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Soziales Sportprojekt:Modell Action

Der Münchner Verein High Five bietet sozial benachteiligten Kindern kostenlose Skate- und Snowboard-Kurse - und dadurch Erfolgserlebnisse.

Es ist unter Wissenschaftlern verpönt, und doch hilft manchmal ein Blick in das Online-Lexikon Wikipedia, um Missverständnisse zu vermeiden. "High five ist eine besonders in den Vereinigten Staaten verbreitete Geste des Feierns, bei der zwei Personen jeweils eine Hand heben, um sie in die erhobene Hand des Gegenübers zu schlagen", heißt es da etwa. Die Geste diene dem Ausdruck gemeinsamer Zufriedenheit über einen Erfolg oder dazu, jemandem zu gratulieren. Es geht also um das Miteinander, um einen gemeinsamen Moment der Freude. Und deshalb ist "High Five" genau der richtige Ausdruck für das gleichnamige Projekt, das seit 2010 sozial schwächeren Kindern und Jugendlichen in München Skate- und Snowboardkurse anbietet. "Wir versuchen, sie durch sinn- und identitätsstiftende Sportarten für den Alltag zu motivieren", sagt Ingrid Gasser, seit 2015 im Vorstand von High Five. Sie ist eine von drei hauptamtlich Angestellten im Verein, und alleine diese Tatsache zeigt das Wachstum des Vereins. Vor sieben Jahren wurde er gegründet, anfangs auf ehrenamtlicher Basis, von sieben Mitarbeitern einer Marketingagentur, die die Leidenschaft zum Action-Sport eint.

Diese Bretter bedeuten vielleicht nicht die Welt, aber sie können Kindern und Jugendlichen den Weg ebnen, um neue Kulturen kennenzulernen.

(Foto: Fabian Beger / oh)

Unterstützt durch Stiftungen und Förderpartner, bietet der Verein regelmäßige Skateboardkurse für Jungen und Mädchen im Alter von neun bis 17 Jahren an, sie lernen, Balance zu halten und üben Tricks ein. Und eben das Miteinander. "Man ist eine Gruppe, setzt sich gemeinsame Ziele, hat gemeinsame Erfolgserlebnisse", erklärt Gasser, "wenn es in der Schule nicht so gut läuft, bringt das Skaten Motivation."

Seit diesem Jahr wurden die Kurse auch für die Allgemeinheit geöffnet, "es geht auch darum, verschiedene Milieus zusammenzubringen", egal ob arm oder reich, ebenso wie Menschen aus verschiedenen Wohngebieten, "die sich ansonsten nie kennenlernen würden". Da immer mehr Flüchtlinge teilnehmen, werde auch der Einblick in andere Kulturen ermöglicht, "der Austausch ist wichtig", betont Gasser, "es ist eine Möglichkeit, sein Netzwerk zu erweitern." Und: "Kinder haben keine Vorurteile, und so entstehen auch keine."

In Kooperation mit dem Referat für Bildung und Sport werden seit 2013 auch in Schulen Skateboardkurse angeboten, für fünfte bis achte Klassen. "Die Schulen nehmen das Angebot gerne an", berichtet Gasser. 230 Schüler waren es im vergangenen Jahr. Auch die Betreuung abseits der Kurse ist gewährleistet, von Mai bis September tourt das "Skatepark-Mobil" durch sieben Münchner Skateparks und gibt Tipps zum Einsatz von Protektoren, Vorfahrtsregeln und der Vorbeugung von Verletzungen.

Die Kinder sollen auch die ganz alltäglichen Dinge lernen: "Wie buche ich ein Zugticket?"

Die Kinder und Jugendlichen sollen aber auch alltägliche Dinge lernen, "wie suche ich einen Zug raus, wie buche ich ein Ticket, habe ich etwas zu trinken und essen dabei", nennt Gasser als Beispiele, und dabei helfen sollen vor allem die Snowboardkurse im Skigebiet am Spitzingsee, "ein Langzeitprojekt", wie sie es nennt. Über drei Monate hinweg werden 35 sozial und finanziell schwächer Gestellte ab 13 Jahren jeden Sonntag ins Skigebiet gefahren, beginnend mit einem Schnupper-Workshop. Das Angebot ist kostenlos, anders wäre es nicht zu machen, "weil die Eltern wohl keine Motivation haben, es ihnen zu ermöglichen", wie Gasser sagt. Neben der Hilfe für den Alltag zähle aber primär, sportliche Grundlagen zu setzen, und überhaupt, den Umgang in einem Skigebiet zu lehren - wie komme ich dorthin, woher bekomme ich das Material, wo einen Skipass?

"Die Kurse sind immer voll", sagt Gasser, "es gibt großen Bedarf. Wir wünschen uns, dass viele Jungen und Mädchen teilnehmen und stark werden. Dass sie eine Perspektive haben." Auch in Zukunft sei man voller Ideen, "wir wachsen stetig". Damit sozial Schwächere Kinder und Jugendliche das Wort "Perspektive" nicht bei Wikipedia nachschauen müssen. Sondern eine haben.

Für die Talentiade 2017 sucht die SZ wieder herausragende junge Sportler aus der Region. Zudem schreibt die Dr.-Ludwig-Koch-Stiftung zum zweiten Mal einen mit 5000 Euro dotierten Sonderpreis aus. Gesucht werden innovative sportpädagogische Projekte in München. Erster Träger des Sonderpreises im Jahr 2015 waren die JazzADa Teenies, eine integrative Tanzgruppe des TSV Schleißheim.