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SpVgg Unterhaching:Das Kreuz wird breiter

Torschützen unter sich: Die Hachinger Jim-Patrick Müller und Felix Schröter bejubeln das 1:0.

(Foto: Claus Schunk)

Die SpVgg Unterhaching schwingt sich dank Patzern der Konkurrenz zum Spitzenreiter auf. Spielerisch bleibt auch beim Erfolg gegen Großaspach noch Luft nach oben.

Die Anhänger auf der Südtribüne waren stets gut informiert. Nach 19 Spielminuten sangen sie zum ersten Mal "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey", dann aber erst wieder in der 83. Minute, als der Hallesche FC zu Hause gerade wieder seine Führung einbüßte. Vor allem riefen sie es nach dem Schlusspfiff, während die Spieler der SpVgg Unterhaching eine Kette bildeten und dazu hüpften. Die Gegner hatten allesamt gepatzt. 2:0 gegen die SG Sonnenhof Großaspach, "Wiesn-Anstich, Sonnenschein, drei Punkte, Dankeschön", so fasste Trainer Claus Schromm den perfekten Samstagnachmittag zusammen.

Blieb allerdings die Frage, ob Unterhaching wie ein Spitzenreiter aufgetreten war. Ob ein Sieg verdient sei oder nicht, das sei immer sehr schwer zu beantworten, sagte der Trainer, noch vor ein paar Monaten habe man sich als Verlierer diese Frage sehr oft gestellt, und als Verlierer könne man sie wohl auch besser beantworten. In diesem Fall also Sonnenhof Großaspach. "Wir waren felsenfest überzeugt, dass wir hier gewinnen", sagte deren Trainer Oliver Zapel, diese Einstellung habe sich auch in der Kabine kurz vor Anpfiff gehalten. Und in den ersten Spielminuten wohl auch. Da klärte Hachings Christoph Greger in großer Not per Bogenlampe zur Ecke (2.), Torwart Nico Mantl beförderte den Ball per Befreiungsschlag aus der Gefahrenzone (2.), danach schoss er ihn aus purer Ratlosigkeit ins Seitenaus (3.). Kurz: Haching kam nicht viel besser ins Spiel als schon am vergangenen Montag beim glücklichen 2:1-Erfolg über den Chemnitzer FC.

Doch dann erkämpfte sich Hachings Mittelfeldspieler Jim-Patrick Müller am Strafraumrand einen verlorenen Ball zurück und traf perfekt ins linke untere Eck (14.). Fünf Minuten später landete der Ball an der exakt gleichen Stelle, als Felix Schröter aus spitzem Winkel das 2:0 erzielte - zwei Chancen, zwei Tore. Großaspachs Coach Zapel stand ungläubig am Seitenrand, die Hände hatte er in die Hüften gestemmt. Das durfte alles nicht wahr sein. Zumal die Gäste Sekunden vor dem Hachinger 1:0 einen Elfmeter hätten bekommen können, Paul Grauschopf hatte im Kampf um den Ball Eric Hottmann geschubst (13.). "Kann man geben", sagte Schromm, der den Ärger des Trainerkollegen nachvollziehen konnte.

Immerhin brachten die beiden Tore den Hachingern Selbstvertrauen. Es sah aus, als würden sie noch vor der Pause das 3:0 nachlegen. Doch diesmal fehlte bei Dominik Stroh-Engel, dem Helden vom Montag, die Genauigkeit im Abschluss, vor allem fehlte sie bei Hereingaben von der Seite und auch diesmal häufig schon im Aufbau. "Das war die Woche nicht so gut. Aber schön, dass wir noch an was zu arbeiten haben", sagte Torschütze Müller. Im Spiel nach vorne vernachlässigte Haching oft auch das zentrale Mittelfeld, die Angriffe über die Seiten wurden dadurch ausrechenbar. "Wenn wir die Pässe präzise spielen, ist das kein Problem", glaubt Müller.

Er musste ebenfalls bescheinigen, dass es in der Schlussphase noch einmal "ungemütlich" hätte werden können. Dass es nicht so kam, lag an den teilweise erschreckend schlechten Torabschlüssen der Großaspacher, die zu zahlreichen Chancen kamen. Vor allem lag es an Torwart Nico Mantl. "Da wächst etwas", sagte Hachings Vizepräsident Peter Wagstyl, als Mantl gerade in die Kabine ging. Und weil der 1,93 Meter lange Mantl schon 19 ist und nicht mehr wachsen wird, konkretisierte Wagstyl: "Das Kreuz wird breiter." Mantl zeigte zwar auch eine grobe Unsicherheit (61.), die er gerade noch selbst ausbügelte. Ansonsten aber flog und hechtete die neue Nummer eins im Hachinger Tor recht souverän durch die Luft. Über die Eins-gegen-eins-Situationen, in denen er Sieger blieb, sagte er: "Wenn man sich groß und breit macht und ruhig bleibt, ist vielleicht nur noch 20 Prozent Glück dabei."

Der Sache mit der Tabellenführung wollte Schromm übrigens nicht allzu viel Bedeutung beimessen: "Das waren wir letzte Saison auch mal." Wichtiger sei, dass man auf schlechte Zeiten besser vorbereitet sei als damals. Zum Beispiel sei man in Sachen Torschützen breiter aufgestellt, Topstürmer Stephan Hain habe noch gar nicht getroffen. Am Samstag fehlte auch der einst unentbehrliche Sascha Bigalke. Mit einem ausgeglichenen, breiten Kader ist so etwas möglich. Und das spricht dann eher dafür, dass Haching eine Spitzenmannschaft bleibt, als die aktuelle Leistung.