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SpVgg Unterhaching:Das Glück der Tüchtigen

v.li.: Alexander Winkler (SpVgg Unterhaching), Moritz Heinrich (SpVgg Unterhaching), Dominik Stahl (SpVgg Unterhaching)

Jubelnd am Boden: Alexander Winkler, Moritz Heinrich und Dominik Stahl (von links) freuen sich nach dem Schlusspfiff über drei glücklich errungenen Punkte bei den Würzburger Kickers.

(Foto: Frank Scheuring/foto2press/imago)

Ein Elfmeter, ein langer Ball: Der 2:1-Sieg bei den Würzburger Kickers ist für die SpVgg Unterhaching äußerst schmeichelhaft. Der Jahresauftakt könnte gerade deshalb Signalwirkung haben.

Am Ende schlossen die beiden Trainer die Pressekonferenz in Eintracht. Michael Schiele machte einen Scherz und lachte, dann fuhr auch Claus Schromm ein Grinsen ins Gesicht. Zuvor war es bei der Medienrunde zwar nicht ganz so hoch hergegangen wie in den vorangegangenen 90 Minuten - aber ein bisschen Würze, ein bisschen Zündstoff steckte schon drin: Schließlich machte Schiele keinen Hehl daraus, was er von der Spielleitung von Schiedsrichter Robin Braun hielt. Der Coach der Würzburger Kickers meinte: "Ich muss mir noch mal die neuen Regeln vom DFB durchlesen - ob die nur für Heim- oder auch für Gastmannschaften zählen." Deshalb die Würze, deshalb aber auch das Lachen der Trainer.

Schiele, 41, war weder mit dem Platzverweis für seinen Angreifer Luca Pfeiffer einverstanden noch mit den beiden Toren, die Unterhaching erzielt hatte. Zur Wahrheit gehörte an diesem Nachmittag aber auch: Die Entscheidungen von Schiedsrichter Braun folgten dem Regelwerk, und Unterhaching hatte sich dieses 2:1 (0:0) nicht ergaunert - die Hachinger hatten es mit einer Menge Glück und ein wenig Geschick errungen.

Ein Tor per Elfmeter, ein Tor, das Alexander Winkler mit einem 40-Meter-Pass von der Mittellinie an den gegnerischen Strafraum einleitete: Es war zynischer Pragmatismus, mit dem Unterhaching am Würzburger Dallenberg zum Erfolg gekommen war. Vielleicht auch deshalb räumte SpVgg-Trainer Schromm nach dem Spiel offen ein, dass das Spiel "nicht ganz leicht" zu erklären sei und der Sieg - wie jener in der Vorrunde (5:4) - "in der Summe sehr, sehr glücklich" zustande gekommen sei.

Aber: Ist es nicht so, dass es gerade diese Siege sind, die es ausmachen? Aus denen sich eine gewisse Dynamik entwickeln könnte, gerade weil sie nicht ganz leicht zu erklären sind?

Nach diesen 90 Minuten in Würzburg hat Unterhaching jedenfalls einiges aufzuarbeiten, doch aufgrund des Comebacks der SpVgg war die Partie am Ende eben auch eine, die in diese Kategorie fiel: Wer solche Spiele gewinnt, der kann noch ganz andere Spiele gewinnen und im Mai womöglich mitreden um den Aufstieg.

Dass sie durchaus Ambitionen haben, in die zweite Bundesliga zurückzukehren, daraus machen sie in der Münchner Vorstadt ja keinen Hehl mehr. Wer nun den Jahresauftakt der Hachinger gesehen hatte, der konnte nun entweder sagen: Okay, war ganz nett, dass es hinten raus gereicht hat, um die Punkte doch noch mitzunehmen, aber wirklich verdient war's eigentlich nicht. So spielt einfach kein Aufsteiger, auch nicht bei den Kickers, die ja selbst Ambitionen haben. Wer den Jahresauftakt gesehen hatte, der konnte, andererseits, aber auch sagen: Okay, es war schon glücklich, es hätte auch anders ausgehen können - aber wohin soll das bloß führen, wenn Schromms Mannschaft in Zukunft erst mal zeigt, wozu sie eigentlich fähig ist?

Etwa eine Stunde lang waren die Kickers die umtriebigere, die griffigere, die überlegene Mannschaft gewesen. Sie führte durch Pfeiffers Kopfball (46.) verdient mit 1:0, sie hätte auch höher führen können - dann wechselte Schromm und stellte um, einzig eine Wirkung war nicht auszumachen. "Der richtige Zugriff ist ausgeblieben", gestand Hachings Trainer nach der Partie. Erst der Strafstoß, nachdem Würzburgs Fabio Kaufmann den Ball im Sechzehner mit dem ausgefahrenen Arm geblockt hatte, ließ das Spiel in die andere Richtung kippen. "Der Elfmeter hat es zu unseren Gunsten gedreht", meinte Schromm in Bezug auf den Ausgleich durch Christoph Greger (67.) und den Siegtreffer von Lucas Hufnagel (75.).

So blieb Unterhaching nur ein einziger Wermutstropfen: dass Felix Müller, der Neue aus Sandhausen, eine missratene Premiere erlebte. Der frühere Würzburger betrat den Platz nach einer Stunde, musste aber nur acht Minuten später mit einer Oberschenkelverletzung aufgeben. Nun bleibt abzuwarten, ob Müller in den nächsten Wochen mithelfen kann, jene Chance zu nutzen, die der Spielplan den Hachingern bietet. In der Tabelle liegt Schromms Team auf Rang vier, gleichauf mit dem Aufsteiger Waldhof Mannheim, der den Relegationsplatz einnimmt. Und die nächsten Gegner heißen KFC Uerdingen, Hansa Rostock und Viktoria Köln - drei Mannschaften, gegen die Haching in der Vorrunde sieben Punkte geholt hat.

© SZ vom 27.01.2020
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