bedeckt München 15°

Sportschützen-DM:Eine Frau, ein Mann und viele Regeln

München:  Sport-SCHIESSEN - 1. Bundesliga - FSG Der Bund

„Aber Spaß hat es gemacht“: Selina Gschwandtner holt im Team Silber.

(Foto: Johannes Simon)

Die Sportschützen gewöhnen sich bei den deutschen Meisterschaften gerade an den neuen Teamwettbewerb. Das Münchner Duo Selina Gschwandtner und Maximilian Dallinger holt Silber.

So mancher Schütze stand mit fragender Miene am Schießstand - und plötzlich schalteten auch noch die Scheiben auf Stopp. "Es hat noch nicht alles reibungslos funktioniert", sagte Luftgewehr-Schütze Maximilian Dallinger nach der Premiere des Mixed-Wettbewerbs bei den deutschen Meisterschaften auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück. "Der Modus ist auch ein wenig kompliziert", ergänzte er. Wenn dann noch die Technik streikt, wird es unübersichtlich.

"Aber Spaß hat es gemacht", da war er sich mit Partnerin Selina Gschwandtner einig. Das Münchner Duo landete beim neu ins Programm genommenen Teamwettbewerb auf Platz zwei, Silber für Bayern also hinter dem Duo Bänisch/Sperling aus Sachsen-Anhalt. Schon bei der Europameisterschaft hatten Dallinger/Gschwandtner Bronze in der zukünftigen Olympia-Disziplin gewonnen. Gut möglich, dass sie auch 2020 in Tokio gemeinsam auflaufen. Schließlich gehören sie zu den Besten.

Eine Frau, ein Mann und viele Regeln - daran gewöhnen sich Luftgewehr und -pistolenschützen auf der ganzen Welt gerade. Das Olympische Komitee will die Wettkämpfe durch Förderung des Teamgedankens attraktiver machen. Dabei gehen vermehrt Weiblein und Männlein zusammen an den Start. So auch beim Sportschießen. "Das ist eine spannende Angelegenheit", meint Ralf Horneber vom Bayerischen Sportschützenbund zum neuen Mixed.

39 Treffer im Finale: Für die Olympiazweite Monika Karsch ist es ein inoffizieller Weltrekord

Für das deutsche Team ist die Neuerung von Vorteil, weil Frauen- und Männer-Team in der Spitze etwa gleich stark sind, das ist gerade bei kleineren Nationen nicht der Fall. Der Vorkampf mit je 25 Schüssen, das Halbfinale mit acht Teams und ein Finale, bei dem je nach Bestwertung Punkte vergeben werden, sind abwechslungsreicher als viele andere Schießwettbewerbe, aber auch nicht für jeden leicht zu verstehen. "Da müssen wir gerade viel erklären", sagt Horneber. Für die Sportler ist vor allem neu, dass am "Nachbarstand direkt der Partner steht und die Ergebnisse addiert werden", erklärt Dallinger. Normalerweise sind Schützen Einzelkämpfer. "Genau diese neue Dynamik macht die Sache interessant", sagt der 20-Jährige, der auch sonst wieder fleißig Medaillen bei der DM sammelte: Gold mit dem Kleinkaliber liegend, Silber im Luftgewehr-Einzel.

Die Bundeskaderathleten wurden ihrer Favoritenrolle am "olympischen Wochenende" bei den wichtigsten Disziplinen großteils gerecht. Die Olympiazweite Monika Karsch etwa glänzte mit einem inoffiziellen Weltrekord bei ihrem Titelgewinn mit der Sportpistole und 39 Treffern im Finale, die vom internationalen Verband allerdings nicht anerkannt werden. Olympiasiegerin Barbara Engleder landete mit dem Luftgewehr auf Platz zwei - und das, obwohl die 34-Jährige nach ihrem Karriereende nur "sporadisch trainiert" und ihre Zeit mittlerweile hauptsächlich zwischen Job (Verwaltungsangestellte) und Familie aufteilt. Auch Olympiasieger Christian Reitz und der Olympiafünfte André Link sicherten sich die Titel in ihren Disziplinen. Dazu siegte der Münchner Aleksandar Todorov mit der Freien Pistole und Teamkollege Michael Heise sowie Isabella Straub landeten beim Heimspiel jeweils auf Platz zwei. Beim Target Sprint, einer Kombination von Laufen und Schießen, verteidigte Anita Flack (HSG München) ihren Titel. Im Medaillenspiegel liegt der Freistaat Bayern klar vor den anderen Bundesländern. "Die Favoriten geben sich hier keine Blöße", fasste Horneber zusammen.

Wenn mehr als 4000 Sportler bei mehr als 6000 Starts aufeinandertreffen, ist das zudem auch eine organisatorische Höchstleistung, die in diesen Tagen zwischen Wettkämpfen, einer vollen Finalhalle und den Zelten der Aussteller vollbracht wird. Hier macht sich die Größe und der gute Zustand der Olympia-Schießanlage bezahlt, die von Verband und Land regelmäßig restauriert und gut in Schuss gehalten wird. Und so verzeihen Schützen und Zuschauer auch die ein oder andere Wartezeit und technische Störung. Wenn die Ergebnisse dann plötzlich mit der Hand notiert werden müssen, so ebenfalls passiert beim Mixed, wird es dann aber schon etwas kompliziert: Die Ergebnisse werden schließlich auf Zehntel genau gewertet - aber dafür hat man jetzt ja zwei Köpfe.