt: Überzahlsituationen auf den Flügeln schaffen. Luca Marseiler wird als flinker Spieler an der Seite schon seit dem vergangenen Sommer schmerzlich vermisst. Ob er allerdings gleich wieder zu alter Form finden wird, wenn er nun bald wieder im Kader steht, erscheint fraglich.

Trainer Schromm hatte vor dem Spiel den offiziellen Kampf um den Aufstieg ausgerufen. Wenn man so spät in der Saison noch oben dabei sei, sagte er, wolle man auch oben bleiben. Und der 50-Jährige hat den Eindruck, dass seine Mannschaft auch mental bereit dafür sei. Dass dies wirklich so ist, muss sie am kommenden Samstag beim Chemnitzer FC unter Beweis stellen. Routinier Endres jedenfalls schien gewappnet, er wirkte nach dem 0:1 recht gelassen. So was kommt doch vor, sagte er, und merkte dann noch an: "Wenn wir uns davon beeindrucken lassen, dann haben wir es eh nicht verdient." Die gute Nachricht für den kommenden Spieltag: Tabellenführer MSV Duisburg muss vorlegen. Am Freitagabend.

© SZ vom 02.03.2020

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